Freizeitmesse Free:Zwischen Kini und Soldaten

Freizeitmesse Free: Bis Sonntag bewerben etwa 1000 Aussteller aus 50 Ländern Bewährtes und Neues in acht Hallen der Messe München.

Bis Sonntag bewerben etwa 1000 Aussteller aus 50 Ländern Bewährtes und Neues in acht Hallen der Messe München.

(Foto: Catherina Hess)

Bis Sonntag läuft die Free, Bayerns größte Freizeitmesse. Schon zu Beginn ist eine Menge los. Wo König Ludwig malt, die Kreuzfahrt ruft und die Bundeswehr Verstärkung sucht.

Von Leon Lindenberger

Hinten links in Halle A6, gleich neben dem Kinder-Spielparadies, rekrutiert die Bundeswehr. Oberstleutnant Dominik Schwez ist trotz Camouflage gut zu sehen, dafür aber schlecht zu verstehen. Er muss laut sprechen, um das Geschrei zu übertönen, das von der Tischtennisplatte herübertönt. "Den Platz hat uns die Messeleitung zugeteilt", sagt er. Das Angebot passe man hier am Stand flexibel an die Besucher an. "Die Kleinen sind altersmäßig weit weg von unserer Zielgruppe." Das nehmen die Eltern von Julian, Elias und Sonja beruhigt zur Kenntnis. Ihre Kinder knien gerade über einem maladen Plastik-Kameraden: Erste-Hilfe-Crashkurs mit Soldaten. "Viel spannender als in der Schule" sei das hier auf der Freizeitmesse Free, sagen sie.

Die Free ist Bayerns größte Reise- und Freizeitmesse. Bis Sonntag bewerben etwa 1000 Aussteller aus 50 Ländern Bewährtes und Neues in acht Hallen der Messe München: davon drei für Camping und Caravaning, drei für Reisen nah und fern, eine für Rad-, eine halbe für Wassersport. Die verbleibende Hälfte der Halle A6 besetzen Outdoor- und Fitness-Anbieter - und eben auch die Bundeswehr. Ein guter Startpunkt für einen Rundgang über die Free.

Folgt man den Querschläger-Bällen aus dem Kinderparadies, muss man aufpassen, nicht gegen den Kletterturm des Deutschen Alpenvereins zu laufen. Dort kraxeln am laufenden Band Kinder hoch, schellen die Kuhglocke und lassen sich wieder abseilen. Vor dem Turm wartet selbst an diesem Mittwoch, dem ersten Tag der Free, schon eine beachtliche Schlange. Vor allem Familien mit Kindern sind hier, die dem Trubel am Wochenende ausweichen wollen.

Die Faschingsferien sind ein guter Zeitpunkt, um den Sommerurlaub zu planen. Das zumindest dachten sich die Eltern von Kilian, die gerade jedoch ganz andere Sorgen haben. Kilian trägt schon seine Wechselbadehose. Er steht alleine auf einem Stand-up-Paddle-Board in der Mitte des großen Wasserbeckens in Halle A6. "Das Wasser ist voll kalt!", ruft er grinsend in Richtung seiner Eltern. Was Kilian noch nicht weiß, aber sicher ahnt: In drei Wochen wird er genau dieses Board zum Geburtstag bekommen. Im Sommer geht es dann auf dem Chiemsee weiter, oder in Griechenland. Die Urlaubsplanung läuft schleppend - "mit Kind kommt man auf der Messe nicht so weit", klagt Kilians Vater lachend.

Freizeitmesse Free: Einen Erste-Hilfe-Crashkurs mit Soldaten kann man am Stand der Bundeswehr machen.

Einen Erste-Hilfe-Crashkurs mit Soldaten kann man am Stand der Bundeswehr machen.

(Foto: Catherina Hess)
Freizeitmesse Free: In einem großen Wasserbecken kann man Stand-up-Paddle-Boards ausprobieren.

In einem großen Wasserbecken kann man Stand-up-Paddle-Boards ausprobieren.

(Foto: Catherina Hess)

Dabei bietet schon die nächste Halle eine Vielzahl möglicher Antworten auf die Frage, wo es denn diesen Sommer hingehen soll. In A5 riecht es nach Wurst. Kabanossi und Kletzerl, das ist Rohwurst aus Österreich. Hier sind all jene Reiseziele vertreten, die mit der Bahn gut erreichbar sind: von der Steiermark durch das Zillertal, über den Neckar bis hoch nach Cuxhaven. Ein längerer Zwischenstopp ist in Oberbayern eingeplant, der Partnerregion dieser Ausgabe der Free.

Am Rande der "Eventfläche Bayern" steht "Bayern-Botschafter" Bernhard "Ludwig" Rieger, Mittelname und Bart im Kini-Style. Die Farbpalette in der einen Hand, den Pinsel in der anderen, fährt er die Goldverzierung eines Fensterrahmens nach. Der ist allerdings nur aufgemalt, "rein dekorativ, wie man es von den Fassaden südlich von München kennt", erklärt Lüftlmaler Rieger. Und in seiner Freizeit? Trail-Running zwischen den Berghütten König Ludwigs.

Oberbayern als Partnerregion zu wählen, sich also als lokalverbunden zu zeigen, hat einen strategischen Hintergrund. Nachhaltigkeit gilt als Trend in der Reisebranche. Wandert man von Oberbayern aus jedoch hinüber in Halle A4, erblickt man ein ganz anderes Gesicht der Free. Hier reihen sich die Stände von Aida, Dream Yacht Worldwide und MSC Cruises aneinander. Gleich daneben läuft ein "Kreuzfahrt-Talk" mit vornehmlich älterem Publikum. Noch einen Stand weiter: das "Kreuzfahrt-Café".

Freizeitmesse Free: "Bayern-Botschafter" und Lüftlmaler Bernhard "Ludwig" Rieger.

"Bayern-Botschafter" und Lüftlmaler Bernhard "Ludwig" Rieger.

(Foto: Catherina Hess)
Freizeitmesse Free: Auf der Free findet man alles, was man fürs Campen brauchen kann.

Auf der Free findet man alles, was man fürs Campen brauchen kann.

(Foto: Catherina Hess)

Nach einer Stärkung im Biergarten in Halle A3 geht es vorbei an den Seychellen und dem Flughafen München in die B-Hallen. Durch B3, die Welt der Zelte, B4, das Bulli-Paradies, und B5, wo die richtig großen Kisten wohnen. Ein Kind auf einem neonfarbenen Hoverboard saust die Wege entlang und weicht geschickt den Pärchen aus, die sich die luxuriösen Wohnmobile anschauen. Eine Szene, wie sie sich auf Campingplätzen ständig abspielt.

Am späten Nachmittag dünnt die Besucherschar aus. Nur in A5, in Oberbayern, herrscht noch Gaudi. Unterm Erdinger Maibaum sitzen Christa Schmidt und Georg Sedlmeier, je mit einem Bier. "Alles ist hier viel teurer geworden, aber das Weißbier haben wir umsonst bekommen", sagt Schmidt. Seit vielen Jahren komme sie auf die Free, hier kenne man die beiden. Auch zur Freizeitmesse nach Stuttgart seien sie schon gefahren, nur um ihre Freunde aus Erding zu sehen. Mit dem Wohnmobil, versteht sich.

Neben dem Tisch steht ein Rollkoffer, aus dem zahlreiche Reiseprospekte herausspitzen. Als um Punkt 18 Uhr eine Frauenstimme durch die Halle dröhnt und die letzten Besucher bittet, sich auf den Heimweg zu machen, nimmt Christa Schmidt einen kleinen Schluck. Ihr Glas ist noch halbvoll, eilig hat sie es nicht. Darum, auch mal die Ruhe zu genießen, geht es ja, in der Freizeit.

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