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Verkehr:Eine Magnetbahn für den Raum München?

Magnetschwebebahn

So soll sie aussehen, die Magnetschwebebahn des Herstellers Max Bögl.

(Foto: Firmengruppe Bögl)

Die Idee kommt immer wieder auf, nun lässt der Landkreis München potenzielle Trassen prüfen. Doch ob solche Verbindungen wirklich sinnvoll wären, ist offen.

Von Andreas Schubert

13 Jahre nach dem Aus für den Transrapid geistert die Idee einer Magnetschwebebahn im Raum München immer wieder mal durch die Lande. Erst vor gut einem Jahr hat das Bundesverkehrsministerium eine Machbarkeitsstudie für eine solche Bahn am Münchner Flughafen in Auftrag gegeben und vier Millionen Euro für die Planung bereitgestellt. Die Ergebnisse werden, mit einem halben Jahr Verzögerung, voraussichtlich Mitte des Jahres präsentiert.

Auch der Landkreis München beschäftigt sich schon länger mit der Idee. Ebenfalls als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie hat sich der Kreistag am Dienstag verschiedene potenzielle Trassen für die Magnetbahn des Herstellers Max Bögl vorstellen lassen - finanziert hat die Studie der Hersteller selbst. 14 Trassen für das "Transportsystem Bögl" (TSB) hat das Büro Ernst Basler und Partner aus Zürich untersucht. Vier blieben letztlich übrig, die anderen erwiesen sich als unrentabel.

Eine mögliche Trasse könnte als Verlängerung der U 5 vom U-Bahnhof Neuperlach-Süd über Ottobrunn bis nach Taufkirchen führen, damit wäre auch der Ludwig-Bölkow-Campus, die größte Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik Europas, angebunden. Auch eine Trasse als Verlängerung der U 6 von Garching-Hochbrück nach Unterschleißheim halten die Gutachter für realisierbar sowie sogar eine Nordosttangente von Unterschleißheim über Garching und Unterföhring bis nach Riem und Haar. Weiter wäre nach Auffassung der Gutachter eine Verbindung zwischen Dachau und Moosach (Anbindung an die U 3) oder Feldmoching (Anbindung an die U 2) möglich.

Die Variante in den südöstlichen Landkreis nach Taufkirchen stünde in direkter Konkurrenz zur geplanten Verlängerung der U 5. Allerdings wären laut Studie die Kosten weitaus niedriger. So veranschlagen die Planer für die Trasse nach Taufkirchen zwischen 180 und 380 Millionen Euro für eine Variante, die teilweise unterirdisch geführt wird. Die U-Bahn läge bei mehr als 500 Millionen Euro. Sie hätte allerdings den Vorteil, dass Pendler und Studenten auf dem Weg von der Stadt in den Landkreis oder umgekehrt nicht umsteigen müssten. Als weiteres Beispiel würde die Nordosttangente etwa 890 Millionen Euro kosten, die Strecke nach Dachau zwischen 360 und 400 Millionen Euro.

Ob diese Projekte wirklich sinnvoll sein können, will der Landkreis München nun in einer vertiefenden Studie klären lassen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) geht es dabei auch um einen Vergleich der Verkehrssysteme. Die Münchner SPD zeigte sich am Dienstag aufgeschlossen gegenüber der Magnetbahn, will aber prüfen lassen, ob es nicht sinnvoller sei, bestehende Tram- und U-Bahnlinien in die Umlandgemeinden zu verlängern. Zum neuen Ludwig-Bölkow-Campus in Taufkirchen etwa bevorzuge man wegen der direkten Verbindung zum Zentrum eine Verlängerung der U-Bahn ab Neuperlach-Süd, teilte Nikolaus Gradl mit, der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion.

Gradl räumt aber ein, dass von der Böglbahn eine Faszination ausgehe. Das TSB wird immer wieder mit dem Transrapid in Verbindung gebracht, hat damit aber bis auf die Magnetschwebetechnik nicht mehr viel gemeinsam. Das TSB schafft statt 450 Kilometer pro Stunde nur Tempo 150, die Züge benötigen eine weniger wuchtige Trasse. Laut Hersteller eignete sich das TSB für Nahverkehrsstrecken zwischen fünf und 50 Kilometer. Weiter unterscheidet es sich von der früheren Technik, dass die Gleise das Fahrzeug umschließen und nicht umgekehrt, was die Lärmemissionen gering halten soll. Weil der Antrieb in den Fahrzeugen selbst und nicht in der Trasse verbaut ist, soll auch eine genauere Steuerung der Züge, die ohne Fahrer unterwegs sein werden, möglich sein.

Ob die Böglbahn dereinst durchs MVV-Gebiet schweben kann, bleibt vorerst offen. Auch am Flughafen wird sie so schnell nicht gebaut. Wegen der hohen Verluste nach dem Einbruch des Flugverkehrs kann sich der Airport eine solche Investition derzeit nicht leisten.

© SZ vom 15.04.2021/baso
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