Ausländerbehörde:Digitale Notfall-Termine gegen lange Warteschlangen

Ausländerbehörde: Bei Minusgraden stundenlang warten - und am Ende gar nicht an die Reihe kommen: Diese Szenen aus dem vergangenen Jahr sollen sich heuer nicht wiederholen.

Bei Minusgraden stundenlang warten - und am Ende gar nicht an die Reihe kommen: Diese Szenen aus dem vergangenen Jahr sollen sich heuer nicht wiederholen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer Probleme mit den Aufenthaltspapieren hatte, musste bislang oft stundenlang vor dem Kreisverwaltungsreferat warten. Nun reagiert die Behörde mit einem neuen Service.

Von Heiner Effern

Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) hat eine neue Soforthilfe für ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger eingerichtet, die kurzfristig Probleme mit ihren Aufenthaltspapieren haben. Bereits seit Ende Oktober können sie nun über das Internet oder auch bei persönlicher Vorsprache in der Zentrale in der Ruppertstraße einen Termin für denselben oder nächsten Tag fix buchen. "Diese Kundinnen und Kunden in einer Notlage, die zum Beispiel ihren Arbeitsplatz oder einen Studienkredit verlieren könnten, brauchen einen schnellen persönlichen Kontakt zur Ausländerbehörde", sagt Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller-Gradl (Grüne).

Die erst im Sommer neu ins Amt gewählte KVR-Chefin reagiert damit auf immer wieder hochkochende Beschwerden, dass die Ausländerbehörde der Stadt zu langsam und zu wenig serviceorientiert arbeite. Anträge sollen wegen Überlastung teilweise über ein halbes Jahr nicht bearbeitet worden sein, für Auskünfte soll niemand zu erreichen gewesen sein.

Ausländische Wissenschaftler berichteten, dass sie ihre Posten an Forschungsinstituten in München nicht antreten konnten, weil sie ihre Aufenthaltstitel zu spät erhalten hätten. Der einzige Weg für mögliche Abhilfe bestand bisher darin, sich frühmorgens am Notschalter des KVR in der Ruppertstraße anzustellen. Die Schlangen dort wuchsen allerdings oftmals so schnell, dass man nicht wusste, ob man überhaupt noch an die Reihe kam.

Ausländerbehörde: Die neue KVR-Chefin Hanna Sammüller-Gradl reagiert auf Beschwerden, die Behörde arbeite zu langsam.

Die neue KVR-Chefin Hanna Sammüller-Gradl reagiert auf Beschwerden, die Behörde arbeite zu langsam.

(Foto: Robert Haas)

Dieses Szenario wollte die Kreisverwaltungsreferentin eigenen Angaben zufolge so schnell wie möglich beenden. Nun können Menschen in Notlagen auf der Internet-Seite der Stadt, über Mitarbeiter oder einen QR-Code direkt vor der Behörde erfahren, wie sie umgehend an einen Notfalltermin kommen. Täglich würden welche online freigeschaltet, heißt es in einer Mitteilung des KVR. Sie seien bereits am Nachmittag des Vortages und am Morgen für den gleichen Tag buchbar. Die Schlangen und die Ungewissheit vor dem Notschalter sollen damit der Vergangenheit angehören.

"Mir war es sehr wichtig, dass wir eine Lösung entwickeln, bevor die richtig kalten Wintermonate beginnen. Ich wollte nicht, dass irgendeine Person bei Minusgraden ewig in einer Warteschlange stehen muss, nur um schlimmstenfalls erfolglos heimgeschickt zu werden", sagte Sammüller-Gradl. Allerdings müssen Menschen, die den Notfall-Service in Anspruch nehmen wollen, ihre kurzfristigen Probleme auch mit Unterlagen belegen können.

Die Kreisverwaltungsreferentin erklärt, dass die neue Nothilfe nicht nur für die Kundinnen und Kundinnen eine Verbesserung darstelle, sondern auch für eine höhere Effektivität bei der Bearbeitung führe. "Seitdem wir den neuen Service eingeführt haben, konnten wir auch deutlich mehr Anliegen in der gleichen Zeit bearbeiten." Ihre Behörde wolle auch künftig Anregungen und Kritik von Bürgern nutzen, "um dieses und alle anderen Angebote stetig zu verbessern". Man sehe an diesem Beispiel, dass es sich lohne, Abläufe immer wieder anzusehen und nach Verbesserungen zu suchen. "Ziel sei es", sagt Sammüller-Gradl, "den Menschen den bestmöglichen Bürgerservice anzubieten."

Notfall-Termine im Internet unter: stadt.muenchen.de/service/info/hilfe-bei-fehlendem-aufenthaltsti-tel-notfaelle/10338842/mu.

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