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München:Ganz schön sportlich

Ein Dach für Einkommensschwache

Erst im März hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den "wohnungspolitischen Paukenschlag" angekündigt. Seitdem treiben Stadtrat und Verwaltung den geförderten Wohnungsbau unter dem Titel "Wohnen für alle" mit Hochdruck voran. Erklärtes Ziel ist es, in einem Zeitraum von vier Jahren rund 3000 neue Wohnungen für einkommensschwache Gruppen zu realisieren - vor allem für Familien mit geringem Einkommen, Auszubildende und junge Berufstätige sowie anerkannte Flüchtlinge. Neben den städtischen Wohnungsbaugesellschaften sollen sich auch private Gesellschaften engagieren, sie sollen rund die Hälfte der neuen Appartements bauen. Nicht überall läuft das Projekt konfliktfrei. So rührte sich etwa Widerstand gegen das auch städtebaulich ungewöhnliche Vorhaben, am Dantebad auf einem Parkplatz ein Wohnhaus auf Stelzen zu errichten. Anderenorts werden Wiesen und Bolzplätze zugebaut - was dort ebenfalls auf Proteste stößt. tek

In nur zehn Monaten entstanden an der Bodenseestraße zwei Häuser für das Projekt "Wohnen für alle", jetzt war Richtfest. Möglich wurde das durch den Einsatz der sogenannten Holz-Hybrid-Bauweise

"Der famose 3-D-Drucker", sagt Stadtbaurätin Elisabeth Merk schmunzelnd, "kann eben noch kein Haus ausdrucken". Schon gar nicht so "schnell, sozial und schön" wie die beiden Häuser, die derzeit für rund zehn Millionen Euro an der Bodenseestraße 166 entstehen.

Vor einem Jahr noch konnte man an der selben Stelle, an der am Freitag Richtfest gefeiert wurde, Autos kaufen. Damals wusste nicht einmal die Geschäftsführung der Gewofag, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft dort innerhalb von nur zehn Monaten zwei Gebäude errichten würde. Dann aber verabschiedete der Stadtrat das Sofortprogramm "Wohnen für alle". Nach dem Pilotprojekt am Dantebad in Moosach ist Neuaubing das zweite, das das Unternehmen nach diesem Modell fertigstellt. Für ein drittes an der Schittgablerstraße in Feldmoching war der Start im Oktober.

"Das ist ein Speed-Projekt", kommentiert Gewofag-Chef Klaus-Michael Dengler das enorme Bau-Tempo, "wir sind in Neuaubing drei- bis viermal so schnell wie sonst üblich - und das, ohne die Bauqualität zu vernachlässigen." Geschuldet ist das Eiltempo dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München. 81 Wohnungen baut die Gewofag an der Bodenseestraße für anerkannte Flüchtlinge und all diejenigen Münchner, die sich trotz lebenslanger Arbeit schwer tun, auf dem angespannten Wohnungsmarkt eine Wohnung zu finden: 63 Ein-Zimmer-Appartements mit jeweils 24 Quadratmetern, 14 Zwei-Zimmer Wohnungen à 49 Quadratmeter und vier Drei-Zimmer-Wohnungen mit 73 Quadratmetern. Einige Wohnungen sind bereits fertiggestellt, Ende März 2017 sollen dann alle bezogen werden können.

Möglich ist das sportliche Zeitmanagement dank der Beauftragung zweier Generalunternehmer und dem Bau in sogenannter Holz-Hybrid-Bauweise. "Wir errichten einen Massivbau mit tragenden Teilen in Stahlbeton", erklärt Projektleiter Florian Lippmann. Viele Teile sind vorgefertigt, auch die Holzelemente, die die schicke Optik ausmachen. "Für die Fassadenmontage", sagt Lippmann, "brauchte es nur zwei Wochen." Eigentlich hätten sogar Fertigbäder installiert werden sollen, doch dafür ging der Auftrag zu spät raus. Die Bauweise, betont Stadtbaurätin Merk, ermögliche aber nicht nur einen schnellen Bezug: "Sie reduziert auch die Belastung für das Viertel durch Baustellen und zusätzlichen Verkehr."

Der Neubaukomplex nach dem Entwurf von 03 Architekten und Maier Neuberger Architekten besteht aus zwei Häusern - einem dreistöckigen im hinteren Bereich am Überlinger Weg und einem höheren mit fünf Stockwerken längs der Bodenseestraße, das gleichzeitig Schallschutzfunktionen übernehmen soll. Beide Gebäude erhalten begrünte Dächer und verfügen über geräumige Gemeinschaftsräume mit bodentiefen Glasfronten. Im 125 Quadratmeter großen Raum an der Bodenseestraße bewirtete die Gewofag am Freitag ihre zahlreichen Richtfest-Gäste. Der Richtspruch brachte den Dank des Unternehmens auf den Punkt: "Der Termin, der war echt eng bemessen. Ohne die richtigen Leut' kannst des vergessen."