bedeckt München

Umweltschutz:Mit Hund und Laptop durchs Unterholz

Vertragsnaturschutz im Wald, Kirchheim, am Abfanggraben

Auch wenn die Ausrüstung von Försterin Julia Borasch immer moderner wird, Hund Django ist noch immer durch nichts zu ersetzen.

(Foto: Florian Peljak)

Julia Borasch trägt als Revierförsterin seit diesem Jahr Sorge für 2700 Hektar Wald im Norden und Osten des Landkreises München.

Von Irmengard Gnau, Aschheim

Wenn in diesen Tagen die Herbstsonne noch einmal ihre Strahlen durch die letzten verfärbten Blätter der Bäume schickt, zieht es viele Spaziergänger unweigerlich in die Wälder. Für Julia Borasch sind Baumkronen und Buschwerk tägliche Arbeitsumgebung:

Seit dem Frühjahr ist die 40-Jährige als Revierleiterin für das Wohlergehen der Wälder von zwölf Kommunen und knapp 1000 Privatbesitzern im Norden und Osten des Landkreises zuständig. Boraschs Revier, das Forstrevier Aschheim, erstreckt sich auf einer Fläche von rund 50 000 Hektar von Unterschleißheim über Ismaning, Unterföhring und Haar bis nach Putzbrunn und Neubiberg; etwa ein Zehntel davon ist mit Wald bedeckt, 2700 Hektar fallen unter Boraschs Beobachtung.

Wie vielfältig die Arbeit zwischen den Bäumen sein kann, hat Borasch in den vergangenen Monaten zu schätzen gelernt. "Ich habe bislang gar nicht gewusst, was ich verpasse", sagt sie mit einem Augenzwinkern. Obgleich sie schon seit elf Jahren geprüfte Försterin ist, war sie bislang vor allem im Innendienst tätig, zunächst bei der staatlichen Forschungsbehörde, dann beim Landwirtschaftsministerium. Als sie hörte, dass ihr Vorgänger Michael Matuschek das Revier verlassen und in ein anderes wechseln würde, nutzte Borasch die Chance und bewarb sich. Seit März ist sie im Forstbüro in Aschheim anzutreffen - oder, noch häufiger, in den Wäldern im Landkreis.

"Der Wald hat mich immer berührt."

Im Freien war Julia Borasch immer schon gern. Aufgewachsen in Riemerling, am Rande Hohenbrunns, lag der Wald gleich hinter dem Haus; auf Bäume zu klettern gehörte zu ihren liebsten Kinderspielen. Als um die Jahrtausendwende mehrere Orkane durch Mitteleuropa ziehen und auch in Riemerling Bäume umreißen, beeindruckt das Borasch nachhaltig. Sie entscheidet, nach dem Abitur an der Fachhochschule in Weihenstephan Forstwirtschaft zu studieren. "Der Wald hat mich immer berührt", sagt sie. "An unserem Beruf faszinieren mich die technische Komponente ebenso wie die Naturkomponente, und das bis heute."

Die Forsten im nördlichen und östlichen Landkreis bieten eine große Vielfalt. Von den Fichtendominierten Wäldern im Südosten bis hin zu den Isarauen mit ihren Edellaubwäldern finden sich unterschiedliche Bedingungen auf der Münchner Schotterebene. Zu Boraschs Kerngeschäft als Revierleiterin zählt denn auch die Beratung der Waldbesitzer. Welche Baumarten eignen sich für welche Standorte am besten? Wie lassen sich Schädlinge wie der Borkenkäfer oder der Asiatische Laubholzbockkäfer wirksam bekämpfen?

In den Wäldern ist der Klimawandel nicht zu leugnen. Besonders die zunehmende Trockenheit macht den Bäumen zu schaffen, schwächt und macht sie anfällig für Schädlinge. Welche Arten halten diese veränderten Bedingungen aus, welche sind Material für den "Zukunftswald"?

Diese Fragen beschäftigen Waldbesitzer wie Förster. Die eine Antwort dafür gibt es wohl nicht, das zeigt die Erfahrung der vergangenen Jahre. "Bestimmten Bäumen hätten wir mehr zugetraut", sagt Borasch, der Buche etwa oder der Esche, die seit Jahrhunderten in der Region wächst. Doch seit das Eschentriebsterben grassiert, empfiehlt sie Eschen nicht mehr zum Nachpflanzen. "Wir setzten jetzt mehr auf Risikostreuung", sagt sie. "Der gute alte Mischwald."

Außerdem gibt es vielversprechende Versuche mit neuen Baumsorten, der Blumenesche etwa. Auch Arten, die bislang vor allem in Nordosteuropa wachsen wie der Baumhasel, könnten künftig im Landkreis zum Einsatz kommen - aktuell experimentiert Borasch damit auf dem Waldstück eines Privatbesitzers in Waldtrudering. Es sei toll, schwärmt die Försterin, wenn Waldbesitzer offen seien für solche Versuche und ihre Freude an einem schönen Wald teilten.

Die nächsten Generationen will sie für den Wald begeistern

Neben den Waldbesitzern bemüht sich Borasch, auch die nächsten Generationen für den Wald zu begeistern. Mit Grundschulklassen veranstaltet sie regelmäßig Führungen. Wenn bereits in jungen Jahren ein Gefühl für Wald und Natur angelegt ist, bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen auch später respektvoll verhalten, sodass die Förster etwa nicht mehr so oft Müllablagerungen im Unterholz melden müssen.

Auch bei Erwachsenen muss Borasch mitunter aufklären. Gerade in der Zeit coronabedingt geschlossener Kulturhäuser und limitierter Kontakte beobachtet die Försterin, dass die Menschen im Landkreis mehr in die Wälder strömen - und einige leider auch oft fernab der Wege das Gelände erkunden. Das aber stört die Wildtiere, die sich dann zurückziehen, so Borasch. Auf diese Weise wird es schwierig für die Jäger, die mit ihrer Arbeit für das rechte Gleichgewicht zwischen Tieren und Pflanzen im Wald sorgen sollen.

Auch wenn ihr Arbeitsplatz so nah an der Natur liegt wie nur wenige, nutzen auch Borasch und ihre Kollegen heute moderne Technik. "Da hat sich wirklich viel getan in den letzten Jahren. In der Ausbildung zur Försterin habe ich noch gelernt, Flächen mit Kompass, Schnur und Fluchtstab zu bestimmen", erzählt sie.

Heute helfen GPS-Antennen beim Vermessen. Ihr "Toughbook", ein gegen Wind und Wetter geschütztes Notebook, hat Borasch auch im Unterholz dabei. Darauf kann sie auffällige Funde direkt in digitale Karten eintragen, Bodenbeschaffenheit und Niederschlagsmengen abgleichen. Nur ein Hilfsmittel der Förster hat sich über die Jahrzehnte nicht verändert: Hund Django begleitet Julia Borasch stets auf ihren Gängen durch den Wald. "Der Hund ist unverzichtbar in meinem Beruf", sagt sie. "Das wird sich auch nicht ändern."

© SZ vom 21.11.2020
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