München:Ein echtes Upgrade

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München: Deutlich besser als die Turnhalle: In den Konferenzräumen des Hotels profitieren die Schüler von den komfortablen Stühlen und die Lehrer von der guten Akustik. Und der Corona-Abstand lässt sich auch einhalten.

Deutlich besser als die Turnhalle: In den Konferenzräumen des Hotels profitieren die Schüler von den komfortablen Stühlen und die Lehrer von der guten Akustik. Und der Corona-Abstand lässt sich auch einhalten.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Seit dieser Woche haben 246 Abiturienten des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums Präsenzunterricht in den Tagungsräumen des Sheraton Hotels im Arabellapark. Die Freude über die Möglichkeit zum Austausch ist groß

Von Nicole Graner

Ob das wirklich Zufall war? Uwe Barfknecht, Schulleiter des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums (WHG), trägt eine lilafarbene Krawatte zu seinem grau melierten Anzug. Farblich ist das Ensemble genau abgestimmt auf lila gepolsterte Stühle in einem extravaganten Klassenzimmer. Das mit der Krawatte sei natürlich "unbeabsichtigt" gewesen. Sagt er und geht durch sein neues temporäres "Schulhaus": das Konferenzzentrum des Sheraton Munich Arabellapark Hotels in Bogenhausen. Vorbei an goldenen Säulen, Spiegeln und Glas. Vorbei an Ledersofas und leeren Speisetheken.

Barfknechts Schritte sind kaum zu hören. Der ebenfalls lila gemusterte Teppich schluckt jeden Laut. Leise ist es hier. Sehr leise. Und dennoch haben drei Abiturklassen der Q 11 und Q 12 am Mittwochvormittag Unterricht - dort, wo normalerweise Tagungen stattfinden, in Räumen, benannt nach bekannten Baumeistern, die für die Architektur in München viel getan haben: François Cuvilliés, Egid Quirin Asam und Joseph Effner.

Da wäre also der Raum "Asam": 25 Schülerinnen und Schüler sitzen an schmalen, langen Bänken - einer an jedem Tisch. Mit großem Abstand. Platz ist ja genug. Die Decke ist holzvertäfelt, das Licht kommt von modernen, aus durchsichtigen Kugeln bestehenden Lüstern. Lange weiße Stores hängen vor ebenso langen Fenstern. Und Kai Rössner, 38, unterrichtet in dieser Umgebung Geografie. Auf eine riesige Leinwand ist ein Schaubild projiziert. Es geht um Tourismus im Zeichen der Globalisierung. Die Schüler machen mit, schauen sich aber immer wieder im Raum um - ein bisschen ungläubig, in welch noblem Klassenzimmer sie da plötzlich sitzen.

"Das ist ein echtes Upgrade", sagt Alba De Curtis. Die 17-jährige Schülerin grinst wahrscheinlich hinter der Maske ein bisschen, als sie klar macht, dass dieser Unterricht im Raum "Asam" schon "sehr viel besser ist als in der Turnhalle". Ein komisches Gefühl sei es trotzdem, ergänzt Amanda Limbrunner, 17.

Schon im September hatte Uwe Barfknecht Kontakt mit der Schörghuber Unternehmensgruppe, zu der auch das Sheraton-Hotel gehört, aufgenommen. Er erklärte dem Complex General Manager des Hotels, Paul Peters, wie wichtig es sei, für die Abiturklassen Präsenzunterricht anzubieten, wenn es irgendwann wieder möglich sei. Aus Platzgründen und wegen der Einhaltung der Corona-Regeln wäre das, so Barfknecht, in den Räumen des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums selbst sonst nicht für alle Schüler möglich.

"Wir haben keine Sekunde nachgedacht und zugesagt", berichtet Peters über seine Reaktion auf den Vorstoß des Schulleiters. Auch Simone Momberg von der Schörghuber Unternehmensgruppe bestätigt das. "Wie haben eine enge Verbundenheit mit dem Viertel, mit der Schule." Außerdem könne man die derzeitige Situation nur gemeinsam bewältigen.

246 Schüler werden nun bis Ostern im Sheraton Hotel unterrichtet. Von Montag bis Freitag, außer am Donnerstag. Und danach solange, wie es nötig ist, verspricht Peters. Barfknecht freut es und die Lehrer auch. "Mein Unterricht", sagt Rössner, "lebt von Diskussion und Austausch. Das geht jetzt endlich wieder." Auch sei es ihm wichtig, dass man die Schüler sehe. Man merke dann sofort, wenn sie etwas nicht verstanden hätten, könne eingreifen. Und auch er zieht den feinen Konferenzraum der Turnhalle vor. Wegen der Akustik. "Hier versteht man mich nämlich."

Eine Schülerin fragt nach dem "Klassenzimmer". Eine nach der Toilette. Dafür gibt es Sportlehrer David Aschenbrücker. Er hat Aufsicht, und gibt Antworten. Passt auch auf, dass sich niemand im Technikraum verirrt. Pausen sind im Foyer möglich und vor dem Hotel. Essen, sagt der Schulleiter, bringen die Schüler nicht mit. Nur Wasser zum Trinken. Nach Unterrichtsschluss reinigt eine Fachkraft des Gymnasiums die Böden, der Housekeeper des Hotels desinfiziert die Tische. Für den nächsten Schultag.

Unterricht im Hotel im Arabellapark, Unterricht im Paulaner am Nockherberg. Dort sind seit dieser Woche Schülerinnen und Schüler des Maria-Theresia-Gymnasiums aus Au-Haidhausen zu Gast. Ob im Wirtshaus aber die Stühle so bequem sind? Die lilafarbenen, feinsamtigen Polstersitze in den Klassenzimmern des Sheraton jedenfalls sind so konzipiert, dass man bequem auch acht Stunden darauf sitzen könnte.

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