Unterhaching:Bürgermeister räumt im Ratssaal auf

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Unterhaching: So sah es ursprünglich im Sitzungssaal des Unterhachinger Rathauses aus.

So sah es ursprünglich im Sitzungssaal des Unterhachinger Rathauses aus.

(Foto: Angelika Bardehle)

Wolfgang Panzer hat während der Pandemie das Mobiliar im großen Sitzungssaal entfernen lassen - sehr zum Ärger seiner Gemeinderäte. Diese beklagen, jetzt herrsche der Charme eines Klassenzimmers.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Wie hatten sich Unterhachings Gemeinderäte doch auf diesen Mittwoch gefreut: endlich zurück ins Rathaus! Drei Jahre lang musste das Gremium pandemiebedingt auswärts tagen, erst im Kubiz, dann im Kinderhaus. Doch mit dem Wiederbetreten des großen Sitzungssaals folgte auf allgemeines Erstaunen gemeinschaftliches Entsetzen: Wie sieht es denn hier aus? Das Mobiliar ist weg!

Nun verbarg sich nicht etwa ein Nichts hinter den Türen des größten Raumes im Rathaus. Die Verwaltung hatte für die 30 Gemeinderatsmitglieder die Tische aus dem Kubiz aufgestellt - also auch ein Mobiliar, das die Kommunalpolitiker schon eine Weile gewohnt sind. Nur hatte im Kultur- und Bildungszentrum jeder seinen eigenen Tisch, während man sich im Sitzungssaal zu zweit einen teilen muss. Bei 1,20 Meter Breite und 1,40 Meter Länge der büro-weißen Platte ist das schon recht kuschelig. Aber das war sicher nicht einmal das Schlimmste. Vielmehr vermissten Sitzungsteilnehmer ihre als wesentlich würdiger erscheinende halbrunde Holzvertäfelung, die den Charakter eines Parlaments eher verkörperte als die jetzige zweckmäßige Einrichtung.

CSU-Fraktionssprecher Korbinian Rausch stellte fest, man sitze wie in einem Klassenzimmer. Und das, nachdem man den Auszug aus dem Kinderhaus als Sitzungsort durchgesetzt hatte. Früher dagegen schien alles aus einem Guss: die Wappen der Partnergemeinden hinter dem großen Pult des Bürgermeisters, die Porträts der ehemaligen Rathauschefs an der gegenüberliegenden Wand, die eingravierten Namen der Gemeinderatsmitglieder an ihren Plätzen.

Die Stühle waren Designer-Stücke und kamen unter den Hammer

Zwar hatten die Ausschüsse auch während der Pandemie schon hin und wieder in dem Sitzungssaal getagt und waren die Mitglieder dort auch bereits an den weißen Tischen gesessen. Nur war keiner auf die Idee gekommen, dass die alten Möbel etwa weggeworfen sein könnten. Vielmehr war man davon ausgegangen, dass die fixen Tischreihen ausgebaut worden seien, um vorübergehend mehr Platz zu schaffen. Doch wie die Kommunalpolitiker nun nahezu vollzählig versammelt dicht gedrängt auf Holzstühlen vor dem Bürgermeister Platz nahmen und anfingen zu meutern, gab dieser zu: Die Möbel seien entsorgt, die Stühle meistbietend verkauft. Diese waren laut Panzer im übrigen Designer-Stücke gewesen. Deshalb kamen sie nicht auf den Sperrmüll, sondern unter den Hammer. So ungewöhnlich ist das nicht: Möbel aus dem Münchner Rathaus sollen in den Siebzigerjahren auf Flohmärkten vertickt worden sein.

Dass der alte Krempel raus sollte, war laut Panzer kein großes Geheimnis. Das habe in der Geschäftsordnung der Gemeinde gestanden. Wohl irgendwo im Kleingedruckten, den meisten war das jedenfalls nicht aufgefallen. Erst jetzt, da sie sich nicht mehr auf den Stühlen mit den durchhängenden Ledersitzen, die so schön gewippt haben, zurücklehnen können, regt sich Unmut. Man hätte den Gemeinderat wenigstens fragen können, bevor man alles rausreißt und entsorgt, lautete der Vorwurf aus dem Gremium. Glücklich waren aber nicht alle mit den ehemaligen Sitzgelegenheiten gewesen, denn diese färbten auf helle Hosen gerne ab.

Warum aber einzig Tisch und Stühle der Sitzungsleitung nicht entsorgt wurden und der Bürgermeister sogar einen schönen, neuen bequemen Sessel bekam, blieb unklar. Julia Stifter (fraktionslos) jedenfalls fühlte sich "wie auf den billigen Plätzen". Bei diesen handelt es sich aber ohnehin nur um eine Übergangslösung. Die neuen Möbel sind nur noch nicht geordert - Gelegenheit, gemeinsam über die neue Bestuhlung zu entscheiden.

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