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Oberschleißheim:Integration mit Hindernissen

Die meisten der 170 Geflüchteten leben in den Holzhäusern nordwestlich des Schlossparks.

(Foto: privat)

Oberschleißheimer Asyl-Helferkreis fürchtet angesichts der Kontaktbeschränkungen um den Erfolg seiner Arbeit

Von Sabine Wejsada, Oberschleißheim

Es hätte ein großes Sommerfest werden sollen zum fünfjährigen Bestehen des Oberschleißheimer Helferkreises. Doch wegen der Corona-Krise muss die für den 20. Juni geplante fröhliche Zusammenkunft ausfallen; sie soll aber 2021 nachgeholt werden. Wie erfolgreich das Engagement für Flüchtlinge gewesen ist, das haben die Oberschleißheimer in einem Papier zusammengefasst. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Knapp hundert Ehrenamtliche haben in der Anfangszeit den Geflüchteten in vielen Bereichen Beistand geleistet. Aktuell sind noch 30 Frauen und Männer beim Helferkreis Asyl aktiv: Sie sind Ansprechpartner für Alltagsprobleme, helfen beim Deutschlernen oder bei Hausaufgaben und unterstützen bei Behördengängen. Seit dem Corona-Lockdown gestaltet sich das allerdings schwierig, wie es in dem Bericht der Gruppe heißt.

Wer das Schleißheimer Schloss besucht, dem sind die sieben Holzständerbauten am nordwestlichen Ende der Parkanlage nicht neu: Seit Mai 2018 leben in diesen Häusern des Landkreises München fast alle der 170 Geflüchteten, die in Oberschleißheim untergekommen sind, darunter 40 Kinder. Viele Bewohner stammen aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und anderen arabischen Ländern. Weitere kommen aus afrikanischen Ländern wie Eritrea oder gehören Minderheiten wie den Rohingya in Myanmar an.

Die meisten Bewohner sind sogenannte Fehlbeleger, welche als Asylsuchende längst anerkannt worden sind oder ein Bleiberecht in Deutschland haben. Viele arbeiten unter anderem in der Gastronomie, Gebäudereinigung und Logistik. Weil sie auf dem überhitzten Mietmarkt keine erschwingliche Wohnung finden, müssen sie nicht aus der Oberschleißheimer Flüchtlingsunterkunft ausziehen, wie vom Gesetzgeber gefordert.

Die ersten Asylbewerber wurden 2014 in der Jugendbegegnungsstätte am Tower untergebracht und dort von ehrenamtlichen Helferinnen unterstützt. Im Januar 2015 haben 30 Bürgerinnen und Bürger aus unterschiedlichen Berufen und allen Altersgruppen den Helferkreis Asyl gegründet, die katholische und evangelische Pfarrgemeinde Oberschleißheim sowie die Caritas traten hier als Paten auf. Die Koordination des Kreises übernahmen Peter Lemmen und Joachim Dähler.

Zu Beginn seien die Aufgaben kaum überschaubar gewesen, berichtet der Helferkreis: So bauten die Ehrenamtlichen unter anderem eine Kleiderkammer auf, erstellten Konzepte für den Sprachunterricht, organisierten die Beschaffung und Reparatur von Fahrrädern und entwickelte vielfältige Integrationsmaßnahmen, die das Einleben in die neue Umgebung erleichterten.

Mit Beginn des Lockdowns am 16. März untersagte das Landratsamt den Helfern Besuche in der von der Kreisbehörde verantworteten Flüchtlingsunterkunft. Das Verbot ist bis heute nicht aufgehoben, die Helferinnen und Helfer halten den Kontakt mit den Geflüchteten per Handy und Whatsapp. Über diese Kanäle erfolgen auch Hausaufgabenbetreuung und Sprachkurse. Obwohl die Flüchtlingsunterkunft seit Kurzem Wlan habe, stoße das Home-Schooling an seine Grenzen, weil viele junge Bewohner die Aufgaben ausschließlich mit dem Handy bearbeiten können und keinen Zugang zu Computern und Drucker des Helferkreises haben. Auch die räumliche Enge macht das Lernen sehr schwer. Der Helferkreis fürchtet nach eigenen Worten um bisherige Lern- und Integrationserfolge, wenn die Kontaktsperren noch länger anhalten.

© SZ vom 16.06.2020

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