Kallmann-Museum:Die Modernisierung muss warten

Kallmann-Museum in Ismaning, 2020

Muss dringend saniert werden: das in die Jahre gekommene Kallmann-Museum im Ismaninger Schlosspark.

(Foto: Catherina Hess)

Der Ismaninger Gemeinderat ist sich einig darüber, dass das Kallmann-Museum einer Ertüchtigung bedarf. Die Übernahme der Kosten und der Zeitpunkt der Maßnahmen sind wegen der noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der Pandemie dagegen umstritten.

Von Sabine Wejsada

In einem waren sich alle einig: Das Kallmann-Museum ist "das Herz Ismanings". So sieht es Johanna Hagn, die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Gemeinderat, und so sehen es all ihre Kollegen im Gremium. Dass das idyllisch im Schlosspark gelegene Haus, längst weit über die Landkreisgrenzen bekannt für seine ausgewählten zeitgenössischen Ausstellungen, dringend modernisiert und ertüchtigt werden muss, ist ebenfalls unumstritten.

Was aber den Zeitpunkt und vor allem die Übernahme der Kosten in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro durch die Kommune angeht, darüber gingen in der Sitzung am Donnerstagabend die Meinungen auseinander.

Nach intensiver Debatte kamen die Lokalpolitiker schließlich überein, dass sich Ismaning grundsätzlich dazu bereit erklären soll, Geld zu investieren. Auf Empfehlung von Bruno Rimmelspacher (SPD) jedoch wurde der Vorschlag der Verwaltung dahingehend abgeändert, dass im laufenden Jahr zwar noch eine Summe für die Planungskosten freigegeben werden soll, über den Rest der Summe aber will der Gemeinderat erst bei den Haushaltsberatungen entscheiden, die Ende November beginnen.

Annette Ganssmüller-Maluche forderte ein klares "Ja"

Bis auf Annette Ganssmüller-Maluche (SPD) stimmten alle für diesen Kompromiss. Ihrer Meinung nach hätte das Gremium ein klares "Ja" senden müssen und "nicht halbherzig" entscheiden dürfen. Das Kallmann-Museum sei das "Glanzlicht" am Ort, das ganze Geld nun nicht freizugeben, stehe der Kommune nicht gut zu Gesicht, sagte Ganssmüller-Maluche.

Es waren vor allem die noch nicht absehbaren wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Kommune, die während der Diskussion ins Feld geführt wurden. So plädierte etwa Irene Holler, Sprecherin der Grünen-Fraktion, für eine Verschiebung der Freigabe des Geldes ins nächste Jahr. "Wir stehen vor dem zweiten Lockdown, keiner weiß, wie wir in Zukunft finanziell dastehen werden."

Darüber hinaus warb sie dafür, beim Museumsumbau "verschiedene Fördertöpfe anzuzapfen". Immerhin gehe es bei der Ertüchtigung des Hauses um Fragen der Dämmung und Verschattung. Auf diese Weise würde dann der Betrag, den die Gemeinde Ismaning für das Projekt zuschießen müsse, verringert. Ähnlich äußerten sich Raphael Karlisch von der FDP und CSU-Fraktionschef Peter Aurnhammer. Man müsse zunächst einmal einen genaueren Blick "auf unsere Finanzen abwarten".

Zuvor hatte schon Hagn die Verwaltung darum gebeten, das Wörtchen "grundsätzlich" in die Beschlussvorlage einzufügen, und Rimmelspacher war es dann, der die Idee zum Kompromiss beisteuerte, der eine Mehrheit fand, den schließlich auch die Freien Wähler mittrugen. Auch wenn Rudi Essigkrug angemahnt hatte, "dass die Kallmann-Stiftung doch Planungssicherheit braucht".

Michael Sedlmair bekalgte, es treffe immer zuerst die Kultur

Was Altbürgermeister Michael Sedlmair, der Vorsitzender des Stiftungsrats ist, dem Gemeinderat bestätigte und davor warnte, dass sich der Umbau des Museums dann um ein Jahr verschieben könnte. "Immer wenn's schwierig wird, ist die Kultur das Erste, bei dem gestrichen wird", beklagte Sedlmair und verwies auf den neuen Lockdown, der vor allem Künstler und Kulturschaffende in die Bredouille bringt.

Ganz so wollten es die Ismaninger Lokalpolitiker aber nicht stehen lassen. "Das ist keine Entscheidung gegen die Kultur", sagte Grünen-Sprecher Georg Everwand, - man wolle nur Zeit gewinnen, um Zuschüsse zu bekommen, ergänzte seine Kollegin Silke Levermann. Bürgermeister Alexander Greulich (SPD) war das Erstaunen über die Entscheidung des Gremiums durchaus anzumerken. Dennoch stimmte er am Ende zu.

Museumsleiter Rasmus Kleine ist die Enttäuschung über die Entscheidung am Folgetag anzuhören. "Das nimmt uns schon ein wenig den Wind aus den Segeln", sagt er. Das kommende Jahr wäre aus seiner Sicht ein idealer Zeitpunkt für einen Umbau, da der Museumsbetrieb durch die Pandemie wohl sowieso eingeschränkt wäre. Entmutigen lässt er sich durch die Aussicht auf eine mögliche Verzögerung aber nicht. "Ich freue mich weiterhin sehr auf das Projekt", betont Kleine.

© SZ vom 31.10.2020
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