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Mobilität:In München fahren die ersten Elektrobusse

Ab Samstag, den 21.Oktober sind die ersten 2 Elektrobusse für München Einsatzbereit.

(Foto: Catherina Hess)
  • In München gibt es nun zwei Elektrobusse, sie sind der Startschuss für eine E-Busflotte.
  • Allerdings ist nach wie vor die Reichweite ein Problem - vor allem bei extremeren Temperaturen.
  • Zudem kosten Elektrobusse mehr, sodass ein kompletter Umstieg noch eine Vision bleibt.

Das Summen der Klimaanlage wird hin und wieder durch ein Druckluftgeräusch unterbrochen - so klingt die Zukunft, zumindest in den ersten beiden Elektrobussen, die die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) am Dienstag präsentierte. Denn wenn das Brummen des Dieselmotors entfällt, treten andere Klänge in den Vordergrund. Ansonsten fällt es allerdings schwer, den Elektro- vom Dieselbus zu unterscheiden. Das Innenleben gleicht den bekannten Dieselmodellen, auch die Fahrgastkapazität ist dieselbe.

Der größte Knackpunkt ist nach wie vor die Reichweite. 300 bis 400 Kilometer legt jeder der 500 bis 600 eingesetzten MVG-Busse jeden Tag zurück. Die neuen Elektrobusse schaffen 250 bis 300 Kilometer, jedoch nur bei Temperaturen von 10 bis 25 Grad. Wird es kälter oder wärmer, muss die Klimaanlage mehr leisten. Und hier kommt - auch beim Elektrobus - nun doch wieder der Diesel ins Spiel. Damit die Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumulatoren nicht allzu sehr von der Heizung beansprucht werden, ließe sich diese bei Bedarf auch mit Diesel betreiben.

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Trotzdem könnte es in kalten Wintern zu Reichweiteneinbußen von 30 Prozent kommen, sagt Peter Cremer aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Ebusco. Der niederländische Hersteller konnte die MVG im Rahmen der Ausschreibung überzeugen. Zuvor waren sieben Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller getestet worden.

Die ersten beiden eigenen MVG-Elektrobusse sind nun der Startschuss für eine E-Busflotte. Die Anschaffung von sechs weiteren Bussen, darunter zwei Gelenk-Busse, wird demnächst ausgeschrieben. Ende 2019 sollen genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen, um eine eigene E-Bus-Linie zu unterhalten. Ralf Willrett, Geschäftsführer Bus der MVG, spricht zwar von der Vision, den gesamten MVG-Verkehr zu 100 Prozent elektrisch zu betreiben, bremst die Erwartungen aber ab. Das Beispiel Eindhoven, wo seit letztem Jahr 43 Busse im Einsatz sind, sei nicht skalierbar. "Auch der E-Bus muss wirtschaftlich sein", sagt Willrett.

Bisher kostet ein E-Bus noch doppelt so viel wie ein Diesel, der mit 250 000 Euro zu Buche schlägt. Dreistellige Millionenbeträge seien nötig, um eine E-Busflotte zu betreiben und die Infrastruktur umzurüsten. Der neue Betriebshof in Moosach würde allerdings schon so geplant, dass er einen vollkommen elektrischen Fuhrpark versorgen könnte. Das Nachladen der Bus-Batterien dauert maximal vier Stunden. Zwar wären auch Schnellladevorgänge an den Haltestellen denkbar, doch würde bereits eine Ladepause von zehn Minuten den sensiblen Fahrplan stören, so Willrett. Zumal angesichts der wachsenden Bevölkerungszahl der Takt verdichtet werden soll. Die MVG setzt daher auf das Laden über Nacht.

Während die Stadt Hamburg verkündete, von 2020 an nur noch emissionsfreie Busse anzuschaffen und die Stadt Wiesbaden bis zum Jahr 2022 bereits komplett auf Batterie umgestellt haben will, gibt die MVG keine Prognose ab. Es wird vom technologischen Fortschritt bei den Batteriesystemen abhängen, wie schnell der Wandel gelingt. "Das was einfach scheint, ist gar nicht so einfach", sagte Bürgermeister Josef Schmid anlässlich der Präsentation der beiden neuen Busse.

Als Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft ist er verantwortlich für das Integrierte Handlungsprogramm zur Förderung der Elektromobilität in München (IHFEM). In Deutschland sei es das größte kommunale Förderprogramm dieser Art, sagte Schmid. Aus den IHFEM-Mitteln wurden die beiden Elektrobusse bezuschusst. Am Samstag lassen sie sich im MVG Museum besichtigen - und von November an auf Münchner Straßen.

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