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Ludwigsvorstadt/Isarvorstadt:Auswüchse der Renaturierung

Die Grünen starten erneut einen Versuch, die Isar, die angrenzenden Auen und die Nachbarn besser zu schützen. Anlass dafür liefert das im Sommer regelrecht ausufernde Partytreiben auf der Weideninsel

Seit Jahren treten die Grünen aus den Stadtvierteln entlang der Isar immer wieder mit Anträgen dafür ein, den Fluss, die Isarauen und ihre Anwohner besser zu schützen - vor rücksichtslosen Feiernden, vor Feuerwerkskörpern, vor Events, vor offenen Feuern, Grillrauch. Jetzt gibt es wieder einen Vorstoß aus der Ludwigsvorstand-Isarvorstadt. Diesmal hat die Fraktion Grüne/Rosa Liste - einhellig unterstützt von den anderen Fraktionen im Bezirksausschuss (BA) - die Stadt allgemein zu "mehr Schutz für Natur, AnwohnerInnen und NutzerInnen" im innerstädtischen Isarraum aufgefordert.

Es geht um den Bereich zwischen Ludwigsbrücke und Braunauer Eisenbahnbrücke - mit besonderem Fokus auf die kleine Weideninsel zwischen Reichenbach- und Wittelsbacherbrücke. Seitdem die Renaturierung abgeschlossen sei, werde die Isar besonders bei warmen Temperaturen intensiv genutzt, stellte Martin Scheuring, auf den die Initiative zurückgeht, im BA fest. Leider gebe es unter den Nutzern auch rücksichtslose Personen, die sich vom gesunden Menschenverstand oder von bestehenden Regeln nicht beeindrucken ließen. Martin Scheuring stellte eine Reihe von Forderungen auf, vor allem: mehr Kontrollen und aktives Ahnden.

Die Weideninsel, idyllisch vor der Kirche St. Maximilian gelegen, ist nicht mal zehn Jahre alt. Im Viertel will man sie besser geschützt sehen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Von einem "Ballermann von Reichenbachbrücke bis Flaucher" sprach ein Anwohner in der BA-Sitzung. Er berichtete von "Riesenpartys mit Generatoren und mehreren Feuern" auf der Weideninsel, die unter Landschaftsschutz steht und auf der Vögel brüten. Er wunderte sich, dass die Stadt offenbar keine Handhabe habe, Regeln durchzusetzen. Auch ein Gespräch mit der Polizei habe wenig Erfolg gebracht, sagte der Anwohner. Um deren Eingreifen zu forcieren, hätte er eine Beschwerde vorbringen müssen. Dabei seien Verstöße unübersehbar gewesen: Den ganzen Sommer über sei auf der Weideninsel campiert worden, man habe Biertragl-Türme, Hängematten, Sportgeräte dort sehen können - alles offensichtlich. Dann die Partys, Großveranstaltungen. "200 bis 300 Leute - das ist kein Privatfest mehr."

CSU-Sprecher Florian Florack sprach von einem "Biotop, das geschützt gehört, aber nicht wird". Die Stadt habe auch vor zwei Jahren ein "Beschilderungskonzept" insbesondere für die Weideninsel versprochen, noch sei allerdings nichts aufgestellt worden. Seine Fraktionskollegin Sri Fackler sagte, sie würde sich über ein Betretungsverbot der Weideninsel freuen. Dann hätte man eine Handhabe.

BA-Vorsitzender Alexander Miklosy (Rosa Liste) wies darauf hin, dass entsprechende Anträge von Bürgern und aus dem BA bereits gestellt worden seien. Es habe bereits Veränderungen gegeben: Heuer seien Verwarnungen und Bußgelder gegen rücksichtslose Nutzer ausgesprochen worden. Eine Bürgerin verwahrte sich gegen ein Betretungsverbot für die Weideninsel, die erst während der Renaturierung bis zum Jahr 2011 geschaffen wurde. Unter Schwimmern sei diese sehr geschätzt. "Die Vögel finden es aber weniger schön", bekam sie zur Antwort.

Vögel nützen die Weideninsel im Frühjahr zum Brüten, danach kommen die Badegäste. Anwohner berichten, dass die Freizeitaktivitäten heuer überhand nahmen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Im Einzelnen fordert der BA von der Stadt ein konsequentes Ahnden bei Verstößen gegen Regeln im Landschaftsschutzgebiet wie das Verbot von offenen Feuern, insbesondere auf der Weideninsel. Zu verfolgen sind danach Lärm, Grillen, Campen und das Schlagen von Brennholz. Außerdem solle die Stadt eine zentrale Telefonnummer veröffentlichen, wo man bei Problemen anrufen könne. Die fehlenden Schilder auf der Weideninsel werden angemahnt, auch gefällte Bäume, die noch nicht nachgepflanzt wurden. Außerdem will man den Isarraum umfassend gereinigt sehen - die Wege, Brücken, insbesondere von Scherben. Darüber hinaus soll die Stadt prüfen, inwieweit im Rahmen der Landschaftsschutzverordnung elektronische Tonwiedergabegeräte mit Lautsprechern verboten werden und ob damit Lärmschutz-Verstöße leichter verfolgt werden können. Bislang wird im Isarraum die Hausarbeits- und Musikverordnung angewandt. Der zufolge ist die Lautstärke "so zu gestalten, dass andere nicht erheblich belästigt werden". Viele Isar-Anwohner fühlen sich zwar häufig belästigt. Objektiv nachweisen lässt sich dies nach der Musikverordnung allerdings nicht.