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Kommunalwahl in Neubiberg:Quartett legt Karten auf den Tisch

Das Interesse war groß: Rund 400 Besucher hörten sich bei der Podiumsdiskussion in der Aula der Grundschule Neubiberg an, wie die Bürgermeisterkandidaten Elisabeth Gerner (SPD), Reiner Höcherl (Freie Wähler), Kilian Körner (Grüne) und Thomas Pardeller (CSU) die Fragen der Moderatoren meisterten.

(Foto: Claus Schunk)

Vier Bewerber um die Nachfolge von Bürgermeister Günter Heyland zeigen bei einer Podiumsdiskussion Differenzen beim Thema Frischluftschneise, Verkehr und Rathauserweiterung

Die Spannung im Bürgermeisterwahlkampf in Neubiberg steigt: Wird es der smarte, junge CSU-Kandidat Thomas Pardeller oder Kilian Körner von den Grünen, der schon ein zweites Mal sein Glück versucht? Oder machen Reiner Höcherl von den Freien Wählern, der Kronprinz des Amtsinhabers Günter Heyland (Freie Wähler), oder Quereinsteigerin Elisabeth Gerner von der SPD das Rennen?

Bei der Podiumsdiskussion in der Aula der Grundschule am Donnerstagabend machten sich etwa 400 Besucher - weitere 100 mussten mangels Platz wieder gehen - ein Bild davon, wer am 15. März als Rathauschef zur Wahl steht. Immerhin einige hoben die Hände, als SZ-Redaktionsleiter Lars Brunckhorst, der die Veranstaltung mit seinem Kollegen Martin Mühlfenzl moderierte, am Ende des Abends fragte, wer sich umentschieden habe.

Leicht machten es ihnen die Kandidaten bei der Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung, der Volkshochschule Südost und der lokalen Agenda 21 nicht, hatte doch jeder Themen, bei denen er punkten konnte. Oft waren sie sich grundsätzlich einig: Sie alle wollen etwa den öffentlichen Personennahverkehr verbessern und günstige Wohnungen schaffen. Einige Unterschiede taten sich aber auf.

Bei Rathauserweiterung und Frischluftschneise gehen die Meinungen auseinander. Gemeinsamkeiten gibt es bei der sozialgerechten Bodennutzung

Pardeller und Körner fanden sich zunächst in der Rolle wieder, sich nach dem Stopp der Rathauserweiterung rechtfertigen zu müssen. CSU und Grüne hatten das Projekt vor einer Weile auf Eis gelegt. Der Grünen-Kandidat machte deutlich, dass die Planung "nicht gestoppt" sei, sondern "nur verändert" werden solle, weil die bisherige sich mit etwa 26 Millionen Euro als zu teuer erwiesen habe.

Pardeller schlug vor, das Raumkonzept zu ändern, und verwies auf seine Idee, die Standorte zu entzerren, also in Unterbiberg auch ein Bürgerhaus zu schaffen. Höcherl forderte eine Kostenobergrenze. Gerner ging in die Offensive. Sie finde toll, was gesagt worden sei. "Aber warum ist das nicht schon vor fünf Jahren gekommen?" Sie plädierte dafür, dass sich alle noch einmal an einen Tisch setzen. Von einer Außenstelle in Unterbiberg hält sie nichts. Jede Neuplanung ergäbe "unübersehbare Kosten".

Bei der Frage, ob die Frischluftschneise im Hachinger Tal an der Grenze zu München frei bleiben soll oder eine maßvolle Bebauung sein darf, waren die Kandidaten unterschiedlicher Meinung. Höcherl und Pardeller können sich eine maßvolle Bebauung vorstellen. Die Gewerbesteuer komme von wenigen Firmen, die viel zahlten.

Die Funktion der Frischluftschneise erhalten wollen sie aber auch. Wenn Bebauung, müsste es ein "ökologisches Vorzeigeprojekt" sein, fand Pardeller. Auch Gerner war der Meinung, es sollte die Möglichkeit einer Entwicklung geben. Sie sah den Fokus aber beim Hochwasserschutz. Körner indes lehnte jegliche Bebauung ab, solange nicht die Klimagutachten, die die Stadt München in Auftrag gegeben hat, vorlägen. "Finger weg vom Grünzug und Finger weg von der Frischluftschneise", sagte er. Dafür gab es viel Applaus.

Als eine Unterbibergerin aus dem Publikum die Idee der Bürgerhausfiliale lobte, kam die Frage auf, wie Unterbiberg gestärkt werden könne. Pardeller war mit der Bürgerhaus-Idee, in dem sich auch bezahlbare Wohnungen für Feuerwehrler, ein Café und ein Jugendzentrum finden sollten, am konkretesten. Gerner schlug in dem Zusammenhang vor, günstigen Wohnraum im Rahmen einer Genossenschaft zu schaffen. Höcherl schlug vor, die unbebauten Grundstücke in Unterbiberg an der Lilienthalstraße im Sinne sozialgerechter Bodennutzung zu bebauen. Körner lobte die sozialgerechte Bodennutzung. "Den Antrag haben die Grünen 2015 eingebracht." Er wolle, dass beide Gemeindeteile gleichmäßig entwickelt würden.

Klotzen statt Kleckern. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs stellt große Herausforderungen

Beim Dauerthema S-Bahnschranke an der Hauptstraße, die immer wieder für Staus sorgt, gab es klare Präferenzen bei den Kandidaten. Pardeller favorisiert die Unterführung und versicherte, dass diese einem zweigleisigen Ausbau nicht entgegenstehe.

Höcherl und auch Gerner gefällt eine Troglösung besser, bei der man auch die beiden Übergänge in Ottobrunn einbeziehen würde. Körner forderte, dass der zweigleisige Ausbau schneller vorangehen müsse, ließ aber durchblicken, dass ihm auch der Trog mehr zusagen würde. Bei der Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs war Pardeller für Klotzen statt Kleckern. Man müsse "massiv investieren", sagte er und erwähnte die Verlängerung der U 5, eine Seilbahn und Tangentialverbindungen. Körner klang etwas dezenter: "Ob Seilbahn oder U-Bahn ist mir relativ egal, Hauptsache es wird besser."

Erneuerbare Energien und Baumpflanzaktionen - Neubiberg soll klimafreundlich sein

Körner forderte die klimaneutrale Gemeinde. "Wir müssen an erneuerbaren Energien so viel produzieren, wie wir verbrauchen." Er sprach von Windrädern und Geothermie und appellierte, dass alle Neubiberger mitmachen müssten. Pardeller pochte auch auf ein "Umdenken" und sprach von Baumpflanzaktionen und Solaranlagen auf jedem kommunalen Dach. Gerner will unter anderem Photovoltaik fördern, Höcherl setzt auf günstige Anschlüsse an die Geothermie. Als später aus dem Publikum eine Frage zum Breitbandausbau kam und Gerner dazu nur sagen konnte, dass sie schnelles Internet wichtig finde, brachte sie das nicht aus der Ruhe. Öfters am Abend zeigte sie, dass sie die Dinge mit Humor nehmen kann.

Was sie als Bürgermeister besser machen wollen als der jetzige Amtsinhaber, wussten alle vier genau. Körner setzt auf Transparenz und Offenheit und will die Bürger einbeziehen. Letzteres schreibt sich auch Gerner auf die Fahnen, er will vielleicht auch "Gemeinderatssitzungen streamen". Höcherl zählt auf Fraktionssprecherrunden, weil da ergebnisoffener diskutiert werde. Pardeller will, wenn ein Projekt ins Stocken gerät, dass sich alle zusammensetzen und die Dinge gemeinsam durchziehen. Amtsinhaber Heyland war bei der Diskussion nicht zu sehen. Er weilte im Skiurlaub, wie zu hören war.

© SZ vom 22.02.2020
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