Übung der Feuerwehr:Ein Knall - und der ganze Tunnel ist voller Rauch

MUENCHEN: Feuerwehr Übung im Tunnel Aubing

Die Übung war nicht angekündigt. Die Feuerwehrleute sollten bis zuletzt davon ausgehen, dass es bei dem Einsatz um Menschenleben geht.

Unfallopfer werden aus Autos befreit, Flammen gelöscht: Die Feuerwehr hält auf der A 99 in Aubing eine Übung ab - die Rettungskräfte sind nicht eingeweiht, sie halten es für einen Ernstfall.

Von Linus Freymark

Schon wieder knallt es! So laut, dass der Lärm noch einige Sekunden im Ohr bleibt und ein Pfeifen hinterlässt. Kurz darauf noch einmal: bamm! Und überall Rauch. Für die Menschen in den beiden brennenden Autos dürfte es eng werden, wenn nicht bald die Rettungskräfte eintreffen. Am Tunnelende flackert Blaulicht durch die Nacht. Dann kommt eines der Löschfahrzeuge in den Tunnel gefahren, hält in sicherer Entfernung. Sechs Feuerwehrleute springen mit Atemschutzmaske vor dem Gesicht und Sauerstoffflasche auf dem Rücken aus dem Wagen. Ein paar Sekunden nur, dann fliegt der erste Schlauch auf den Boden, wird ausgerollt, ein zweiter drangemacht, und dann laufen drei der Männer auch schon in Richtung des Brandes. Wird es zu spät sein?

Ein paar Minuten später erhält man auf diese Frage eine Antwort. Nein, sagt Übungsleiter Andreas Gattinger, "im Großen und Ganzen hat alles gut funktioniert". Denn bei dem Einsatz im Tunnel auf der A 99 in Aubing handelt es sich nur um eine Trainingseinheit der Rettungskräfte. Aus acht Verbänden stammen die knapp 200 Teilnehmer, neben Kräften der Münchner Berufs- sowie der Freiwilligen Feuerwehr sind unter anderem auch Autobahnmitarbeiter und Sanitäter vom Bayerischen Roten Kreuz oder den Maltesern dabei. Denn dass Rettungskräfte aus verschiedenen Organisationen im Ernstfall zusammenarbeiten, kommt zwar vor, kann jedoch auch Probleme mit sich bringen, erklärt Gattinger: "Die Herausforderung ist, dass man sich hier entsprechend abspricht." Um genau das zu trainieren, finden immer wieder gemeinsame Übungen statt - so wie am Samstagabend in Aubing.

Geprobt werden zwei Szenarien: Neben dem Brand zweier Autos in der einen Röhre ist es auf der Gegenfahrbahn zu einem schweren Verkehrsunfall mit drei Verletzten gekommen. Die Herausforderung für die Einsatzkräfte hier: Ursprünglich waren sie zu dem Brand gerufen worden und erst vor Ort haben sie bemerkt, dass sich der Unfall ereignet hat. Sie müssen umdisponieren. Das klappt, soweit man das als Laie beurteilen kann, ganz gut.

Nach kurzer Zeit sind die Unfallopfer aus ihren Autos befreit und werden in die bereitstehenden Krankenwagen geschoben. Übrig bleiben die Autos, eines hat sich überschlagen und liegt mit dem Dach auf der Fahrbahn mitten im Tunnel. Man mag sich gar nicht vorstellen, welches Bild sich den Feuerwehrleuten und Sanitätern geboten hätte, wenn es sich hier um einen echten Einsatz gehandelt hätte.

Für die Übung ist die A 99 bis in die Nacht zum Sonntag im Abschnitt Aubing komplett gesperrt. Autofahrer wurden davon überrascht, die Feuerwehr hat die Sperrung zuvor nicht kommuniziert, um die Einsatzkräfte nicht vorzuwarnen - bis zuletzt sollte es so aussehen, als ginge es bei dem Einsatz tatsächlich um Menschenleben. "Sie waren nicht eingeweiht", sagt Pressesprecher Klaus Heimlich. Denn klar, sobald das Wort "Übung" fällt, ist der Druck in der Truppe längst nicht so hoch wie im Ernstfall. Die Übungsleiter haben sich große Mühe gegeben, alles so real wie möglich zu gestalten. Sechs Monate haben sie diesen Abend vorbereitet, mögliche Szenarien entworfen, die Tunnelsperrung beantragt. Aufgrund der vielen Beteiligten gibt es dabei großen Abstimmungsbedarf, sagt Gattinger, "es sind viele Besprechungen notwendig." An den Vorbereitungen beteiligt war unter anderem auch die Feuerwehrschule. Alle vier Jahre muss so eine große Übung in dem Autobahntunnel stattfinden, damit er weiter befahren werden darf. Zu groß wäre sonst das Risiko, dass etwas schiefläuft.

Am Samstagabend aber sind Übungsleiter Gattinger und Pressesprecher Heimlich größtenteils zufrieden - auch wenn nicht alles glatt lief. Klar, sagt Gattinger, "die Details müssen wir uns in den Auswertungen anschauen". Und natürlich gibt es immer etwas zu verbessern, dafür seien die Übungen ja da. Das Wichtigste aber habe geklappt, sagt Klaus Heimlich: "Die Abläufe haben funktioniert." Denn auch wenn es im Tunnel zwischenzeitlich nach großem Chaos aussieht, auf der einen Fahrbahnseite alles voller Rauch ist und die Ohren brummen von den Explosionen und der Durchsage aus den Lautsprechern, über die die Autofahrer, die unter realen Gegebenheiten womöglich im Tunnel wären, mit Anweisungen versorgt werden, hat jede Rettungskraft klare Aufgaben - der Zugführer, der die Truppe leitet und abschätzen muss, welchen Gefahren er seine Leute aussetzen kann und muss. Und der Zugtrupp, in dem jeder auch noch mal eigene Aufgaben hat.

So schaffen es die Feuerwehrleute, den Brand im Tunnel in wenigen Minuten unter Kontrolle zu bringen. Eine letzte Schaumschicht darüber, ein abschließender Kontrollblick, dann ist das Feuer erstickt - beziehungsweise der Rauch, den die Übungsleiter künstlich erzeugt haben. Ein wirkliches Feuer zu legen, wäre wegen der vielen Beobachter und Journalisten im Tunnel zu gefährlich.

Auf der Gegenfahrbahn beim Verkehrsunfall hasten zur gleichen Zeit noch Sanitäter herum, bahnen sich Feuerwehrleute ihren Weg durch die vielen Menschen.

Etwa drei Stunden dauert die Einheit, gegen Mitternacht erklärt Gattinger die Übung für beendet. Nun stehen noch die Aufräumarbeiten an, erklärt Gattinger, erst dann könne man die Autobahn wieder für den Verkehr freigeben. Die Übung wird in vier Jahren wieder stattfinden, damit nichts schiefläuft, wenn es wirklich um Menschenleben geht.

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