Das ist schön:Flöten vonnöten

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Das ist schön: Musik sei "die Sprache, wenn sonst Sprachlosigkeit herrscht und einem die Worte fehlen", sagt Kunstminister Markus Blume.

Musik sei "die Sprache, wenn sonst Sprachlosigkeit herrscht und einem die Worte fehlen", sagt Kunstminister Markus Blume.

(Foto: Imago/B. Lindenthaler)

Die Kampagne #MachMusik soll die Menschen wieder an die Instrumente und in die Chöre bringen.

Kolumne von Antje Weber

Wer jemals Blockflöten-Darbietungen der lieben Nichten, Neffen oder Enkel an hohen Feiertagen über sich hat ergehen lassen, wer danach unter Tränen lächelnd so etwas wie "großes Talent" oder "Das war ja auch echt schwer" in Richtung der Erziehungsberechtigten gemurmelt hat, der konnte es am vergangenen Montag schon ein bisschen mit der Angst bekommen. Da wurde bei einer Pressekonferenz zur Kampagne #MachMusik des Bayerischen Musikrats im Literaturhaus München einmal nicht das Wort, sondern der gute Ton beschworen. Und Kunstminister Markus Blume und Landtagspräsidentin Ilse Aigner erzählten auf dem Podium nicht nur von ihren frühen Trötversuchen auf der Blockflöte - sondern Blume überlegte sogar, ob er und Aigner nicht die Flöten wieder herauskramen sollten, um gemeinsam in den sozialen Medien einen steilen Werbe-Auftritt hinzulegen.

Geklickt würde das auf jeden Fall. Ob es allerdings der Sache dienlich wäre? Auch ein Politikerchor, den Ilse Aigner ins Spiel brachte, darf als heikel gelten. Ob's das Volk zu schätzen wüsste, ob das "motivierend oder abschreckend" wäre, weiß auch Aigner nicht zu sagen. Man liest oder hört es jedenfalls heraus: Das Thema Laienmusik lässt so einiges anklingen in den Menschen. Leider aber nicht mehr in allen. Zwar gibt es noch rund eine Million Musikfreunde, die das in Bayern jenseits des Profi-Bereichs ausleben; doch die Tendenz sei fallend, wie der Präsident des Bayerischen Musikrats, Helmut Kaltenhauser, beklagte. Corona hat den Trend verstärkt, insbesondere bei den Chören, insbesondere bei den unter Achtzehnjährigen. Das ist so schade wie beunruhigend, denn Musik ist "Balsam für die Seele und verbindet" (Aigner), Musik "gibt Halt" und ist "die Sprache, wenn sonst Sprachlosigkeit herrscht und einem die Worte fehlen" (Blume).

Ohne ehrenamtliches Engagement, ohne Musikvereine, Orchester und Chöre würde viel fehlen, darin war man sich einig - nicht nur die Blasmusik bei Volksfesten. Um die Laienmusikszene beim Neustart zu unterstützen, haben sich daher nun Bayerischer Musikrat, Kunstministerium und Bayerischer Rundfunk zusammengetan. Im Internet unter www.machmusik.bayern.de kann man sich über die nächstgelegenen Chöre oder Orchester informieren; eine Plakataktion wird ab 15. April den - recht unspezifisch klingenden - Slogan "Es zählt nicht nur, wer du bist, sondern auch wer du sein willst" mitsamt Musizierenden sichtbar machen; der BR wird laut dem stellvertretenden Kulturdirektor Andreas Bönte in gefühlt jedem Beitrag auf die Kampagne hinweisen. Und wenn das alles nicht reicht? Dann bleibt nur noch das große Blockflöten-Potpourri der Politprominenz auf Tiktok. Vielleicht angereichert durch Ministerpräsident Markus Söder, der allen den Marsch bläst. Schöne Aussichten!

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