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Münchner Momente:Was noch zu verhüllen wäre

Beim Baden gelten neue Regeln, und manche von denen sind bemerkenswert. Zum Beispiel die zu Maskenpflicht und Abstandsgebot im FKK-Bereich

Kolumne von Stefan Simon

Die gute Nachricht: Die Schwimmbäder haben wieder geöffnet. Die schlechte: Es gibt jetzt neue Oben-ohne-Regeln. Und wer ist wieder schuld? Genau. Ach, was war das für ein Sommer im vergangenen Jahr: Freier Eintritt für alle unter 18 und die Münchner Bäder zum Bersten voll, so voll, dass einige Male sogar die Polizei gerufen werden musste. Gut, das lag nicht immer an der Enge im Bad, vielmehr an der in manchen Köpfen. Aber sei's drum, der Sommer 2019 hat bewiesen: Wenn einer keine Reise tut, dann kann er trotzdem was erleben. Das passt ganz gut zu diesem Jahr - dumm nur, dass es mit dem Gratis-Eintritt und anderen Freizügigkeiten ausgerechnet jetzt vorbei ist.

Wer weiß, wie oft die Polizei ausrückt, wenn im großen Becken zwischen all den Kampfschwimmern auch noch Frau Corona ihre Bahnen zieht? Und wenn dazu die ersten ins Wasser steigen, die statt Badekappe einen Alu-Hut aufhaben? Hilft eigentlich Chlor gegen das Virus? Oder wenigstens gegen Bill Gates? Hat der am Ende alle Eintrittskarten aufgekauft, erst für den Zoo und jetzt fürs Schwimmbad? Und waren Bademeister nicht schon immer Teil der Weltverschwörung? Vielleicht ist die Erde ja doch eine Scheibe, und man darf nur deshalb nicht vom Beckenrand springen, weil man sonst ins Leere fällt? Fragen über Fragen, und das ist ja auch kein Wunder. Was gestern untersagt war, ist heute Pflicht, und umgekehrt. Bei Demos: Maskenzwang statt Vermummungsverbot. Und im Freibad: Bloß nicht duschen, sonst gibt's am Ende Probleme mit der Hygiene.

Die Umkleiden haben geschlossen, die FKK-Bereiche hingegen nicht, und Saunen machen wohl bald wieder auf. Das klingt einerseits konsequent, ist andererseits nicht jedermanns Sache. Interessant, dass explizit die Besucher der Nacktbadebereiche ermahnt werden, "Abstandsgebote und Kontaktbeschränkungen einzuhalten", so schreiben es die Stadtwerke. Wie es da wohl vor Corona zugegangen sein mag? Und das bringt uns zu den neuen Oben-ohne-Regeln: Alle müssen sich verhüllen, Männer wie Frauen, mindestens beim Gang zu den Toiletten und beim Essenholen. Eine "geeignete Mund-Nasen-Bedeckung" ist in Münchens Bädern Pflicht. Für manche wird die Maske das größte Stück Stoff sein, das sie tragen. Da soll noch einer sagen, die Lage sei ernst.

© SZ vom 23.06.2020

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