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Arabellapark in Bogenhausen:Stadt in der Stadt

Während das markante Gebäude des Arabellaparks gebaut wurde, weideten auf dem Gelände noch Schafe.

(Foto: Bayerische Hausbau)

Der Arabellapark ist 50 Jahre alt geworden. Die Bayerische Hausbau hat zum Jubiläum ein Buch herausgebracht

Man hätte das Areal zwischen Denninger Straße, Richard-Strauss-Straße und Englschalkinger Straße auch "Zdenkapark" nennen können. Nicht nur weil dieser Name wohl etwas sperrig klingt, sondern auch weil Zdenka in der Richard-Strauss-Oper "Arabella" Intrigen spinnt und im Liebeswirrwarr mehr oder weniger alles durcheinanderbringt, entscheidet sich Bauingenieur und Bauunternehmer Josef Schörghuber (1920-1995), kurz nach Baubeginn, das 45 Hektar große Gebiet "Arabellapark" zu nennen. Auch wenn der Bauingenieur und Bauunternehmer Josef Schörghuber kein großer Operngänger gewesen sein muss, so klang Arabella nicht nur gut, sondern die Oper hatte vor allem ein Happy End. Das war der ausschlaggebende Punkt für Schörghuber: Für seine neue Stadt in der Stadt, für den Arabellapark sollte es auch ein Happy End geben.

50 Jahre ist der Arabellapark nun alt. Ein Grund, warum die Bayerische Hausbau ein Buch herausgegeben hat, in dem die Entstehungsgeschichte des Viertels aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird: der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Und so beginnt die Geschichte im ersten Block mit vielen Schwarz-Weiß-Bildern aus dem Archiv. Eines zeigt den Blick auf die Großbaustelle und das entstehende, markante Arabellahaus. Davor weiden Schafe, so wie viele Jahre zuvor. Und natürlich darf die Geschichte nicht fehlen, wie Schörghuber als begeisterter Hobby-Pilot 1958 über München flog und das brach liegende Gelände im Osten entdeckte. "Da habe ich mich dann gefragt: Warum geht denn da gar nichts?, wird er im Buch zitiert. Das war der Anfang. Und der Anfang einer eigenwilligen Idee war geboren: nicht nur dem rasant wachsenden München neue Wohnungen zu bescheren, sondern etwas Neues zu wagen - ein eigenes, autarkes Stadtquartier zu schaffen. Mit unterschiedlichen Architekturen, eigener Infrastruktur, Wohnungen und Büroflächen, einem Hotel und einer Schule sowie Kindergärten. Und einer geplanten Konzerthalle und einem Modern Art Museum. Doch diese Pläne scheitern. 1965 erfolgen die ersten Spatenstiche im Arabellapark.

Herbert von Karajan mit Josef Schörghuber, 1969

Dirigent Herbert von Karajan interessierte sich für die Pläne, ein Konzerthaus auf dem Areal zu bauen.

(Foto: Bayerische Hausbau)

Am Stand Gewürze einkaufen, Blumen oder Biofleisch: Donnerstag ist Markt auf dem Rosenkavalierplatz, schlendern ist dann obligatorisch. Und meist gehen Anwohner, aber auch Besucher mit mehr Tüten wieder nach Hause als geplant. Denn alles ist so praktisch auf einem Fleck vereint. Und es gibt tatsächlich Menschen, die ihren Arzttermin in den umliegenden Praxen gerne auf Donnerstag legen - um nebenbei einzukaufen, in Ruhe und ohne lange Wege. Im Teil "Gegenwart" arbeitet die Autorin Marion Schweiker das bunte Zusammenleben im Arabellapark heraus, zeigt die Facetten des Lebens im Quartier -um letztlich in die Zukunft zu blicken. Denn viele Gebäude sind in die Jahre gekommen. Das Quartier braucht neue Perspektiven, die einem Motto folgen: erhalten und verändern. Fragen werden gestellt, was die urbane Gesellschaft heute braucht und ob eine Idee von der Stadt um der Stadt noch zeitgemäß ist. Die Antwort: Der Arabellapark hat Potenzial, muss sich aber weiterentwickeln. Mit einer neu orientierten Infrastruktur, mit einem grünen Hochhaus, sozialer Interaktion und einer multimodalen Mobilität. Um alle Ideen zu bündeln, wünscht sich der Bezirksausschuss Bogenhausen ein Konzept: Arabellapark 2.0. Mit großer Beteiligung der Öffentlichkeit.

Im Buch der Bayerischen Hausbau lässt es sich gut schmökern. Schön sind die vielen Randgeschichten, die das Quartier von vielen Seiten beleuchten und die man vielleicht noch nicht kennt. Und gut der Ausblick, der die Fragen der Zeit anhand einiger Interviews deutlich macht. Aber auch: Wie geliebt das Quartier ist, das seinen Namen der Hauptperson einer Strauss-Oper verdankt: der wählerischen, aber treuen und liebenden Arabella.

Die brach liegende Fläche im Osten, Mitte der sechziger Jahre.

(Foto: Bayerische Hausbau)

"Arabellapark. Eine Stadt in der Stadt - auch mit 50 Jahren noch visionär und wandelbar". Hrsg. Bayerische Hausbau, München 2019. Das Buch wurde in einer limitierten Auflage herausgebracht. Fünf Exemplare stellt die Bayerische Hausbau zur Verfügung. Anfrage unter info@hausbau.de.

© SZ vom 25.05.2020

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