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Kommunalwahl in Brunnthal:Männerwirtschaft

Der neue Dritte Bürgermeister Robert Huber (PWB) bei der Vereidigung durch Bürgermeister Stefan Kern.

(Foto: Claus Schunk)

Thomas Mayer und Robert Huber vertreten Stefan Kern

Es lag auch an dem neuen Tagungsort, dem modernen, geräumigen Festsaal des gemeindlichen Landgasthofs, an dessen Stirnseite hinter Bürgermeister Stefan Kern (CSU) großformatig die bayerische Rautenfahne und die blau-gelbe Fahne der Gemeinde hingen. Die konstituierende Sitzung des von 16 auf 20 Mitglieder angewachsenen Brunnthaler Gemeinderats hatte auch coronabedingt etwas von Aufbruch in eine neue Zeit, als wäre das Dorf nunmehr erwachsen geworden.

Und dazu passten die von vielen Seiten erhobenen Appelle, ein paar alte, schlechte Gewohnheiten hinter sich zu lassen. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) kleidete seine Hoffnung auf ein Ende des oftmals ruppigen Umgangs im Gemeinderat in den Aufruf, man möge künftig "auf allen Ebenen offen und vorbehaltlos" miteinander diskutieren. Man solle "integrieren und nicht ausgrenzen". So wie Kern verknüpften einige ihren Wunsch nach einem neuen Stil mit dem Wunsch, dass Frauen mehr Gewicht in Brunnthal erhalten. Doch da kam man am Mittwoch kaum voran.

Es war im Vorfeld schon bekannt geworden, dass Ulla Gocke (CSU) wohl für den ersten Stellvertreterposten von Kern kandidieren würde. Ein spannendes Rennen zwischen ihr und dem bisherigen Zweiten Bürgermeister Thomas Mayer (CSU) wurde erwartet. Doch Gocke verzichtete, und statt ihr trat Hilde Miner (Grüne) an, die ihr Parteifreund Michael Lechner mit eben dem Argument vorgeschlagen hatte, dass Frauen in führende Positionen gebracht werden müssten. Mayer gewann die Wahl mit 13 zu acht Stimmen. Gocke trat dann - mit eben diesem Argument von CSU-Parteifreund Andreas Langner vorgeschlagen - bei der Wahl zum Dritten Bürgermeister an und unterlag Robert Huber (Parteifreie Wählergruppe, PWB) mit neun zu elf Stimmen.

Dass es so kam, hat mit dem Dilemma zu tun, dass zum einen in Mayer ein verdienter Zweiter Bürgermeister Anspruch auf das Amt erheben konnte. Und dass zum anderen zumindest ein Vertreter einer anderen Partei oder Gruppierung gewählt werden sollte und auch jemand, der nicht aus Brunnthal-Ort kommt wie Kern, Mayer, Gocke und Miner. Der Grüne Michael Lechner hätte das als Hofoldinger erfüllt, wollte aber als Neuling offenbar nicht gleich ein Bürgermeisteramt anstreben. Robert Huber bringt diese Voraussetzung als Faistenhaarer und Vertreter der zweitstärksten Gruppierung PWB auch mit. Zudem ist er kein Haudegen wie Siegfried Hauser. Kern hatte an das Gremium appelliert, einen Stellvertreter zu wählen, mit dem er eine vertrauensvolle Zusammenarbeit pflegen könne. Auch mit PWB-Bürgermeisterkandidat Jürgen Gott, der ein enttäuschendes Wahlergebnis erzielt hatte, wäre es womöglich schwierig geworden.

Ein Hauch von Neuanfang war also zu spüren, und es blieb die Hoffnung, dass dieser nicht allzuschnell verweht. Zehn der 20 Gemeinderäte sind neu im Amt. Und die Zahl der Frauen im Gremium ist von fünf auf acht angewachsen.

© SZ vom 15.05.2020

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