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Mahnmal für Dominik Brunner:Menschenkette gegen Gewalt

Denkmal erinnert an Dominik Brunner

Noch verhüllt: das Denkmal für Dominik Brunner am Bahnsteig des S-Bahnhofs Solln.

(Foto: dpa)

Vor genau vier Jahren stellte sich der damals 50-jährige Dominik Brunner schützend vor vier bedrängte Schüler und bezahlte dafür am S-Bahnhof Solln mit seinem Leben. Nun hat die nach ihm benannte Stiftung ein Mahnmal enthüllt - mit einer eindeutigen Botschaft.

Sie halten sich an der Hand, bilden eine Kette gegen Gewalt: Drei Figuren, geformt aus Stahlplatten, 2,10 Meter hoch, 4,40 Meter breit. Hätte sich eine derart massive Menschenkette vor vier Jahren zusammengefunden, vielleicht wäre Dominik Brunner dann noch am Leben.

Doch die Figuren erinnern an seinen Tod. Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass sich der damals 50-jährige Brunner schützend vor vier bedrängte Schüler stellte und dafür am S-Bahnhof Solln mit dem Leben bezahlte. Im Beisein von Brunners Vater hat die Dominik-Brunner-Stiftung am Donnerstag die drei Figuren als "Mahnmal für Zivilcourage" enthüllt: Auf einem Grünstreifen neben dem Bahnhofskiosk sollen sie die Fahrgäste der S-Bahn an Brunners Einschreiten erinnern - und mahnen, in der Not selbst nicht beiseitezustehen.

"Noch immer werden zivil couragierte Helfer krankenhausreif oder gar totgeprügelt, und noch immer stehen Menschen daneben und schauen", sagte Alois Maier, der Vorstandsvorsitzende der Dominik-Brunner-Stiftung, den etwa 140 Gästen in einem Zelt neben dem noch verhüllten Mahnmal. Die Gedenkstätte solle auch daran erinnern, dass Brunner vor vier Jahren niemand zu Hilfe gekommen sei - auch wenn das nicht als Vorwurf gemeint sei, sondern als Appell.

Uli Hoeneß kündigte als Vorsitzender des Stiftungskuratoriums an, die Stiftung werde in den nächsten Jahren ein Dominik-Brunner-Haus in München errichten. Das Geld dafür sei beinahe zusammengetragen. In diesem Gebäude sollten 50 bis 70 Jugendliche die Möglichkeit erhalten, ihre Freizeit vernünftig zu gestalten, um sinnloser Gewalt vorzubeugen. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) und Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) forderten jeden einzelnen auf, seinen Teil dazu beizutragen, um Gewalt zu ächten.

Die drei Figuren des neuen Mahnmals stellen das Logo des Bündnisses "Münchner Courage" dar, in dem sich neben der Dominik-Brunner-Stiftung auch die Stadt, der Freistaat, die Kirchen, die Münchner Polizei und der FC Bayern engagieren. Gestiftet hat das Denkmal Franz Roeckl, Mitglied des Stiftungskuratoriums und früherer Kollege sowie langjähriger Freund von Dominik Brunner.

Die Menschenkette sei ein sehr einfaches Symbol, sagte der Künstler Stefan Rottmeier, der das Mahnmal angefertigt hat. "Es ist so einfach, dass man es selbst im Vorbeieilen versteht." Ein Bahnhof sei schließlich für die Fahrgäste nicht mehr als eine Durchgangsstation. Neben den Figuren hat Rottmeier drei weitere Tafeln angebracht: Eine Stele erzählt Brunners Geschichte, eine Tafel vor der Menschenkette zitiert Molière: "Wir sind nicht nur verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun." Und direkt am Bahnsteig, auf dem Dominik Brunner starb, ist ihm eine Gedenktafel gewidmet. Noch vor der Enthüllung des Mahnmals wurden dort erste Blumen niedergelegt.

Die Dominik-Brunner-Stiftung hat sich im November 2009 gegründet, wirbt seitdem für Zivilcourage und unterstützt beispielsweise zu Schaden gekommene Helfer. Ein Denkmal für Brunner sei von Anfang an im Gespräch gewesen, sagt der Vorstandsvorsitzende Maier. Bislang sei nur nicht die Zeit gewesen, diese Idee umzusetzen. Das Denkmal ist nicht das erste seiner Art: Vor drei Jahren weihte Brunners Heimatgemeinde Ergoldsbach ebenfalls ein Mahnmal für Zivilcourage ein: Es wurde wie das neue Sollner Denkmal von Stefan Rottmeier angefertigt und zeigt einen Mann, der seine Hand schützend vor ein Kind hält. In Solln ist zudem eine Straße nach Brunner benannt.