bedeckt München 11°

Mehr Gewalt- und Drogendelikte:Die Verrohung der Innenstadt

Intern sprechen sie bei der Polizei nur noch von der "Feierbanane" - und meinen die Kurve vom Sendlinger Tor bis zum Maximiliansplatz. Doch was nett klingt, bereitet den Beamten große Schwierigkeiten: Die Polizei registriert immer mehr Körperverletzungen, Drogendelikte und Raubüberfälle, seit sich die Sonnenstraße zur Partymeile entwickelt hat.

Florian Fuchs

Intern sprechen sie bei der Polizei nur noch von der "Feierbanane" - und meinen die 1,2 Kilometer lange Kurve vom Sendlinger Tor bis zum Maximiliansplatz. Was nett klingt, bereitet den Einsatzkräften jedoch immer mehr Schwierigkeiten: Mit dem Zuzug zahlreicher Clubs und Diskotheken in die Innenstadt steigt dort auch die Zahl der Drogen- und Gewaltdelikte. Neue Zahlen des Kreisverwaltungsreferats (KVR) belegen einen "starken Kriminalitätsanstieg". Um die Probleme in den Griff zu bekommen, setzt die Stadt auf Gespräche mit den Wirten, aber auch auf strenge Kontrollen.

Club 'Harry Klein' in München, 2011

Seit Jahren siedeln sich immer mehr Clubs zwischen Sendlinger Tor und Maximiliansplatz an - so auch der Elektroclub Harry Klein. Die Polizei klagt nun über mehr Einsätze.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die "Partymeile Sonnenstraße" ist am heutigen Dienstag Thema im Rathaus, auf Anfrage von Richard Quaas (CSU) setzt das KVR die Stadträte über die Entwicklungen der Kriminalität in der Innenstadt ins Bild. Demnach stieg die Zahl der Delikte im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr vor allem am Maximiliansplatz und an der Sonnenstraße - also genau dort, wo die meisten Gastronomiebetriebe angesiedelt sind.

Am Maximiliansplatz zählten die Statistiker 2010 insgesamt 884 Vergehen (2009 waren es noch 675), entlang der Sonnenstraße waren es 720 Delikte (2009: 529). Auch Beschwerden wegen Ruhestörungen häuften sich, allerdings musste die Polizei 2010 aus diesem Anlass trotzdem nur 24 Einsätze (2009: 15) fahren. Dies stelle, hält das KVR fest, im Hinblick auf die große Zahl der Gaststätten ein vergleichsweise geringes Problem dar.

Das Hauptaugenmerk, heißt es bei der Polizei, richteten die Einsatzkräfte auf schwerere Delikte wie Körperverletzungen, Drogendelikte und Raubüberfälle. Im ersten Quartal 2011 verzeichnete die Polizei am Maximiliansplatz 39 Einsätze wegen Drogenmissbrauchs und 46 Körperverletzungen. An der Sonnenstraße waren es 69 Körperverletzungen und elf Drogendelikte.

"Kunstpark Mitte"

Seit Jahren siedeln sich immer mehr Clubs zwischen Sendlinger Tor und Maximiliansplatz an. Vor mehr als einem Jahr zog beispielsweise der Elektroclub Harry Klein an die Sonnenstraße, Mitte Mai 2011 feierte das "X-Cess" dort Eröffnung. Genauso hatte es zuvor die Milchbar gemacht. Beobachter sprechen in Anlehnung an das Partyareal am Ostbahnhof inzwischen schon von "Kunstpark Mitte".

Bereits vor drei Jahren beklagte die Stadt aufgrund der Entwicklung erstmals besonders am Maximiliansplatz massive Probleme. Damals legte das KVR fest, nahe der Clubs "089-Bar", "Max & Moritz" und "Rote Sonne" die Büsche in den Grünanlagen regelmäßig zu beschneiden und für mehr Beleuchtung zu sorgen. Um die Situation weiter zu verbessern, beschäftigen die Clubbetreiber laut KVR inzwischen mehr Sicherheitspersonal, die Polizei setzt vermehrt Streifen zur Prävention ein und verstärkt die örtlich zuständigen Inspektionen in der Nacht.

Probleme mit Körperverletzungen auf der Partymeile hätten laut KVR bereits zur Folge gehabt, dass manchen Betrieben die Sperrzeitaufhebung nur noch jeweils für einen Monat im Voraus erteilt werde.

© SZ vom 24.01.2012

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite