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SZ-Serie: Lichtblicke, Folge 1:Madonna!

"Das Licht wirkt in der Nacht und fokussiert den Blick auf die Marienstatue mit dem Jesuskind", sagt Pfarrer Stefan Füger.

(Foto: Claus Schunk)

In einer neuen Serie stellen wir vor, wo der Landkreis leuchtet. Zum Auftakt geht es um eine eine Marienfigur in Neubiberg, die nachts Passanten in ihren Bann zieht.

Von Daniela Bode, Neubiberg

Geht man bei Tageslicht über den zur Straße hin offenen Vorplatz der Pfarrei Rosenkranzkönigin in Neubiberg, bemerkt man sie womöglich gar nicht. Dafür abends, wenn es dunkel ist, umso eher. Denn da ist die Madonna vor dem Pfarrbüro - der Vorraum ist seit dem Umbau vor ein paar Jahren über eine große Glasscheibe einsehbar - durch eine Deckenleuchte angestrahlt. Vor einer weinroten Wand steht die Marienfigur mit Krone und Kind auf dem Arm und blickt einen freundlich an. Das Licht macht sie sichtbar. Das Licht führt einen fast zu ihr hin.

Dass die Madonna mit dem Kind gerade abends auf Passanten eine besondere Wirkung hat, beobachtet auch Pfarrer Stefan Füger. "Erst vor kurzem erzählte mir eine Frau, immer wenn sie abends mit dem Bus vorbeifährt, freut sie sich, die Figur zu sehen", sagt er. Er kann sich sogar vorstellen, dass die Kinder, die im Sommer manchmal nachts auf dem Vorplatz mit den Skateboards oder Fahrrädern über die Stufen fahren, "ins Fenster hineinschauen", sagt er. Fügers Vorgänger Sylwester Walocha, der die Umgestaltung initiiert hatte, beobachtete sogar den einen oder anderen, der vor dem Fenster betete. Für manche ist die Stelle also ein Ort zum Innehalten.

Die Maria mit dem Kind ist eine Leihgabe aus dem Archiv der Erzdiözese. Sie stand vermutlich ursprünglich auf einem erhöhten Platz.

(Foto: Claus Schunk)

"Das Licht wirkt in der Nacht und fokussiert den Blick auf die Marienstatue mit dem Jesuskind", sagt Füger. Genau das war auch die Idee des Architekten Clemens Pollok, der den Umbau plante. "Am Abend wird der Platz dunkel und die Marienfigur im Fenster tritt durch die Lichtbetonung hervor", sagt er. Überhaupt war die Idee damals, die Pfarrei nach außen zu öffnen und sie zu jeder Tageszeit einladend wirken zu lassen. Das geschah unter anderem über das große Fenster, das eine Art Schaufenster sein sollte. Man blickt hinein. "Es wird eine innere Schau, es berührt einen etwas", sagt Pollok. Tagsüber lässt das Tageslicht das Innere erkennen, abends zieht einen das künstliche Licht wie eine Laterne an. "Ich freue mich, dass die Menschen die Stelle anerkennen als Ort der inneren Mitte und Zentrierung", sagt der Architekt. Auch Füger gefällt die Idee der Fokussierung. "Ich finde den Gedanken schön, dass das Schaufenster nicht den Blick auf Konsumgüter lenkt, sondern auf zwei, die für den Glauben entscheidend sind."

Als klar war, dass das Pfarrhaus über so ein Fenster nach außen geöffnet werden sollte, suchte man eine Figur, die man dort platzieren konnte, erzählt der damalige Kirchenpfleger Ingo Heinemann. Und man entschied sich für diese Marienfigur, die eine Krone trägt - eine Königin, passend zum Namen der Pfarrei. Sie stammt aus dem Archiv der Erzdiözese für Kunstgegenstände in Neumarkt-Sankt Veit und ist der Pfarrei als Leihgabe zur Verfügung gestellt worden. "Sie muss früher einmal irgendwo oben gestanden haben, weil sie nach unten blickt", sagt Füger. Als die Figur dann an ihrem jetzigen Platz vor der Wand stand, wollte man sie auch beleuchten. "Am Anfang war das Licht zu hell", erzählt Heinemann. Auch erinnert er sich an Vergleiche mit der Rotlichtszene, was wohl eher augenzwinkernd gemeint gewesen sein dürfte. Aber jetzt scheint man die richtige Beleuchtung gefunden zu haben. Um 16.30 oder 17.30 Uhr wird sie derzeit angeschaltet, dann zieht sie bis zum Morgen die Vorbeigehenden in ihren Bann.

In der neuen Serie stellen wir im Advent jeden Tag ein besonderes Licht vor.

© SZ vom 01.12.2020
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