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Kommunalwahl in Haar:Bukowski startet Charmeoffensive

Haar, Gabriele Müller, BM,

Zwei in etwa gleich hohe Balken stehen am Wahlabend für SPD und CSU angeschrieben. Haars Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD) muss in die Stichwahl mit CSU-Herausforderer Andreas Bukowski. Jetzt ist die Frage, ob die rot-grüne Allianz weiter hält - in der Stichwahl und im Gemeinderat.

(Foto: Angelika Bardehle)

Haars CSU-Bürgermeisterkandidat äußert sich positiv über die Grünen und die historisch rote Gemeinde steht auch schon vor der Stichwahl vor einer Zeitenwende: Die SPD büßt ihre führende Rolle ein.

Das rote Haar gehört seit diesem Sonntag der Vergangenheit an. Auch wenn die Entscheidung über den künftigen Bürgermeister oder die künftige Bürgermeisterin vor der Stichwahl aussteht - die CSU ist im Gemeinderat mit 43 Prozent der Stimmen und 13 Sitzen fortan deutlich die stärkste Kraft. Es folgen die SPD mit zehn Sitzen und die Grünen mit sechs. Angedeutet hat sich die Wende seit längerem. Die CSU arbeitet organisatorisch seit Jahren auf den Wechsel hin und baut auf allen Ebenen ihren Einfluss aus. Zum Ausdruck kommt das bei den Mitgliedszahlen: Mit 204 Mitgliedern ist der Ortsverband mit Unterschleißheim die stärkste CSU-Organisation im Landkreis.

Die SPD wirkt daneben seit Jahren wie ausgezehrt. Zum Ausdruck bringt das ausgerechnet einer der wenigen Wahlsieger bei den Roten. Der frühere Alterspräsident des Bayerischen Landtags, Peter Paul Gantzer, trat mit 82 Jahren auf der SPD-Liste für den Gemeinderat an und wurde tatsächlich von Platz 25 nach vorne gehäufelt. Dafür schied erstaunlicherweise in Horst Wiedemann ein alter Recke der SPD mit 86 Jahren aus dem Gremium aus, obwohl er sogar mit Platz elf relativ gut platziert war. Aber auch einige junge Hoffnungsträger wie Carsten Diekmann und der im Ort bestens bekannte Apostolos Kotsis verpassten den Einzug. Offenbar verfing die Aussage der CSU bei den Menschen, wonach eine neue Kraft Haar gut tun würde. Die SPD konnte dem kaum etwas entgegensetzen. Personell nicht, auch inhaltlich blieb sie vor allem bei einem "Weiter so".

Haar: CSU Bürgermeisterkandidat Andreas Bukowski Foto: Claus Schunk

(Foto: Claus Schunk)

Konstruktive Zusammenarbeit der SPD mit den Grünen

Doch das Ergebnis zeigt auch, dass für die CSU die Bäume in Haar nicht in den Himmel wachsen. Anders als bei Bundestags- oder Landtagswahlen zeigt sich Haar auf kommunaler Ebene relativ stabil in zwei Lager aufgeteilt, an deren Kräfteverhältnissen auch diese Wahl bisher nichts verändert hat. Denn einer mit sich selbst beschäftigten SPD stehen die Grünen zur Seite, die in Haar stark verwurzelt sind und zusammen mit der SPD auf eine lange Tradition konstruktiver Arbeit im Gemeinderat blicken. Die Grünen mit Ulrich Leiner, Mike Seckinger und Petra Tiedemann haben in dem früheren FWG-Gemeinderat Antonius van Lier einen starken Charakter in ihren Reihen dazugewonnen.

Ergebnisse 2020 (Vergleich 2014)

Haar

Gemeinderat (30 Sitze, bisher 24)

CSU13 Sitze (10)

SPD10 Sitze (10)

Grüne 6 Sitze (3)

FDP 1 Sitz (-)

Wahlergebnis

CSU43 % (41,2 %)

SPD31,5 % (41,7 %)

Grüne21,4 % (10,9 %)

FDP 4,1 % (- %)

Dass diese Grünen auch mit einer von dem Aufsteiger Andreas Bukowski, 40, geführten CSU gemeinsame Sache machen, ist schwer vorstellbar. Auf Stimmen aus dem linksliberalen Lager wird Bukowski aber angewiesen sein, um die Stichwahl in zwei Wochen gegen Bürgermeisterin Gabriele Müller (SPD), 60, zu gewinnen, in die er mit einem hauchdünnen Vorsprung von 42,5 zu 42,2 Prozent geht. Manches spricht dafür, dass die SPD mit Hilfe der Grünen den Absturz vermeidet. Es könnte weitergehen mit Rot-Grün, ergänzt zur Ampel durch Gelb. FDP-Mann Peter Siemsen ist erklärter Linksliberaler.

Doch Bukowski will die Chance ergreifen. Er verspüre Rückenwind, sagt er. Viele wollten mitmachen, sagt er. Noch am Wahlabend startete er eine Charmeoffensive. Er danke den Grünen für den "tollen Wahlkampf", diese hätten ihren Anteil an einer von 49,2 auf 54,4 Prozent gestiegenen Wahlbeteiligung. Die Demokratie habe gewonnen. Über den Sieger im politischen Ringen ist noch nicht entschieden.

© SZ vom 17.03.2020/hilb
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