Klimaneutralität 2030:"Es darf keine Tabus mehr geben"

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Klimaneutralität 2030: Auch Windkraft soll zukünftig in Unterhaching ein Thema sein, um das Klimaziel zu erreichen.

Auch Windkraft soll zukünftig in Unterhaching ein Thema sein, um das Klimaziel zu erreichen.

(Foto: Catherina Hess)

Weil Unterhaching mit dem Erreichen seiner selbst gesteckten Klimaziele nicht recht vorankommt, fordert die SPD nun ein Windrad im Perlacher Forst. Gemeindegebiet ist dort aber nur der Mugl.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Die Gemeinde Unterhaching will beim Klimaschutz besser sein als alle anderen. Besser als die Nachbarkommunen, besser als Bayern und eigentlich auch besser als alle auf dieser Welt. Doch so richtig klappt es nicht, das selbst gesteckte Ziel "Klimaneutralität 2030" zu erreichen, obwohl man bereits den Bereich Verkehr ausgenommen hat, weil die Gemeinde den CO2-Ausstoß, der von Fahrzeugen ausgeht, nicht selbst in der Hand hat. Bei einer Zwischenbilanz des Leiters der Stabsstelle Klimaneutralität im Rathaus, Philipp Dürr, am Donnerstagabend im Gemeinderat kam die große Ernüchterung: Unterhaching muss seine Anstrengungen verzehnfachen, damit 2030 nicht reines Wunschdenken bleibt. "Es darf keine Tabus mehr geben", sagte Bürgermeister Wolfgang Panzer (SPD). Und prompt beantragte seine Fraktion ein Windrad im Perlacher Forst.

Viele Maßnahmen hatte Dürr in seiner Präsentation aufgelistet, von denen etliche aus dem Klimaschutzkonzept von 2012 schon umgesetzt wurden oder zumindest laufen: von Energiesparwettbewerben und Dienst-Pedelecs über Photovoltaik auf öffentlichen Gebäuden, Geothermieausbau bis hin zur Optimierung der Straßenbeleuchtung. Nach einem ersten Blick auf die Grafik könnte man den Eindruck gewinnen, dass doch alles ganz gut läuft. Zwei Drittel der Maßnahmen aus dem Klimaschutzkonzept wurden umgesetzt oder werden aktuell bearbeitet,13 sind noch offen. Allerdings hat man damit nur zwanzig Prozent des anvisierten Einsparpotenzial erreicht. Die jährliche Treibhausgas-Reduktion lag zwischen 2010 und 2016 bei etwa einem Prozent pro Jahr, aktuell ist man bei drei Prozent. "Daran aber müssen wir uns messen lassen und nicht an der Anzahl der durchgeführten Maßnahmen", mahnte Armin Konetschny von den Grünen, "ansonsten sind wir vielleicht 2070 fertig." Was also tun?

Am 26. Juli startet mit einer "Klimawerkstatt" im Kinderhaus plus (18 bis 20 Uhr) die Akteursbeteiligung im Klimaneutralitätsprojekt. Eingeladen sind alle Bürger, Unternehmen, Vereine, Gemeinderäte, Schüler und Studenten. Dürr betont allerdings: Es brauche kein weiteres "Konzept", sondern umsetzbare Maßnahmen. "Jetzt ist die Möglichkeit, Dinge gemeinsam zu denken und umzusetzen." Auch die Grünen drücken aufs Tempo. "Was wir brauchen, sind umsetzbare Maßnahmen und keine Arbeitsgruppen und Powerpoint", sagte Konetschny, "wir haben eine Kriegszeit und dramatisch gestiegene Energiepreise." Konkret nannte er die Photovoltaikpotenziale in der Gemeinde. Man müsse Hausverwaltungen und Eigentümer einbinden, das Radwegenetz in diesem Jahr beginnen und die Geothermie konsequent umsetzen.

Laut Energieatlas wäre der Perlacher Forst für Windräder geeignet

Korbinian Rausch, Fraktionssprecher der CSU, lobte die von Dürr vorgeschlagenen Arbeitsgruppen und Werkstätten, findet aber auch, dass die Maßnahmen umgesetzt werden müssen. "Was ist die Lösung? In Unterhaching sicher nicht die Wasserkraft, sondern die Photovoltaik und die müssen wir jetzt schon für 2024 ordern. Es gehe um die direkte Umsetzung, sowohl in der Einsparung als auch in der Produktion der Erneuerbaren Energien. Am Thema Photovoltaik arbeite das Rathaus bereits intensiv, sagte Bürgermeister Panzer, der versprach, dass der Gemeinderat sich spätestens in der Septembersitzung mit dem Thema auseinandersetzen werde. Allerdings werde auch die Windkraft zukünftig ein Thema sein.

Da hatte die SPD- Fraktion bereits einen Antrag vorbereitet. "Der Gemeinderat soll die Errichtung eines Windrades auf dem Gemeindegebiet im Perlacher Forst anstreben und für die dazu notwendigen Schritte seine Zustimmung geben", heißt es darin. Zunächst sollten die planungsrechtlichen Voraussetzungen über den Regionalen Planungsverband geschaffen werden, zur Umsetzung die Bürgerschaft mit einbezogen werden. Die SPD denkt dabei an Einrichtungen wie die Bürgerenergie Unterhaching. Allerdings ist der Perlacher Forst überwiegend gemeindefreies Gebiet, bis auf den Perlacher Mugl, der zu Unterhaching gehört. Soll also dort das Windrad hin?

Planungsrechtlicher Ansprechpartner für den restlichen Perlacher Forst ist der Landkreis München. "Dieser hat in einer ersten Potentialanalyse bereits ein mögliches Gebiet im Forst ausgewiesen und dieses Unterhaching zugeordnet", sagt Rathaussprecher Simon Hötzl. Ausreichend Wind sei nach dem Energieatlas Bayern ebenfalls vorhanden. Das zeigten auch die Aktivitäten im Bereich Taufkirchen und Sauerlach. Hötzl betont: "Wir sind schon am Thema dran."

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