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Universität der Bundeswehr:Onlinevorlesung im Einzelzimmer

Neubiberg, Bundeswehr-Uni, Audimax,

Normalerweise werden die neuen Studentinnen und Studenten bei einer "Einschleusungswoche" im Audimax begrüßt, der 500 Plätze bietet. Das ist so diesmal nicht möglich.

(Foto: Angelika Bardehle)

Auf dem Campus in Neubiberg gibt es im Herbsttrimester noch viele coronabedingte Einschränkungen. Das erschwert den neuen Studenten den Start.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Noch geht es auf dem Campus der Bundeswehruniversität in Neubiberg auch unter der Woche so ruhig zu, "als wäre ein Feiertag", beschreibt es Michael Brauns. Weil gerade Praktikumszeit ist, viele Studierende auch im Urlaub sind und wegen der Corona-Pandemie nach Angaben des Pressesprechers der Hochschule derzeit recht wenige Mitarbeiter und Studierende auf dem Areal zu sehen sind. Das ändert sich bald wieder. Denn am 1. Oktober beginnt das Herbsttrimester. Fast 900 junge Menschen beginnen dann ihr Studium an der Universität. Wegen des Coronavirus wird der Betrieb an der Hochschule freilich auch weiter nicht ganz normal ablaufen.

Zum Trimesterbeginn im April hatte die Universität komplett auf digitale Lehre umgestellt. "Es ist aus der Not geboren, es hat aber erstaunlich gut funktioniert", sagt Brauns. Natürlich sei es für den einen einfacher gewesen, für den anderen schwerer, aber das sei überall so gewesen. Auch Sascha Schlak, Vorsitzender des studentischen Konvents bestätigt, dass die Online-Lehre machbar war. "Ich habe von niemandem gehört, dass er gar nicht mehr mitgekommen ist", sagt er. Die digitale Lehre wird nun fortgeführt, teilweise werden aber auch Präsenzveranstaltungen stattfinden. Einen "hybriden Start" des Herbsttrimesters nannte Universitätspräsidentin Merith Niehuss das in einer Video-Botschaft an die Studierenden.

"Alles was man digital machen kann, wird digital stattfinden", sagt Brauns. Was in kleineren Gruppen möglich sei, könne in Präsenz stattfinden. Die Universität orientiert sich dabei an der Sechsten Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung, nach der nur Praxisveranstaltungen, die besondere Labor- oder Arbeitsräume auf dem Campus erfordern, und kleinere Seminare mit bis zu 30 Teilnehmenden in Präsenzform zulässig sind. Auch Prüfungen dürfen in Präsenz abgehalten werden.

"Maßgeblich ist immer die Relevanz", sagt Brauns. Vorrang bei der Zuteilung von Seminarräumen sollen die neuen Jahrgänge haben, damit sie nach Möglichkeit Campus und Lehrende kennenlernen, heißt es auf der Homepage der Universität. Trotzdem könnte es laut Brauns sein, dass neue Studenten ihre Professoren später persönlich kennenlernen als ohne die Pandemie.

Ziemlich anders als sonst wird auch die sogenannte Einschleusungswoche für die Neuen in der letzten Septemberwoche ablaufen. Sonst gab es im Audimax-Hörsaal, der Platz für 500 Personen bietet, verschiedene Stationen, an denen sich die Studenten informieren konnten. Hochschulleitung und Fachbereiche etwa stellten sich vor. Dieses Mal werden die Neuen zwar "Stationen vorfinden, wo sie sich melden können", sagt Brauns. Sonst wird aber auch hier vieles digital erfolgen. Wie Schlak sagt, soll es beispielsweise eine Newcomerwebsite geben, auf der sich manche Bereiche der Universität mit zuvor angefertigten Videos vorstellen, beispielsweise die Studierendenvertretung, und auf der es verschiedene Informationen zum Nachlesen gibt.

Ein Großteil der neuen Studierenden wird auf dem Campus wohnen. Die Vergabe der Zimmer dürfte eine Herausforderung werden. Denn dieses mal werden nur Einzelzimmer vergeben, wie Brauns sagt. Bisher habe es auch Doppelbelegungen von Zimmern gegeben. "Die Wohnungssituation ist noch angespannt", sagt er. Dass nur Einzelzimmer angeboten werden dürften, mache es nicht leichter. "Es wird aber keiner zelten müssen", scherzt er.

Wie schon in den vergangenen Monaten werden die Studenten weiterhin angehalten, Abstand zueinander zu halten. Das bedeutet freilich auch ein anderes Campusleben als sonst. Gemeinsames Kochen in der Gemeinschaftsküche beispielsweise dürfte in jüngster Zeit eher nicht stattgefunden haben. Während das in manchen zivilen Studentenwohnheimen teilweise so gehandhabt worden sei, dass eine Etage als eine Wohngemeinschaft gesehen wurde und daher gemeinsam die Küche genutzt werden durfte, sei das an der Bundeswehruniversität in Neubiberg strenger gehandhabt worden, sagt Lukas Jochum, der an der Bundeswehruniversität Staats- und Sozialwissenschaften studiert und für die Studentenliste USU im Neubiberger Gemeinderat sitzt und Universitätsreferent der Gemeinde ist.

Ein paar Änderungen indes bringen wieder ein wenig Normalität in den Unibetrieb. Wie Schlak sagt, kann der Lesesaal der Uni in der Bibliothek von bis zu 50 Personen wieder genutzt werden. "Die Tische sind in entsprechendem Abstand aufgestellt", sagt er. Auch diverse Sportarten, die im Freien und ohne Kontakt stattfinden wie Tennis oder Laufen auf der Hindernisbahn, sind wieder möglich. Auch bei der Verpflegung auf dem Campus hat man nun wieder eine Auswahl. Das Universitätscasino hat wieder geöffnet, und auch im Bistro, das zuletzt nur Mahlzeiten zum Mitnehmen angeboten hat, kann man wieder essen gehen.

© SZ vom 31.08.2020

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