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Taufkirchen:Hitze-Alarm in der Traglufthalle

Politiker besuchen Flüchtlingslager

Abkühlung im Schatten. In der Traglufthalle in Taufkirchen herrschten am Donnerstags teilweise 44 Grad.

(Foto: dpa)

In der Flüchtlingsunterkunft steigt die Temperatur auf 44 Grad. Die Feuerwehr räumt die Halle. Schuld ist wohl die Technik.

Von Iris Hilberth, Taufkirchen

Von angenehmen Temperaturen hatte das Landratsamt München am Mittwochvormittag gesprochen, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann mit seiner österreichischen Amtskollegin Johanna Mickl-Leitner die Schleuse in die Taufkirchner Traglufthalle passierte. Die noch rasch eingebaute Klimaanlage lief seit dem Vortag auf Hochtouren, alles schien wohl temperiert in der bayerischen Vorzeige-Notunterkunft für Flüchtlinge.

Doch schon einen Tag später fühlte sich die Sache wieder ganz anders an unter dem aufblasbaren Kuppeldach: Die Sonne brannte erbarmungslos auf das Polyestergewebe, 44 Grad zeigte das Thermometer gegen 15 Uhr. Die Luft flimmerte und im oberen Bereich der Behausung, direkt unter der Folie sollen gar 50 Grad gemessen worden sein. So heiß zumindest, dass die Feuermelder aktiviert wurden und die Menschen die Halle verlassen mussten, wenn sie sich nicht ohnehin schon draußen im Schatten der Bäume aufhielten.

Die Feuerwehr rückte aus Unterhaching und Taufkirchen an

Mit 25 Mann rückte die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen an, etwa ebenso viele Einsatzkräfte schickte Unterhaching zur Traglufthalle. Michael Huber, Feuerwehrkommandant von Taufkirchen, konnte aber schnell den Einsatz wieder abblasen, "Fehlalarm", bilanzierte er. Die flimmernde Luft hatte offenbar den Alarm ausgelöst. Die Feuerwehr ist der Ansicht, die Brandmeldeanlage gehört überarbeitet.

Das sieht der Geschäftsführer der Firma Paranet nicht ganz so. Jürgen Wowra spricht von einem Ausnahmezustand aufgrund der derzeit herrschenden Temperaturen. "Wann hat es schon mal 37 Grad?", sagte er. Er ist eher froh, dass die Melder funktioniert hätten und die Halle zügig geräumt wurde. "So wissen wir, dass es im Ernstfall klappt", sagte er.

Auslöser für den Alarm war wohl ein technischer Defekt

Dass es in der Halle derart heiß wird, lag laut Landratsamt an einem "technischen Defekt". Das Hitzeproblem sei auf einen Fehler eines Technikers zurückzuführen, bestätigte Wowra. Der Mitarbeiter hatte offenbar für den Ministerbesuch die Anlage manuell laufen lassen, was bedeutet, dass die einströmende Luft in die Kuppel mit frischen, kaltem Wasser gekühlt wird. Anschließend habe der Techniker wieder die Automatik eingeschaltet.

"Das ist auch üblich und bei normalen Temperaturen überhaupt kein Problem", sagte Wowra. Diese Betriebsweise führt allerdings dazu, dass immer dieselbe Luft zirkuliert und sich bei Hochsommertemperaturen entsprechend aufheizt. Landratsamtsprecherin Christine Spiegel betonte, dass die Behörde mit diesen Einstellungen nichts zu tun habe.

In Neubiberg wird gerade die nächste Traglufthalle aufgebaut

Inzwischen sei die Bedienung der Anlage in Taufkirchen korrigiert worden, sagte Wowra, die Halle mittlerweile auf etwa 26 Grad runtergekühlt. Die derzeit 22 in Taufkirchen untergebrachten Flüchtlinge konnten gegen Abend in ihre Unterkunft zurückkehren. Nun hatten Helfer aber auch moniert, dass es nachts in der Halle ausgesprochen kalt sei. Das konnte sich Wowra nur mit der noch fehlenden Heizungsanlage erklären. "Wir bauen die ein, sobald wir vom Landratsamt die Zustimmung bekommen", versprach er.

Derzeit errichtet die Firma Paranet auch in Neubiberg eine solche Traglufthalle für Flüchtlinge, die am Freitag, 14. August, von 17 bis 19 Uhr besichtigt werden kann. Ähnlich wie zunächst in Taufkirchen fehlt dort noch die bestellte Klimaanlage. "Wir arbeiten im Moment wirklich unter enormen Zeitdruck", entschuldigte der Geschäftsführer die Verzögerung.

© SZ vom 08.08.2015/gna
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