Polizeiinspektion Unterhaching Das Tal der Seligen

Polizisten zu Pferde halten in Sauerlach nach Einbrechern Ausschau. Einbrüche sind hinter Diebstählen und Vermögensdelikten häufige Straftaten.

(Foto: Claus Schunk)

In Unterhaching, Oberhaching, Taufkirchen und Sauerlach kommen auf 1000 Einwohner 28 Straftaten pro Jahr, und Gewaltdelikte sind äußerst selten. Damit ist die Kriminalitätsrate nur halb so hoch wie in München.

Von Claudia Wessel, Unterhaching

Doch, es gibt auch spektakuläre Fälle im Hachinger Tal. Das sind allerdings so wenige, dass der Leiter der Polizeiinspektion 31, Stefan Schraut, entweder sofort auch das Datum weiß, an dem die Tat passiert ist, oder aber die Zeitungsausschnitte und Polizeiberichte dazu nach kurzem Blättern in seinem Ordner findet. Der Bankraub in Taufkirchen zum Beispiel. "Das war doch am 24. Mai 2016", sagt er. Der Täter lief seinerzeit der Polizei direkt in die Arme. Oder die Sprengung des Bankautomaten am Oberhachinger Kirchplatz durch eine Bande; fünf Täter wurden festgenommen. Tag der Tat: 4. November 2016. Oder einer der wenigen Mordfälle in Unterhaching. Februar 2014.

"Eine Streife war als erstes da. Die Tochter öffnete die Wohnungstür und sagte, es sei alles in Ordnung, der Mutter gehe es gut, sie sei in der Augenklinik. Aber es hat schon so komisch gerochen..." Eine Freundin der Mutter hatte die Polizei alarmiert, die Beamten betraten die Wohnung und fanden die Leiche der Mutter. Ihre Tochter hatte sie erdrosselt, sie war zu dem Zeitpunkt bereits seit zwei Wochen tot.

Tötungsdelikte jedoch sind eine absolute Seltenheit im Zuständigkeitsbereich der PI 31, der die Gemeinden Unterhaching, Taufkirchen, Oberhaching und Sauerlach mit rund 64 000 Einwohnern umfasst. Seit 2008 ist Schraut hier tätig und er kann sich an "höchstens fünf Fälle" in seiner Amtszeit erinnern. Diese Tötungsdelikte waren im übrigen "ausschließlich Beziehungstaten".

34 Prozent Diebstähle

Wie hat man sich also die rund 2000 Delikte vorzustellen, die in der PI 31 pro Jahr im Durchschnitt angezeigt werden? 34 Prozent machten im Jahr 2015 Diebstähle aus, wobei nur drei Prozent Ladendiebstähle waren. Mit 20 Prozent an zweiter Stelle stehen Vermögensdelikte, wobei Internetbetrug "stark im Kommen" sei, so Schraut. An dritter Stelle der Statistik findet man Sachbeschädigungen aller Art (16 Prozent), gefolgt von Wohnungseinbrüchen (sieben Prozent) und häuslicher Gewalt, wobei diese nicht als solche statistisch erfasst wird, sondern etwa als Körperverletzung.

Familiäre Gewalt, zu der die Polizei gerufen wird, geschieht etwa 100 Mal im Jahr. Dabei seien 95 bis 98 Prozent der Opfer Frauen, die Täter werden bei einer solchen Anzeige sofort aus der Wohnung gebeten. Allerdings können sie dann nicht bei der Polizei übernachten, sollte es mitten in der Nacht sein. "Die müssen dann sehen, wo sie unterkommen", sagt Polizeichef Schraut.

Insgesamt ist die Häufigkeitsziffer von Straftaten im Hachinger Tal halb so hoch wie in der Landeshauptstadt München. Auf 1000 Einwohner kommen in München 64 Straftaten, im Hachinger Tal 28. Zurückzuführen sei das sicher auch auf den "Landeffekt" und die bessere soziale Kontrolle, sagt der Polizeichef. Schon viele Festnahmen von Berufsverbrechern konnten aufgrund von Bürgerhinweisen getätigt werden, erläutert er. Dabei ist ihm übrigens sehr wichtig, dass die Bürger danach eine Rückmeldung bekommen. "Nicht erschrecken, hier ist die Polizei", sage man am Telefon. "Wir wollten nur mitteilen, dass Ihr Hinweis ein Erfolg war." Über so einen Anruf freuen sich die Bürger laut Schraut sehr.

Der gestalkte Mann

Fälle von Stalking, ebenfalls eine Beziehungstat, wurden bisher nur vereinzelt bei der PI 31 angezeigt. An einen kuriosen Fall allerdings, der sich vor rund drei Jahren ereignete, erinnert sich Schraut. Es handelte sich um Stalking durch eine Frau, Geschädigter war ein Mann. "Ich weiß nicht, wie oft wir sie vor seiner Haustür weggeholt haben", sagt Schraut. Sie sei auch einmal zehn Tage lang in Gewahrsam genommen worden, doch auch das habe nichts gebracht. "Mindestens 40 mal" wurde sie von dem belästigten Mann angezeigt. Eines Tages allerdings war sie verschwunden. Wohin, weiß Schraut nicht. Die Täterin lebte nicht in seinem Zuständigkeitsgebiet, sondern reiste von außerhalb an, um dem Mann nachzustellen.

Wohnungseinbrüche haben gerade in jüngster Zeit wieder Schlagzeilen gemacht. Erst vor wenigen Tagen wurde ein 49-Jähriger festgenommen, der zahlreiche Einbrüche im Landkreis, unter anderem in Deisenhofen, Taufkirchen, Grünwald und Aschheim verübt hatte. Die Ermittlungen zu solchen Fällen seien oft sehr langwierig und kompliziert, erklärt Schraut.

Nicht richtig ist allerdings die Vermutung, Wohnungseinbrüche seien gerade in den Landkreisgemeinden verbreitet. Da gebe es keinen Unterschied in der Häufigkeit zur Landeshauptstadt, versichert Schraut. Man ist also in einem Einfamilienhaus in Unterhaching nicht besonders gefährdet. Wie man sich schützen kann? Schraut empfiehlt vor allem Maßnahmen, die einen Täter erst gar nicht ins Haus kommen lassen, also etwa Sicherung der Türen. Handyüberwachung oder Alarmanlagen findet der Unterhachinger Polizeichef weniger sinnvoll, denn dann "ist der Täter ja schon drin", wie Schraut sagt.

Alles in allem lebt man im Hachinger Tal jedenfalls sehr sicher, wie Stefan Schraut betont: "Wir haben sehr niedrige Kriminalitätszahlen." Taschendiebstähle oder eine Drogenszene gibt es praktisch gar nicht.