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München:Polizei stürmt Wohnung von Imam

Er gilt als einer, der öffentlich Stellung gegen den Terror bezieht: Nun sitzt der Prediger einer Münchner Moschee in Untersuchungshaft. Er soll eine der drei Frauen, mit denen er zusammenlebt, krankenhausreif geschlagen haben.

Als "schillernde Figur" ist er beschrieben worden, als ein Imam, der zwar konservativ denkt, aber öffentlich gegen den Terror Stellung bezieht und gewaltbereite deutsche Konvertiten zur Gewaltlosigkeit bekehrt. Nun sitzt der Münchner Prediger Abu A. in Untersuchungshaft. Er soll eine der drei Frauen, mit denen er zusammenlebt, krankenhausreif geschlagen haben.

Die 31-Jährige sei von der Polizei aus der Wohnung im Osten der Stadt befreit worden, berichtet der Bayerische Rundfunk. Polizeisprecher Wolfgang Wenger bestätigte der SZ am Dienstagabend, dass gegen Abu A. ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung laufe. Der Haftbefehl sei wegen Verdunklungsgefahr erlassen worden. Die Polizei will so sicherstellen, dass A. die anderen Frauen, die möglicherweise Zeuginnen waren, nicht beeinflusst.

Der BR berichtet, dass der 40-jährige Prediger der Darul-Quran-Moschee in der Isarvorstadt bereits seit einer Woche in Untersuchungshaft sitzt. Seine Frau stamme aus Syrien, spreche kein Deutsch. Sie soll sich nach der Attacke an einen Arabisch sprechenden Anwalt gewandt haben, der die Polizei verständigte. Als die Beamten vor der Tür standen, habe A. sie nicht eingelassen mit der Begründung, dass es die Behörden nichts angehe, was er mit seiner Frau tue. Da die Polizei um deren Leben fürchten musste, traten die Beamten die Tür ein.

Die Frau, deren Körper blaue Flecken aufwies, wurde in eine Klinik gebracht. Dort stellten die Ärzte mehrere Knochenbrüche fest. Die Vernehmung der Familienmitglieder dauert an. Abu A. , Sohn eines Palästinensers und einer ägyptischen Mutter, ist vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Die Moschee, in der Abu A. predigt, wird auch von Konvertiten gern besucht. 2007 zog die Gemeinde von der Dachauer Straße um in ein ehemaliges Möbellager in der Ruppertstraße, nahe dem Kreisverwaltungsreferat.

Abu A. galt in der Stadtverwaltung bislang zwar als reaktionär, aber als Imam, mit dem man sprechen kann. Erst vor kurzem hatte er an einer städtischen Fortbildung für Imame teilgenommen. Der bayerische Verfassungsschutz stuft A. als extremistisch ein. Der Vater von zehn Kindern wird den Salafiten zugeordnet, einer vom saudi-arabischen Wahabismus geprägten islamischen Bewegung, die im aktuellen Verfassungsschutzbericht unter der Rubrik Islamismus aufgelistet wird.

Die Darul-Quran-Moschee, in der A. predigt, wurde von der Polizei im Januar 2010 im Rahmen einer bundesweiten Razzia durchsucht. Dabei fanden die Beamten 30 Exemplare eines Buches, das wegen seines gewaltverherrlichenden Inhalts in Deutschland verboten ist. "Frauen im Schutz des Islam" heißt es. Als eine "Stufe der Züchtigung" wird darin das Schlagen gerechtfertigt, allerdings solle der Mann vermeiden "zu verletzen, Knochen zu brechen". Das Buch, so hatte A. der New York Times gesagt, habe er nur gelesen, um gegen radikale Muslime argumentieren zu können.