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Garchinger Kinderbuchautorin:Ein Dodo entdeckt die Welt

Priya Hein lebt mit ihrem Mann und den zwei Kindern in Garching. Ihre Karriere als Kinderbuchautorin hat sie mit dem Dodo begonnen

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Priya Hein ist auf Mauritius aufgewachsen, hat in Großbritannien Jura studiert und arbeitet für die Europäische Südsternwarte in Garching. Nebenbei schreibt sie Kinderbücher, in denen der berühmte, längst ausgestorbene Wappenvogel ihrer Heimat die Hauptrolle spielt.

Der etwas plumpe, aber dennoch lustige Vogel ist längst ausgestorben, aber in Priya Heins Büchern hüpft der Dodo immer noch über die Insel Mauritius. Feno heißt der liebenswerte Laufvogel, den die Autorin für ihre Kinder wieder zum Leben erweckt hat. 2009 war das, als sie mit ihrer Tochter ihre Heimat Mauritius besuchte. Dort ist der Dodo allgegenwärtig. Als Wappentier, als Schlüsselanhänger, als Zierde von Kosmetikprodukten. "Ich wollte für Ananya ein Buch über den Dodo kaufen, aber es gab nichts." Jedenfalls nichts für Kinder. Also setzte sie sich hin und schrieb eine Geschichte für ihre Tochter. Mittlerweile sind Fenos Erlebnisse ins Französische, Englische, ins Kreolische sowie ins Deutsche übersetzt und spiegeln damit auch den bunten Lebenslauf der in Garching lebenden Autorin.

Ihre Kindheit hat die 39-Jährige teils auf Mauritius, teils in London verbracht. Auf die Tropeninsel waren ihre indischen Vorfahren bereits um 1870 herum ausgewandert. In dem Garchinger Reihenhaus mit den farbigen Holzfensterläden wohnt sie seit 2003. Zuvor hat sie allerdings einige europäische Metropolen kennengelernt. Sie hat Jura und Französisch in Manchester und Straßburg studiert, hat für die Labour-Party im europäischen Parlament gearbeitet, in Brüssel ihren Master in internationalen Beziehungen gemacht und für die EU die Übersetzung von Gesetzestexten überprüft. Nach Deutschland kam sie der Liebe wegen. Ehemann Stefan Hein bekam hier einen Job, Priya Hein begleitete ihn und arbeitet inzwischen als Assistentin in der Führungsebene der Europäischen Südsternwarte ESO in Garching.

Obwohl ihr Deutsch gut ist, schreibt sie lieber auf Englisch

Zwar spricht sie inzwischen auch Deutsch, aber noch immer sagt sie, Englisch sei ihr die liebste Sprache, da fühle sie sich am wohlsten. Deswegen hat sie die Geschichte vom Dodo, der ein Geschenk für seine Mutter sucht, auch zunächst auf Englisch geschrieben. Zumal ihre neun Jahre alte Tochter und ihr sechs Jahre alter Sohn zweisprachig aufwachsen. Und so erlebt das Wappentier der Tropeninsel eine Renaissance in ihren Bilderbüchern, die Lynda Nelson illustriert hat. Denn der Dodo, der auch als "kapuzentragender Nachtvogel" bezeichnet wird, ist vermutlich bereits Ende des 17. Jahrhunderts ausgestorben.

"Eine Art Maskottchen für Mauritius"

Die kleine Geschichte gefiel nicht nur Ananya, sondern auch dem Tourismusminister von Mauritius. Sein Ministerium unterstützte auch den Verlag des Buches auf der Insel, dessen Wappen der Dodo ziert. Priya Hein erklärt sich die Faszination des Vogels auf Mauritius damit, dass das krummschnabelige Federtier wirklich einzigartig war. "Und zum ersten Mal hat die Menschheit mitbekommen, dass eine Art aussterben kann." Auf Mauritius finde sich der Dodo überall, auf T-Shirts, auf Streichholzschachteln, in Logos: "Er ist eine Art Maskottchen für Mauritius".

Vielleicht auch eine Art Maskottchen für Priya Hein, denn immerhin war der Dodo der Starthelfer zu ihrer Karriere als Kinderbuchautorin. Die zierliche Frau mit den langen schwarzen Haaren und den samtbraunen Augen hat mittlerweile diverse Bücher verfasst und teils auch selbst mit Collagen gestaltet. So hat Feno noch mehr Abenteuer erlebt, und ein Dodo taucht auch in dem Buch auf, mit dem Kinder das Alphabet lernen können. Die Frau ist ein echtes Multitalent.

Der Esstisch im Reihenhaus ist geschmackvoll gedeckt, hier sitzt sie zusammen mit ihrem Ehemann, der Scones gebacken hat, ein englisches Teegebäck, das mit Konfitüre hervorragend schmeckt. Die Anwesenheit ihres Mannes ist leicht erklärt, sie fühlt sich sicherer, wenn jemand beim Gespräch dabei ist, der notfalls übersetzen kann. Ihre Arbeit als Autorin mache ihr viel Spaß, "ich lese gerne in Schulen oder Kindergärten", erzählt Hein.

Die Ideen für die Bücher kommen oft von den beiden Kindern

Viele ihrer Bücher drehen sich um interkulturelle Themen. Für einige hat sie die Illustration selbst gemacht, wie etwa die Giraffe.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Ideen für ihre Bücher kommen ganz maßgeblich von ihren Kindern. So verdankt etwa Heins Blaubär seine Existenz der Frage ihrer Tochter: "Warum bin ich anders als andere Kinder?". Die Antwort geben in dem Buch der Blaubär, der im Blaubärland lebt und die Rosabärin, die in Rosaland wohnt. Sie verlieben sich, feiern Hochzeit, bekommen ein Baby - ein Lilabärchen. Ein echtes interkulturelles Thema, weshalb es auch dieses Buch wieder in verschiedenen Sprachen gibt und weshalb Hein auch mit Stiftungen zusammenarbeitet. Denn das Thema ist Hein ein Anliegen. "Ich möchte, dass Kinder Sprachen lernen und dass sie Spaß haben, wenn sie lesen." Sie selbst sei immer umgeben gewesen von Büchern.

Ehemann Stefan Hein nickt: "Meine Frau wird immer nervös, wenn sie kein Buch hat." Mit den Kindern lese sie viel Enid Blyton oder die Bunny School, sie selbst lese beispielsweise gerne Bücher von Jean-Marie Gustave Le Clézio, der auch Wurzeln auf Mauritius habe. Und ihr nächstes Buchprojekt hat sie schon wieder im Kopf. Mit von der Partie ist wieder der Dodo, wenn auch nicht Feno. Diesmal sind es andere Vögel, die sich über den Krummschnabel lustig machen, weil er nicht fliegen kann. Aber dann rettet der Dodo kleine Vögel bei einem Sturm und erwirbt sich so den Respekt der anderen. Wer weiß, was der Dodo noch alles erleben wird? So lange es Priya Hein noch so viel Spaß macht, sich in die Welt der Kinder zu versetzen, ist das Ende noch offen.