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SZ-Adventskalender:Ein Zuhause auf Zeit

Kümmern sich um die Kinder und Jugendlichen im Heim: Jessica Schulze, Achim Weiss und Veronika Meier (von links).

(Foto: Claus Schunk)

Im Heim der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe in Feldkirchen wohnen 18 Mädchen und Buben. Sie sollen mithilfe von Betreuern wieder Vertrauen fassen und irgendwann in ihre Familien zurückkehren.

Durch die hohen Fenster flutet Sonnenlicht den Raum. Die Glasscheiben sind bereits liebevoll geschmückt mit glitzernder Weihnachtsdekoration. Hinter einer gemütlichen Sofaecke reihen sich in einem Regal unzählige Bücher aneinander, daneben stapeln sich Brettspiele. An einem Tisch sitzen zwei Mädchen und ein Bub, konzentriert über ihre Hausaufgaben gebeugt. Es ist Mittagszeit, gerade kommen die Kinder aus der Schule. Mit bunten Ranzen auf dem Rücken stürmen sie durch das alte Treppenhaus der Evangelischen Kinder- und Jugendhilfe in Feldkirchen.

Bereits im Jahr 1853 gegründet, ist sie "mit Abstand die älteste Einrichtung ihrer Art", wie Leiter Achim Weiss erzählt. Seit 1938 ist die Kinder- und Jugendhilfe unter Trägerschaft der Inneren Mission München. In all den Jahren hat sich viel verändert: "Wir haben unser Angebot stark ausdifferenziert", sagt Weiss. Die Einrichtung sei mittlerweile kein reines Kinderheim mehr, zusätzlich zu den Heilpädagogischen Wohngruppen und der Schutzstelle in Feldkirchen betreibe man unter anderem auch ambulante Erziehungshilfen oder Betreutes Wohnen für Jugendliche.

"Die meisten Kinder sind bindungsgestört."

In zwei Wohngruppen - bei den "Germanen" und im "Leuchtturm" - leben im Feldkirchner Stammhaus derzeit insgesamt 18 Kinder und Jugendliche. Die jüngsten sind gerade in die Grundschule gekommen, die ältesten vor Kurzem volljährig geworden. Dass sie im Heim und nicht bei ihren Eltern wohnen, hat verschiedene Gründe, wie Sozialpädagogin Jessica Schulze sagt, die seit einem Jahr bei der Kinder- und Jugendhilfe arbeitet. "Meistens gibt es in der Herkunftsfamilie Konflikte zwischen Eltern und Kindern", erzählt die 24-Jährige. Das könnten beispielsweise Alkoholismus oder psychische Erkrankungen der Eltern sein. "Die meisten der Kinder sind bindungsgestört. Sie haben nie gelernt, Vertrauen aufzubauen", so Schulze. Hinzu kämen häufig Entwicklungsstörungen, sprachliche Probleme oder Schwierigkeiten in der Schule.

Schulze und ihre Kollegen möchten in den Wohngruppen des Heimes gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen an all diesen Problemen arbeiten. Unterstützung bekommen sie dabei unter anderem von einrichtungsinternen Fachkräften, die beispielsweise psychologisch weitergebildet sind. Auch eine Familientherapeutin führt regelmäßig Gespräche mit den Bewohnern des Heimes. Bei Bedarf können zusätzlich externe Therapeuten besucht werden.

Die Sozialpädagogen legen bei ihrer Arbeit in den Wohngruppen vor allem Wert auf einen strukturierten Tagesablauf: Es gibt feste Hausaufgaben- und Freizeiten, ein gemeinsames Mittag- und Abendessen sowie kleine Rituale beim Schlafengehen, wie Gute-Nacht-Geschichten oder Gespräche. Das Personal bleibt über Nacht, "damit die gleiche Person die Kinder abends ins Bett bringt und morgens wieder aufweckt", sagt Schulze. "Es ist wichtig, dass sie das Gefühl haben, man ist für sie da." Die Sozialpädagogin betont gleichzeitig: "Wir wollen kein Ersatz für die Eltern sein." Man sei daran interessiert, deren Erziehungsfähigkeit zu stärken und ihnen Rat zu bieten.

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Ziel ist es, dass die Kinder wieder zurück zu ihren Familien kommen

Die Kinder- und Jugendhilfe arbeitet daher eng mit den Eltern zusammen. Viele Bewohner des Kinderheims telefonieren häufig mit ihren Familien oder fahren an den Wochenenden und in den Ferien regelmäßig nach Hause. Die Eltern haben zudem die Möglichkeit, ihr Kind beispielsweise zu Terminen zu begleiten oder ihm bei den Hausaufgaben zu helfen. Denn das Ziel ist es letztendlich, dass die Kinder und Jugendlichen irgendwann einmal wieder zurück zu ihren Familien kommen können.

Diesen Wunsch teilt auch ein 13-jähriges Mädchen, das bereits seit einiger Zeit im Kinderheim lebt. Sie freut sich auf die Heimkehr zu ihren Eltern, die schon in wenigen Wochen ansteht. Während ihrer Zeit im Heim hat sie viele schöne Erfahrungen gemacht: "Es ist wie eine Familie hier." Ähnlich empfindet eine 16-Jährige das Leben in der Kinder- und Jugendhilfe. "Ich mag es gern, hier zu wohnen", erzählt das Mädchen. Bei seinem Einzug in das Heim vor circa drei Jahren hatte es allerdings zunächst gemischte Gefühle. "Es sah aus wie ein kleines Schloss wegen der hohen Wände", erinnert es sich. "Ich war damals noch sehr schüchtern und bin nicht auf andere zugegangen. Mein Betreuer hat mich aber immer gefragt, ob alles in Ordnung ist, und ich habe mich schnell eingelebt."

Auch die vielen Freizeitmöglichkeiten tragen dazu bei, dass sich die Bewohner des Kinderheimes wohlfühlen. "Ich habe vorher noch nie einen so großen Garten gesehen", sagt etwa ein elfjähriger Bub - besonders angetan ist er von der Kletterburg, auf der die Kinder spielen können. Darüber hinaus organisieren die Betreuer regelmäßig Aktivitäten, beispielsweise einen Wettbewerb der beiden Wohngruppen, bei dem die Kinder und Jugendlichen in mehreren Spielen gegeneinander antreten. Der Sieger bekommt einen Pokal, "die Germanen haben ihn gerade zum ersten Mal überhaupt gewonnen", erzählt eine Jugendliche stolz. An den Wochenenden oder in den Ferien machen die Betreuer mit den Kindern und Jugendlichen zudem häufig Ausflüge - zuletzt für einige Tage nach Kroatien. "Es gefällt mir an meinem Beruf am meisten, mit den Kindern Spaß zu haben", sagt Sozialpädagogin Schulze.

Auch in Zukunft möchte Leiter Achim Weiss mit seinem Team in der Kinder- und Jugendhilfe alles unternehmen, um den Bewohnern ein gutes Leben im Heim zu ermöglichen. Die Spenden aus dem SZ-Adventskalender sollen dabei helfen. Weiss kann sich vorstellen, das Geld in die Freizeit der Kinder oder in erlebnispädagogische Projekte zu investieren. Auch einzelne Kinder oder Jugendliche können damit unterstützt werden - die Spenden können zum Beispiel besondere Therapien finanzieren, "die nicht im Budget enthalten sind", sagt Weiss. "Es gibt immer wieder Fälle, für die wir die Mittel nicht haben. Wir sind daher immer froh über Reserven."