München:"Hauptsache, wir setzen uns in Bewegung!"

12 000 Teilnehmer meldet die Münchner Polizei beim Klimaprotest, von 29 000 sprechen die Veranstalter von "Fridays for Future". Vom Königsplatz aus ziehen sie in einem Protestmarsch durch die Stadt. Was sie fordern? Etwa "Wählen FÜR die Zukunft".

Von Thomas Anlauf

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Klimastreik - Fridays for Future, 2021

Quelle: Robert Haas

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Es ist kurz nach zwölf auf dem Münchner Königsplatz. Es sind nicht ein paar Hundert Menschen, die hier kurz vor der Bundestagswahl für eine Klimawende und Klimaschutz demonstrieren. Es sind viele Tausend Demonstrantinnen und Demonstranten, schon jetzt stehen die Menschen bis zum Karolinenplatz einen Block weiter, die Treppen der Glyptothek und der Antikensammlung sind voll besetzt. "Climate justice", rufen die Demonstranten, alle mit Schutzmasken.

"Schon jetzt verlieren Menschen aufgrund der Klimakrise ihr Zuhause und müssen fliehen. Wir können nicht weiter mit dem Kampf gegen die Klimakrise warten", heißt es auf der Internetseite der Bewegung Fridays for Future, die zum globalen Klimastreik aufgerufen hat.

Demonstration von 'Fridays for Future' in München

Quelle: dpa

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Eine erste Zahl macht am Königsplatz die Runde: 25 000 Menschen könnten es sein, die sich hier versammelt haben, um friedlich für mehr Klimaschutz zu kämpfen. Tausende knien nieder und springen auf Kommando auf zu einer riesigen La-Ola-Welle. "Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist", hat ein grauhaariger Demonstrant auf ein Pappschild geschrieben. "Jetzt wird's ernst. Wählen FÜR die Zukunft", steht auf einem anderen Plakat. Dann schwenken die Menschen auf dem überfüllten Platz die Arme zum Song "We are the world".

Klimastreik - Fridays for Future, 2021

Quelle: Robert Haas

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Vor den Propyläen ist eine große Bühne aufgebaut, dort steht die 13-jährige Marlene. Sie hatte vor zwei Jahren an Jürgen Resch von der Deutschen Umwelthilfe geschrieben. Für sie sei es unfassbar, wie langsam es mit dem Klimaschutz vorangehe. "Ich möchte, dass die Menschen auch in hundert Jahren wissen, was Schnee ist", schrieb die Elfjährige damals.

Resch antwortete nicht nur, sondern reichte mit der Umwelthilfe Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Das Gericht erklärte daraufhin im April, dass die Bundesregierung zu wenig für den Klimaschutz unternehme und forderte konkrete Maßnahmen. Das hat letztlich ein heute 13-jähriges Mädchen erreicht.

Auch die Moderatorin und Schauspielerin Nina Eichinger ist eine der Rednerinnen auf der Bühne von Fridays for Future. "Der Klimawandel ist kein Ein-Parteien-Thema. Das ist doch etwas, das alle betrifft", sagt die Tochter des Filmproduzenten Bernd Eichinger. Man müsse jetzt das große Ganze ändern: "Wir werden dabei sicherlich auch Fehler machen. Aber Hauptsache, wir setzen uns in Bewegung!"

globaler Klimastreik von Fridays for Future in München Auftaktkundgebung am Königsplatz in München. Fridays for Future

Quelle: imago images/Thomas Vonier

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Der Demonstrationszug startet nun zu einer Runde durch das Museumsviertel. Bis die Menschen den Platz verlassen haben, dauert es, die Menge ist unüberschaubar groß. Rund um die Demonstration sind die Straßen für den Autoverkehr gesperrt. Gegen 15 Uhr gibt es am Königsplatz die Schlusskundgebung. Dann dürften es noch mehr Demonstranten sein. Bislang demonstrieren viele Schüler, Studenten und ältere Menschen.

Demonstration von 'Fridays for Future' in München

Quelle: dpa

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Dass viele Schülerinnen und Schüler für die Proteste den Unterricht ausfallen lassen, ist umstritten. Der Münchner Stadtschulrat Florian Kraus hat dazu eine klare Meinung: "Ich begrüße die Anstrengungen aller jungen Menschen, sich gegen den Klimawandel einzusetzen und die Politik zum Handeln aufzufordern", heißt es in einem Statement des Grünen-Politikers. "Hier geht es um die Zukunft der Schüler*innen und ich halte es für selbstverständlich, dass die Kinder und Jugendlichen hier ihre Stimme erheben. Der Klimawandel hat unmittelbare Auswirkungen auf diese Generation und Aktionen in diesem Zusammenhang sollte man daher nicht nur als politisch motivierte Aktion betrachten."

Doch auch Kraus betont, dass der Unterricht "in geeigneter Form" nachgeholt werden müsse. Strafen fürs Schwänzen und Demonstrieren soll es aber nicht geben, so seine Meinung.

globaler Klimastreik von Fridays for Future in München Auftaktkundgebung am Königsplatz in München. Fridays for Future

Quelle: imago images/Thomas Vonier

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Ursprünglich hatten die Veranstalter in München mit etwa 5000 Teilnehmerinnen und Teinehmern gerechnet. Die Demo startete um zwölf Uhr auf dem Königsplatz. Nach einer Kundgebung ist ein Zug durch die Innenstadt geplant - dann kommen alle wieder auf dem Königsplatz zusammen.

globaler Klimastreik von Fridays for Future in München Auftaktkundgebung am Königsplatz in München. Fridays for Future

Quelle: imago images/Thomas Vonier

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Auch in anderen bayerischen Städten gehen Menschen für den Klimaschutz auf die Straße: In Regensburg soll es ein Klimacamp geben mit Reden, Musik, Theater und Picknick. In Nürnberg soll es um 12.30 Uhr auf der Wöhrder Wiese losgehen. In Würzburg ist im Anschluss an die Kundgebung eine Fahrraddemo geplant. Auch in Städten wie Augsburg, Passau, Landshut, Kempten, Mühldorf, Straubing, Bayreuth oder Bamberg sowie in vielen kleineren Orten haben Aktivistinnen und Aktivisten Pläne geschmiedet.

Klimastreik - Fridays for Future, 2021

Quelle: Robert Haas

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Um kurz vor 15 Uhr verkündet Fridays for future eine beeindruckende Zahl: 29 000 Menschen sollen es sein, die in München zwei Tage vor der Bundestagstagswahl für einen effektiven Klimaschutz demonstrieren. Der Polizei zufolge waren es erheblich weniger Teihlnehmerinnen und Teilnehmer, aber immer noch mehr, als von den Veranstaltern gedacht, nämlich 12 000.

Wegen der Versammlung kommt es bis voraussichtlich 17 Uhr um den Königsplatz zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, teilt die Polizei mit. Betroffen sind auch die Augusten-, Ludwig-, Theresien- und Briennerstraße.

© SZ.de/infu
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