Otfried-Preußler-Gymnasium:Kultusministerin will Umbenennung "mit nötiger Sensibilität" prüfen

Otfried-Preußler-Gymnasium: In der Diskussion: das Otfried-Preußler-Gymnasium in Pullach.

In der Diskussion: das Otfried-Preußler-Gymnasium in Pullach.

(Foto: Claus Schunk)

Bislang ist im Ministerium allerdings noch kein Antrag aus Pullach eingegangen.

In der Debatte um die Umbenennung des Otfried-Preußler-Gymnasiums in Pullach ist die Entscheidung noch offen. Die Umbenennung werde abschließend im Kultusministerium geprüft, hieß es Dienstag beim Ministerium. Ein Antrag zur Namensänderung liege dem Staatsministerium aber bisher nicht vor, sagte Ministerin Anna Stolz (Freie Wähler). Zuvor müsse eine Entscheidung vom Schulaufwandsträger, dem Zweckverband, getroffen werden; diese sei noch nicht gefallen. "Wenn das erfolgt ist und der Antrag bei mir eingeht, dann werde ich das prüfen mit der nötigen Sensibilität", sagte die Ministerin.

Das ebenfalls nötige Votum von Lehrerkonferenz, Elternbeirat und Schülermitverantwortung sowie der Gemeinde ist bereits ergangen. Demnach soll die Schule, die erst vor zehn Jahren nach Preußler benannt worden war, den Namen nun wieder ablegen. Als Grund wird unter anderem Preußlers frühe Zeit als Soldat sowie sein Frühwerk "Erntelager Geyer" genannt, das um 1940 und 1942 entstand und in dem er das Leben in der Hitlerjugend beschönigt.

Einen "differenzierten und qualifizierten Umgang" mit dem literarischen und pädagogischen Erbe des 1923 in Nordböhmen geborenen Schriftstellers fordert unterdessen die Sudetendeutsche Volksgruppe. Derzeit finde eine "richtiggehende Hexenjagd" gegen den Vater der "Kleinen Hexe" und zahlreicher anderer Kinderbücher statt, sagt deren Sprecher, der Münchner CSU-Politiker Bernd Posselt. Preußler habe nie geleugnet, als Teenager 1940 das Buch "Erntelager Geyer" verfasst zu haben, das seine Erlebnisse mit dem sogenannten Jungvolk entsprechend dem nationalsozialistischen Zeitgeist wiedergebe. "An diesem Erstling Preußlers gibt es nichts zu beschönigen. Man darf aber nicht vergessen, dass der Autor nach drei Jahren Ostfront, fünf Jahren in sowjetischen Kriegsgefangenenlagern und der Vertreibung aus der Heimat mit dem braunen Gedankengut restlos gebrochen und ein auf Toleranz und Völkerverständigung hin orientiertes Lebenswerk aufgebaut hat."

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