Expressbus Garching-Oberschleißheim Beschleunigung für den Norden

Wie zum Partnachplatz soll bald auch zum U-Bahnhof Feldmoching ein Expressbus fahren.

(Foto: Stephan Rumpf)

Eine Express-Buslinie soll Garching mit Ober- und Unterschleißheim sowie dem U-Bahnhof Feldmoching verbinden. Die kürzeren Fahrtzeiten könnten mehr Menschen zum Umsteigen bewegen.

Von Martin Mühlfenzl, Unterschleißheim/Garching

Wer von oben auf den Münchner Norden blickt, erkennt ein eng geflochtenes Netz aus einigen der meist befahrenen Bundesstraßen und Autobahnen der Republik: A 9, A 92, A 99 sowie B 13, B 471 und B 388. Asphaltierte Trassen - so weit das Aue reicht. Doch den rasant zunehmenden Verkehr können sie schon längst nicht mehr bewältigen.

Der Landkreis schickt sich daher an, mit innovativen und kreativen Lösungen, den drohenden Verkehrsinfarkt zu vermeiden. Etwa mit einer Stadtbahn von Garching über Ober- bis Unterschleißheim. Doch bis die Trambahn kommt, werden noch Jahre vergehen. Daher haben die Kreispolitiker auf dieser wichtigen tangentialen Verbindung vorerst einen Expressbus nach Münchner Vorbild ins Auge gefasst. Mehr noch: Der Bus soll bis zur U 2 nach Feldmoching verlängert werden.

Die Idee, die Nordtangente bis in die Landeshauptstadt zu verlängern, geht zurück auf einen Antrag der SPD-Fraktion im Kreistag. Die Sozialdemokraten haben auch den Einsatz eines Expressbusses ins Spiel gebracht. Unterschleißheims Bürgermeister Christoph Böck (SPD) sagte vergangene Woche im Mobilitätsausschuss des Kreistags, die Verbindung zwischen der U2 im Westen und der U 6 im Osten könne einen wichtigen Beitrag leisten, "um Menschen zum Umstieg auf den öffentlichen Personennahverkehr zu bewegen". Für ihn selbst sei dabei nicht entscheidend, ob konkret der U-Bahnhof Feldmoching angefahren wird. "Es gibt auf der Linie U 2 auch andere Möglichkeiten."

Dass der nördliche Landkreis zwingend neue tangentiale Verbindungen benötigt, ist sowohl unter den Bürgermeistern als auch unter den Kreisräten unbestritten. Unterschleißheims CSU-Kreisrätin Brigitte Weinzierl machte in derselben Ausschusssitzung deutlich, wie eng die Beziehungen insbesondere der Städte Unterschleißheim und Garching miteinander seien: "Gerade die Pendlerbeziehungen nehmen immer weiter zu. Es braucht einfache Verbindungen."

Die Wachstumsregion im Landkreis

Denn der Norden ist die Wachstumsregion des Landkreises München schlechthin. Die Stadt Unterschleißheim, bevölkerungsreichste Kommune des Landkreises, hat längst die Marke von 30 000 Einwohnern überschritten und wächst immer weiter. Gleiches gilt für die Stadt Garching und die Gemeinde Oberschleißheim. Die drei Kommunen erleben zudem eine andere Form des Wachstums: Garching-Hochbrück, Unterschleißheim und auch Oberschleißheim sind die Entwicklungsschwerpunkte der Region, wenn es um Forschung, Innovation und Lehre geht. Etwa mit der Technischen Universität in Garching, dem Business-Campus in Unterschleißheim samt einem Zentrum für autonomes Fahren sowie der tierärztlichen Fakultät in Oberschleißheim.

Diese Zentren, so die einhellige Meinung der Kreispolitiker, müssten zwingend miteinander verknüpft werden. Die Idee eines Expressbusses ist dabei nicht neu, auch im südöstlichen Landkreis wird solch ein Projekt vorangetrieben. Die Gemeinde Ottobrunn rüstet derzeit die Haltestellen an der Rosenheimer Landstraße um, damit die Busse der Linie 210 an diesen schneller an- und wieder abfahren können. Zudem wird eine neue Ampelschaltung eingerichtet, um die Busse zu beschleunigen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) bekräftigte im Mobilitätsausschuss, das gerade im Norden die Perspektive für ein "schienengebundenes Verkehrsmittel" gegeben sei: "Der Bedarf ist vorhanden." Auch aus seiner Sicht sei es "absolut sinnvoll", Stationen in der Landeshauptstadt mit einzubinden. In einer ersten Machbarkeitsstudie hatte der Lehrstuhl für Raumentwicklung der Technischen Universität München im vergangenen Jahr ermittelt, dass Pendler mit einer Straßenbahn in nur neun Minuten die Strecke vom Business-Campus in Unterschleißheim zur Oberschleißheimer tierärztlichen Fakultät zurücklegen könnten.

Eine Zeitspanne, von der die Menschen im Norden heute nur träumen können: Mehr als 30 Minuten müssen Pendler für die etwa 3,5 Kilometer einplanen, samt Fußmarsch, einer kurzen S-Bahnfahrt und vier Minuten im Bus 292. Das könnte sich ändern. Mit dem Expressbus.