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Lucullus:Schmausen wie ein Feldherr

Die Portionen sind mehr als üppig. Bereits nach der Vorspeise drückt der Magen gefährlich gegen das Zwerchfell. Unter normalen Umständen, würde man genau jetzt aufhören zu essen. Aber kapitulieren, ohne ein Hauptgericht zu kosten, wäre fatal.

Auf der Tageskarte sind fast zwanzig Gerichte gelistet. Von den Standards wie Souvkali und Gyros bis hin zu gegrillten Calamares bleiben keine Wünsche offen. Eine Tafel weist darauf hin, dass man ab 22 Uhr aus Rücksicht auf die Nachbarn lautes Schmatzen unterlassen soll. Die Gastgeber glauben scheinbar, ihr Essen sei so gut, dass man mit genüsslichen Kaugeräuschen Ansiedler aus dem Schlaf reißen könnte. Und damit haben sie auch recht. Beschwert hat sich zwar keiner, dennoch ist das Essen im Lucullus wirklich ein Schmaus. Auf die optische Präsentation sollte man hingegen nicht so viel Wert legen. Wie bei allem im Lokal wird auch bei den Gerichten ein eher spartanischer Stil gepflegt.

Salat ohne Dressing

Schnörkellos und unverziert werden riesige Portionen aufgefahren. Lachssteak, Pangasius-Filet, Tintenfischringe und Sardinen gesellen sich auf der Fischplatte zu einen Berg Salat. Leider fehlt hier das Dressing. Allerdings stehen stehen dafür auf jedem Tisch Olivenöl, Balsamicoessig, Salz und Pfeffer. Der Fisch ist knusprig gebacken und trieft nicht vor Fett.

Wer lieber Fleisch mag, ist mir der butterzarte Lammhaxe gut beraten. Gemüse und Kartoffeln, die dazu gereicht werden, würden alleine schon reichen, um satt zu werden.

Zum Dessert hat man die Wahl zwischen echtem griechischen Joghurt mit Honig und frischen Früchten und kleinen Mokkatiramisu-Bällchen auf passierten Himbeeren. Beides nicht zu süß, aber schlicht zu üppig. Wem ein ganzes Menü zu viel ist, kann jedes Gericht praktischerweise halbieren.

Für insgesamt knapp 50 Euro können sich im Lucullus zwei Erwachsene einen drohenden Magendurchbruch anfuttern. Ein Liter griechischer Landwein ist in diesem Preis schon inbegriffen. Passend zum Ambiente wird der nicht in gläsernen Karaffen serviert, sondern in verbeulten, roten Alubechern, die ein an Bergsteigerthermoskannen erinnern. Darin bleibt das Getränk angeblich länger kühl.

Wem es bei einem Restaurantbesuch in erster Linie um ein gepflegtes und schickes Ambiente geht, ist im Lucullus an der falschen Adresse. Dort fühlt sich der wohl, der einfach gemütlich mit Freunden preiswertes und gutes Essen genießen und dabei richtig satt werden will. Und wenn man ehrlich ist: Das ist ja der eigentliche Sinn eines Restaurantbesuchs.

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