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Garching:Großreinemachen in Hochbrück

RM-Recycling in Garching Hochbrück, 2018

Schweres Gerät: Wo bislang Bagger vor allem zur Entsorgung eingesetzt werden, entsteht schon bald eine riesige Baustelle. Die Recycling-Anlage in Hochbrück soll nach der Modernisierung in neuem Glanz erstrahlen.

(Foto: Florian Peljak)

Der neue Betreiber hat umfangreiche Pläne für die in der Vergangenheit umstrittene Recycling-Anlage. Diese soll modernisiert und erweitert werden. Auf dem Areal könnten auch Mitarbeiterwohnungen entstehen.

Von Irmengard Gnau, Garching

Die in den vergangenen Jahren oftmals umstrittene Recyling-Anlage an der Ingolstädter Landstraße in Hochbrück soll rundum modernisiert werden. Das hat die Firma RM Recycling München angekündigt, welche die Anlage 2017 übernommen hat und seither unter dem Namen "Die Umweltmeister" betreibt.

Das Gelände am nördlichen Rand des Gewerbegebiets von Hochbrück soll komplett überplant und erweitert, die bestehenden Anlagen durch neue auf dem aktuellen Stand der Technik ersetzt werden. Zudem plant das Unternehmen, seine Bürozentrale nach Garching zu verlegen - in ein neues Bürogebäude für etwa 150 Mitarbeiter. Geprüft werden weiterhin die Errichtung von Mitarbeiterwohnungen sowie ein Biomasseheizkraftwerk.

Es gab mehrere Brände auf dem Areal

In der Vergangenheit war die Anlage immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. Es gab mehrere Brände auf dem Gelände, zudem den Vorwurf nicht genehmigter Entsorgungen. Nach der Übernahme des Betriebs 2017 habe man zunächst einmal Aufräumarbeit leisten müssen, sagt Umweltmeister-Geschäftsführer Martin Görner. Seit Ende 2019 führe man in Hochbrück einen Betrieb, der allen Richtlinien entspreche.

Emissionsmessungen von Mai 2019 bis Mai 2020 hätten ergeben, dass alle Grenzwerte hinsichtlich der Staubentwicklung eingehalten würden, erklärt Ulfried Oberth, Leiter Umweltmanagement. Auch mehrere Geruchsbegehungen im Jahr 2019 hätten keine Auffälligkeiten mehr ergeben. Zudem habe man etwa beschlossen, kein Grüngut mehr in Hochbrück aufzubereiten, was erfahrungsgemäß mit Geruchsbelästigung einhergeht.

Ein Großbrand kurz vor dem Jahreswechsel 2019/2020, ausgelöst vermutlich durch einen defekten Akku, legte einen Großteil des Betriebs jedoch mehrere Monate lahm. Zwei von vier Anlagen wurden dabei komplett zerstört. Die Holzanlage sowie die Bauschuttaufbereitungsanlage wurden zum April 2020 wieder in Betrieb genommen; der Großbrand habe jedoch ohnehin geplante Änderungen beschleunigt, sagt Görner. Das Gelände soll nun neu überplant und mit modernen Anlagen bestückt werden, die Emissionen weitgehend vermeiden. Der Fokus soll künftig auf der Aufbereitung von Bauschutt- und Altholz sowie Gewerbeabfall liegen.

Zudem will sich der Betrieb erweitern und eine etwa acht Hektar große Fläche östlich des bisherigen Recyclinghofs und nördlich des BMW-Auslieferungsplatzes als Zwischenlager nutzen. Dort ist auch ein Bahnanschluss geplant; die Genehmigung dafür besteht bereits, der Vorgängerbetreiber hatte den Anschluss jedoch noch nicht installiert. Weiter spielen die Betreiber mit dem Gedanken, ein Biomasseheizkraftwerk auf ihrem Gelände zu errichten.

Dieses könnte mit Holz betrieben werden. Aktuell lasse man die Idee durch eine Machbarkeitsstudie prüfen, sagt Görner. Mitte des Jahres, so hofft er, werde es erste Ergebnisse dazu geben. Ob ein solches Heizkraftwerk möglich und rentabel ist, dürfte freilich von vielen Faktoren abhängen, nicht zuletzt von der Frage, ob es Abnehmer für die Wärme gibt.

Neben den betrieblichen Anlagen planen die Gesellschafter von RM Recycling - die Geiger Unternehmensgruppe, Durmin Entsorgung und Logistik sowie die zum Remondis-Konzern gehörende Alfa Rohstoffhandel München GmbH - einen Bürokomplex für etwa 150 Mitarbeiter, der zur Zentrale für die Umweltmeister-Mitarbeiter der Region werden könnte. Auch Mitarbeiterunterkünfte auf dem Gelände sind im Gespräch. Die in Hochbrück seit Jahren stehenden Wohncontainer hat das Unternehmen im Herbst 2020 abgebaut, bestätigt das Landratsamt.

Ab und an rieche es noch

Das Aktionsbündnis Lohhof Süd, das in der Vergangenheit immer wieder Geruchsemissionen und Verfehlungen an der Anlage angeprangert hat, bewertet die jüngsten Entwicklungen in Hochbrück positiv. "Ab und an riecht es noch, aber es stinkt nicht mehr!", heißt es in einer Bilanz auf der Facebookseite des Bündnisses vom November 2020.

Für die Initiative ist dieser Erfolg allerdings kein Grund, sich zurückzulehnen. Man werde die Entwicklungspläne der Betreiber weiter mit Argusaugen beobachten, erklärt Andreas Erbenich, stellvertretender Vorsitzender von "Lohhof Süd". Seine Kollegen und er hätten sich vorgenommen, wegen ihrer Zukunftspläne auf das Bündnis zuzugehen, erwidert RM-Geschäftsführer Görner.

An die Stadträte in Garching und im benachbarten Unterschleißheim ist RM Recycling mit seinem Vorhaben bereits herangetreten. Ein offizieller Bauantrag des Unternehmens wäre der nächste logische Schritt. In Garching dürfte die Stimmung gegenüber den Modernisierungsplänen grundsätzlich positiv sein, nach den schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit. Die neuen Betreiber zeigten sich bemüht, das aufgrund der Großbrände verlorene Vertrauen durch mehr Transparenz wieder zurückzugewinnen, so Bürgermeister Dietmar Gruchmann (SPD).

© SZ vom 16.01.2021
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