Mindestens 13 000 Euro teures Bild:Gestohlenes Gemälde bei Auktion in München aufgetaucht

Gemälde Maria Magdalena

Hans Kornprobst (links) und Enrico de Agostini bei der Übergabe der Maria Magdalena.

(Foto: Staatsanwaltschaft München I)

Kurz vor der Versteigerung fiel die Herkunft des vor 40 Jahren entwendeten Werks auf. Nun ist es wieder zurück in Italien.

Von Martin Bernstein

Die Sünderin im hauchdünnen Negligé entblößt auf dem Gemälde kokett ihre rechte Brust. Vor ihr auf dem Tisch steht ein Salbgefäß aus Alabaster - Hinweis auf die spätere Bestimmung der Frau: Als Maria Magdalena gehörte sie in den Evangelien zum engsten Jüngerkreis Jesu, sie salbte Christi Füße und ging am Ostermorgen zum Grab, um den vermeintlich Toten auch dort zu salben. Dabei begegnete sie dem Auferstandenen.

Eine Geschichte von Sünde und, wenn man so will, Erlösung ist es, die die Münchner Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Gemälde erzählen konnte, das die verführerische Heilige zeigt. Ein Werk aus dem letzten Viertel des 17. Jahrhunderts. "Das Gemälde besitzt in seiner Einfachheit eine elegante und wohldurchdachte Bildaufteilung und malerische Finesse", so beschrieb das Auktionshaus die etwa 60 auf 50 Zentimeter große Holztafel. Das Gemälde im Stil des Manierismus ist freilich nicht ganz auf der künstlerischen Höhe der damals eigentlich schon recht barocken Zeit. Aber immerhin mindestens 13 000 Euro wert, vielleicht auch mehr. Wie viel genau, das hätte die Auktion gezeigt, auf der das Ölgemälde im Sommer 2016 in München hätte unter den Hammer kommen sollen. Als "Florentiner Schule" pries das Auktionshaus vor fünf Jahren das Kunststück an - was bedeutet, dass der Maler nicht mehr genauer zu bestimmen ist.

Bestimmen konnten allerdings italienische Kunstfahnder, wo das Bild zuletzt gesehen worden war. Bei einem Privatmann in Mailand nämlich. Dort war es am 9. August 1975 gestohlen worden. Und danach wohl 40 Jahre lang durch viele Hände gegangen. So viele Stationen waren es, dass die Münchner Versteigerer dem Gemälde bescheinigen konnten: "Dieses Objekt wurde einzeln mit den Informationen in der Art Loss Register-Datenbank verglichen und ist dort nicht als gestohlen oder vermisst registriert." Auch der Einlieferer, ein Privatmann aus dem Raum Parma, war wohl über jeden Zweifel erhaben. Die Mailänder Staatsanwaltschaft indes wurde auf das Gemälde aufmerksam und stellte fest: In München sollte geschütztes italienisches Kulturgut unter den Hammer kommen.

Nach einem Rechtshilfeersuchen der Kollegen aus der Lombardei beschlagnahmten Münchner Staatsanwälte das Kunstwerk und die Einlieferungsunterlagen. Und standen vor einem Problem. Denn eine Herausgabe des Gemäldes zu Beweiszwecken an die italienischen Behörden war nicht möglich, solange die Eigentumsrechte ungeklärt waren. Zunächst also musste das Gemälde an das Auktionshaus zurückgegeben werden, das sich laut Leitendem Oberstaatsanwalt Hans Kornprobst indes wie auch andere Münchner Versteigerer in ähnlichen Fällen "sehr kooperativ" zeigte. Es dauerte dann noch bis vergangenen November, ehe die italienischen Ermittler bestätigten: Nun habe man sich mit dem Eigentümer geeinigt, das Gemälde könne nach Italien zurückkehren. Am 5. Mai trafen zwei Polizisten des "Comando Carabinieri Tutela Patrimonio Culturale" bei Generalkonsul Enrico de Agostini in der Möhlstraße ein. Sie übernahmen die halbnackte Maria Magdalena und eskortierten sie zurück in ihre italienische Heimat.

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