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SZ-Serie: Das Fest der Dinge:Bocksprünge am Grill

Die Weihnachtsbude auf den Märkten gehört zum Advent dazu wie Lebkuchen und Glühwein. In Garching macht diesmal ein besonderer Betreiber beim Christkindlmarkt mit, Schäfer Hermann Stadler, dessen Herde viele von Spaziergängen in der Fröttmaninger Heide kennen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Mit seinen 26 Buden ist der Garchinger Christkindlmarkt ein kleines Dorf in der Stadt. Schäfer Hermann Stadler braucht Komfort wie den Stromanschluss, um seine Lammbratwurst an den Mann zu bringen.

Jeder Handgriff sitzt. Hermann Stadler packt das Lämmchen an den Vorderbeinen und stellt es auf dem frisch ausgebrachten Stroh ab. Erst schaut es etwas verdutzt, dann schreit das Junge nach seiner Mama. Die lässt nicht auf sich warten, steigt aus dem Anhänger und kümmert sich um ihr Kleines. Die anderen Mutterschafe mit ihrer Kinderschar trotten hinterher, so wie der Schäfer das gewollt hat.

Stadler betreibt zwei Buden beim Garchinger Christkindlmarkt. Der Schäfer von der Fröttmaninger Heide verkauft dort Schaffelle und Lammbratwürstel. "Das ist ja traurig", bemerkt eine Passantin mit Blick auf die umherspringenden Lämmchen. Hier die pure Lebensfreude und daneben die schmackige Wurst. "Das ist das Leben," sagt Kulturreferent Thomas Gotterbarm, der den Auftrieb beobachtet hat.

Im Bürgerhaus wird Geschirr gespült

Überall rührt sich was. Die Betreiber der Buden dekorieren, schließen Töpfe an, suchen nach einer Wasserstelle. 26 Buden hätten die Mitarbeiter des Bauhofs aufgebaut, sagt Monika Müller, die im Kulturamt für die Märkte zuständig ist - oder wie Gotterbarm es formuliert, "sie ist die Wächterin der Buden". Und wirklich kann sie eine Menge erzählen.

Die Stadt Garching hat etwa 30 neue und 30 alte Buden, beide stehen beim Christkindlmarkt bunt durcheinander gewürfelt. Die alten haben schon 48 Bürgerwochen mitgemacht, die neuen gibt es erst seit ein bis drei Jahren, sie wurden sukzessive angeschafft. Kurz wird Müller zu einem der Betreiber gerufen, er sucht einen Stecker. Der Strom auf dem Markt kommt von vier Stromkästen. Die Elektriker der Stadt haben von dort aus dezentrale Stromkoffer bestückt und die Betreiber müssen ihre eigenen Kabel für den Anschluss mitbringen. Der Schäfer hätte gerne etwas Wasser für seine Tiere, er kann es im Bürgerhaus holen, wo auch die zentrale Spülstelle ist für das Mehrweggeschirr ist.

Müller zeigt auf zwei gegenüberliegende Buden, eine alte, eine neu. Die alte steht direkt am Boden. Es liegt zwar ein Holzboden drin, "aber von unten kommt die Kälte hoch", sagt Müller. Die neuen Buden dagegen stehen auf einem Stahlgerüst über dem Boden, "sie haben unten ein Luftpolster".

Allerdings sind die neuen Stände aufwendiger beim Aufbau, weil sie ganz plan stehen müssen, auch der Transport ist schwieriger. Die Klappbuden sind in Hochbrück gelagert. Von dort aus können immer nur vier gleichzeitig zum Markt transportiert werden. Acht Leute vom Bauhof waren mit der Abholung und dem Aufbau beschäftigt. Kulturreferent Gotterbarm hat ausgerechnet, dass nur für den Transport zwölf Mannstunden berechnet werden müssten.

Gewerbliche Betreiber müssen zahlen

Die Zahlen hatte er jüngst in der Debatte im Stadtrat parat, als es um die Miete für die Buden ging. Die Stadträte einigten sich darauf, dass Vereine als Budenbetreiber bei städtischen Veranstaltungen keine Miete mehr zahlen müssen. Anders sieht es bei gewerblichen Budenbetreibern aus. Sie müssen etwas zahlen, "je nach Marktlage", sagt der Kulturreferent, feste Sätze gibt es also nicht.

Hermann Stadler, vorgefahren mit einem Auto mit dem Landshuter Kennzeichen LA-MM, hat inzwischen seine Tiere versorgt. Seine Mitarbeiter richten die Buden her. Yvonne Hofknecht hat die Schaffelle geschichtet, kleine links, große rechts, in der Mitte die braunen. "Das waren alles unsere Mädels", sagt sie und tätschelt ein Fell. Vier der Mädels stehen nebenan auf dem Stroh, samt ihrer Zwillinge. Sie sind sozusagen lebendige Anschauungsstücke. Stadler schätzt seine Schafherde auf etwa 1700 Tiere, er gehört damit zu den größten Schäfern in Bayern. Sein Geld, so sagt er, verdiene er hauptsächlich mit der Landschaftspflege in der Fröttmaninger Heide. Von April bis Oktober ist eine der Herden dort - die andere bei Ulm - und beweidet beide Teile der Heide, die von der Autobahn zerschnitten wird.

Auch etwa 50 Ziegen gehören dazu, sie helfen, die Verbuschung zu vermeiden. Von der Heide aus gehen die Tiere auf die Herbstweide nach Ismaning, danach beginnt die Wanderschaft durch andere Landkreise. Mit der Wolle lasse sich kaum noch etwas verdienen und beim Lammfleisch habe es einen Einbruch um 30 Prozent bei den Preisen gegeben. "Die Großvermarkter kaufen im Ausland und drücken damit unsere Preise", sagt Stadler. Die Bude, in der die Lammbratwurst auf den Gasgrill kommt, ist schon geschmückt. Die Wurst macht er mit einem Metzger aus Zorneding. Anfangs war sie nur für den Eigenverbrauch, aber die Nachfrage war groß, deswegen verkauft er sie nun auch auf Märkten. Wie schön, dass die Bocksprünge vollführenden Lämmchen davon nichts wissen.

Der Garchinger Christkindlmarkt am Bürgerplatz ist am Samstag von 13 bis 21 Uhr und am Sonntag von 13 bis 20 Uhr geöffnet.