Theater:Unterm Sommerabendhimmel

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Theater: Eine brave Begegnung: Daniela Voß und Sven Schöcker als Penelope und Odysseus bei den Theaterspielen in der Glyptothek.

Eine brave Begegnung: Daniela Voß und Sven Schöcker als Penelope und Odysseus bei den Theaterspielen in der Glyptothek.

(Foto: Volker Derlath)

Im Innenhof der Glyptothek ist die Romanadaption "Eine ganz gewöhnliche Ehe: Odysseus und Penelope" von Inge Merkel zu sehen.

Von Yvonne Poppek, München

Es liegt ein ganz eigener Zauber im Innenhof der Glyptothek. Besonders am Abend, wenn das Museum geschlossen ist. Durch die großen Fenster blickt man auf die antiken Skulpturen in den erleuchteten Ausstellungsräumen. Stimmen, Musik, Großstadtrauschen schwappt in leisen Wellen über die Mauern. Darüber der dunkelblaue Sommerabendhimmel. Für diesen Ort haben Gunnar Petersen und Beles Adam vor mehr als 30 Jahren ihre Theaterspiele erdacht. Das Publikum sitzt an Tischen, es gibt Wein, Wasser und Brot. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn darf man es sich hier schon gut gehen lassen. Irgendwann gibt es dann auch Theater, in den meisten Fällen ein antiker Stoff.

Dieses Jahr hat Beles Adam Inge Merkels Roman "Eine ganz gewöhnliche Ehe: Odysseus und Penelope" bearbeitet und inszeniert. Inge Merkel ist eine österreichische Autorin und Altphilologin. Ihr Romandebüt erschien 1982, da war sie bereits 60. Ihre Annäherung an Odysseus und Penelope veröffentlichte sie 1987. Darin finden sich Elemente des antiken Stoffs, der Kampf um Troja, die Odyssee, Götterzorn und Heldentaten. Merkel nimmt - wie der Titel schon verrät - die Beziehung der beiden Figuren in den Blick. Penelope ist hier eine kluge Frau, die sich in einer archaischen, männlich dominierten Gesellschaft behauptet und für Werte wie Frieden, Gleichheit, Menschlichkeit eintritt. Odysseus ist ein von Neugier und Tatendrang Getriebener, stets nach Neuem suchend, nach Kämpfen, Frauen und Sex. Merkel macht keine feministischen Positionen auf, sie untersucht das Zusammenspiel zweier Menschen, die sich gemeinsam behaupten müssen.

Daniela Voß und Sven Schöcker geben in der Glyptothek dieses Ehepaar auf einer schlichten Bühnenschräge. Deutlich und einem gleich bleibendem Rhythmus unterworfen sprechen sie ihre Dialoge ein. Ein paar brave Annäherungen und Wutausbrüche sind in den Abend eingestreut, der sich mit einer tieferen Figurenzeichnung oder überraschenden ästhetischen Mitteln zurückhält. Irgendwann dringt Salsamusik von außen in den Innenhof, erzählt von einem ganz anderen Feuer zwischen Frau und Mann.

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