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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Es lohnt sich nicht mehr

Parkhaus am Hofbräuhaus in München, 2013

Im Dezember ist Schluss: Das Parkhaus am Stachus an der Adolf-Kolping-Straße 10.

(Foto: Robert Haas)

Das Parkhaus am Stachus wird abgerissen, für die Pächter wie die Tanzschule soll es eine Übergangsfrist geben

Von Birgit Lotze, Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt

Das Parkhaus am Stachus an der Adolf-Kolping-Straße 10 soll abgerissen werden. Es lohnt sich nicht mehr. Es gilt als eines der bekanntesten der Stadt, was aktuell weniger auf die rund 400 zu wenig genutzten Parkmöglichkeiten zurückzuführen ist, sondern auf den "Kulturdachgarten" auf der Dachetage, eine Rooftop-Location im Holzbretter-Stil, ähnlich wie das berühmte Berliner Vorbild Klunkerkranich - mit Lichterketten und Pflanzen in alten Koffern. Der neue Parkhaus-Pächter will im Dezember mit dem Abriss beginnen.

Danach wird neu gebaut. Nach den Bedingungen des Erbpachtvertrags müssen laut Bezirksausschuss mehr als 500 Parkplätze entstehen. Der neue Pächter wolle sie sämtlich unter die Erde legen. In den oberen Etagen sollen Büros einziehen, ebenerdig sind sogenannte Begegnungs- und Mobilitäts-Hubs geplant, in denen zum Beispiel Lieferdienste auf Fahrräder umpacken können. Außerdem ist ein Café im Erdgeschoss vorgesehen, eventuell auch eine Fahrradgarage. Das Dach soll als Parkanlage konzipiert werden - mit Bäumen und Grün. Der Kulturdachgarten ist im Plan nicht erwähnt. Im zweiten Stock sind Räume für Kultur oder auch für eine Tanzschule vorgesehen. Eine Tanzschule ist derzeit bereits im Haus.

Der Unterausschuss Planen und Bauen in der Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt hatte viele Fragen, sieht auch die Tiefe der Garage wegen des Grundwassers als kritisch. Naserümpfen gab es auch, als bekannt wurde, dass auch Amazon Interesse an den Mobilitäts-Hubs zum Umpacken von Waren geäußert haben soll. Das Projekt an sich stieß aber bei allen Fraktionen auf Zustimmung, ebenso im Plenum. Doch ein Punkt war den Lokalpolitikern wichtig: In einem interfraktionellen Antrag forderten sie die Stadtverwaltung auf, sich beim neuen Pächter dafür einzusetzen, dass die bestehenden Mietverträge für die Übergangszeit bis zum Abriss - mindestens drei Monate - verlängert werden. Vom Vertreter des Bauherrn sei bereits Entgegenkommen signalisiert worden, hieß es.

Entsprechend gut war die Laune in der Tanzschule nach dem Beschluss. Der DT01, Tanzschule am Deutschen Theater - auch am Original-Standort musste sie nach 60 Jahren im Zuge einer großen Renovierung ausziehen - war zu Ende Juli gekündigt worden. Oliver Fleidl, der die Schule 2008 übernahm und sie nun bereits vor dem Aus wähnte, betonte, er sei dankbar, dass die Stadt ihre Möglichkeiten ausschöpfe, die Räume bis kurz vor Beginn der Abrissarbeiten zur Verfügung zu stellen. "Ich freue mich riesig, dass uns damit mehr Zeit bleibt, neue Räume für unsere Tanzschule zu finden."

© SZ vom 10.07.2021
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