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Bühnen in München:Vorhang auf für die Kultur

Gärtnerplatztheater, Hinter dem Vorhang

Das Gärtnerplatztheater öffnet sich wieder - und zeigt ein buntes Programm für wenige Besucher.

(Foto: Christian POGO Zach)

Der Juni markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur Normalität. Nun dürfen Künstler in Bayern wieder vor Publikum auftreten. Kleine Veranstaltungsreihen gibt es an der Staatsoper, dem Gärtnerplatztheater und den Kammerspielen.

Von Rita Argauer und Christiane lutz

Das Publikum nach derzeitigen Corona-Regeln in ein Theater zu schleusen, gleicht einer Hochsicherheitsoperation. Mit Abstand anstellen, einzeln eintreten und einzeln den Weg zu einem Stuhl gewiesen bekommen, bei dem man so viel Beinfreiheit hat, dass man sich in eine halbliegende Position begeben könnte.

Trotzdem: Es ist eine Freude, Musik, Theater und Tanz wieder live zu erleben. An der Bayerischen Staatsoper geht das zurzeit in einem schönen Doppelformat vonstatten: Unter dem Namen "Fester Samstag - Freier Sonntag" finden klein besetzt Veranstaltungen statt. Der Samstag wird dabei aus dem Ensemble des Hauses besetzt. Den Sonntag bespielen freie Künstler - als eine Geste der Solidarität. So gibt es am Samstag, 13. Juni, etwa Peter Maxwell Davies' "Eight Songs for a Mad King", szenisch eingerichtet und unter der Leitung von Olivier Tardy. Am Sonntag stellt Yana Thönnes den "Club Silencio" aus David Lynchs Mulholland Drive nach (Vorverkauf von 10. Juni an, nur online). Auch das Gärtnerplatztheater nimmt den Spielbetrieb wieder auf. Drei Veranstaltungsserien gibt es hier. Immer montags und dienstags sehen maximal 16 Personen ein buntes Programm mit den Sängern des Theaters, mittwochs bis samstags gibt es Konzerte für je 50 Personen. Am Samstag gibt es den "Karneval der Tiere" mit Texten von Loriot für Kinder ab fünf Jahren und am Sonntag das Matinee-Kammerkonzert "Geiger und Denker".

Die Kammerspiele schaffen es, am Montag, 15. Juni, immerhin noch zwei der geplanten Premieren rauszubringen. Da ist zum einen "Wunde R", ein assoziativer Text von Enis Maci über die Versehrtheit des Körpers und die Sehnsucht, die Grenzen des Ichs zu überwinden. Regie führt Felix Rothenhäusler, Spezialist fürs Assoziative, für Rhythmus und eine gewisse Melancholie auf der Bühne. Für ihn ließen sich die Abstandsregeln auf sinnvolle Weise mit seinen Ideen verbinden, schließlich sehnen sich gerade viele Menschen nach der Verbindung mit anderen, nach dem Überwinden der Grenzen zueinander. Parallel startet Susanne Kennedys und Markus Selgs "Oracle". Bei dem Theaterparcours in der Kammer 2 wird im Zehn-Minuten-Rhyhtmus je ein Zuschauer auf eine Reise zu einem Orakel geschickt. Die Wahrheiten, mit denen man da üblicherweise konfrontiert wird, sind oft unbequem. Aber immerhin der Selbsterkenntnis dienlich.

Weitere Infos: www.staatsoper.de, www.gaertnerplatztheater.de, www.muenchner-kammerspiele.de

© SZ vom 10.06.2020

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