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Nahverkehr:CSU-Streit um Magnetschwebebahn

Neue Pläne für Magnetschwebebahn in München: Mit Tempo 150 fährt die Magnetschwebebahn TSB über die Teststrecke.

Könnte eines Tages vielleicht den Ludwig-Bölkow-Campus in Ottobrunn mit S- und U-Bahn verbinden: die Magnetschwebebahn der Firma Max Bögl.

(Foto: Firmengruppe Max Bögl)

Landrat Göbel und Ottobrunns Bürgermeister Loderer geraten über die Anbindung des Ludwig-Bölkow-Campus mit öffentlichen Verkehrsmitteln aneinander.

Von Stefan Galler, Ottobrunn

Wer dieser Auseinandersetzung lauschte, konnte kaum glauben, dass es sich bei den Duellanten um Parteikollegen handelte: Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer und Landrat Christoph Göbel, beide CSU, lieferten sich in der jüngsten Sitzung des Kreis-Verkehrsausschusses in Unterschleißheim einen heftigen Schlagabtausch. Es ging um die verkehrliche Erschließung des Ludwig-Bölkow-Campus, der sich über Teile der Gemeinden Ottobrunn und Taufkirchen erstreckt und wo derzeit eine Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität München (TUM) entsteht. Es werden 30 Professuren vergeben, bis zu 4000 Studierende sollen dort ihre akademische Ausbildung absolvieren.

Deshalb hat es sich der Landkreis zum Ziel gesetzt, eine optimale Verkehrsanbindung zu schaffen und damit nicht zu warten, bis die U-Bahnlinie 5, die derzeit in Neuperlach Süd endet, bis zum Campus ausgebaut ist. Dass bei den Untersuchungen auch eine Magnetschwebebahn (Transport System Bögl) und die vom Landrat präferierten Oberleitungsbusse auf Realisierbarkeit und Rentabilität geprüft werden sollen, kann Loderer nicht nachvollziehen: Man sollte "Komplexität durch Nachdenken reduzieren", sagte der Bürgermeister und erteilte Oberleitungsbussen schon deshalb eine Absage, weil diese "nicht kapazitätssteigernd" seien, es aber genau darum gehe und man diese Frage nicht mit möglichen ökologischen Antrieben koppeln sollte, so Loderer.

Göbel reagierte gereizt: "Auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können: Auch im Landratsamt gibt es Leute, die nachdenken, bevor sie etwas machen, das ist kein Privileg der Gemeinde Ottobrunn." Auch dort gebe es keine Kompetenzen, eine U-Bahn zu bauen, weshalb man eben dazu gezwungen werde, "nicht nur den Bus dahin fahren zu lassen". Bei dem, was auf dem Campus entstehe, könne man nicht rechtzeitig genug damit beginnen, sich Gedanken über Straßen, Infrastruktur und Wohnen zu machen. Wenn man bis zur Realisierung der U-Bahn-Verlängerung den Campus nur per Bus anbinde, "dann wären wir als Universitätsstandort kritisch zu hinterfragen", so Göbel.

Letztendlich beschloss der Ausschuss, die Verhandlungen mit Bund und Freistaat über die Förderung der U5-Verlängerung von Neuperlach Süd nach Taufkirchen fortzuführen und - gegen die Stimme Loderers und des FDP-Kreisrats Manfred Riederle - Angebote für die Gesamtsteuerung des Projekts der verkehrlichen Erschließung des Campus einzuholen.

Was das Transport System Bögl (TSB) angeht, so soll eine Kosten-Nutzung-Untersuchung einer solchen Magnetschwebebahn geprüft werden, und zwar unter Anwendung der gleichen Methodik, die man bereits bei der Studie zur U-5-Verlängerung praktiziert hat, um die Ergebnisse besser vergleichbar zu machen.

Freie-Wähler-Kreisrat Otto Bußjäger setzte sich für diese Lösung ein: "Das TSB soll keine Alternative zur U-Bahn sein, sondern eine Ergänzung." Es sei nicht vorstellbar, "dass Dieselkrücken den Campus erschließen" sollen. Zu einem funktionierenden System müssten auch Park-and-ride-Netze gehören, um die Autos vor den Gemeinden abzufangen, so Bußjäger weiter.

© SZ vom 03.07.2021/lb
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