Kommunalpolitik:Christian Zenner will Kirchheimer Bürgermeister werden

Kommunalpolitik: Christian Zenner mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm sowie den beiden Grünen-Sprecherinnen Petra Kowallik und Berit Vogel (von links) und Wolfgang Heinz-Fischer von der Wählergruppe VfW.

Christian Zenner mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm sowie den beiden Grünen-Sprecherinnen Petra Kowallik und Berit Vogel (von links) und Wolfgang Heinz-Fischer von der Wählergruppe VfW.

(Foto: Sabine Maier)

Der 36 Jahre alte Grünen-Gemeinderat wird von seiner Partei und der Wählergruppe VfW als gemeinsamer Kandidat nominiert. Beide wollen das Feld nicht dem von der CSU unterstützten Sozialdemokraten Stephan Keck überlassen.

Von Anna-Maria Salmen, Kirchheim

Steht bei einer Bürgermeisterwahl nur ein Kandidat auf dem Stimmzettel, dürfen die Wählerinnen und Wähler selbst Namen auf dem Stimmzettel vorschlagen. Mancher Spaßvogel nutzte das in der Vergangenheit, um sich etwa für Donald Duck auszusprechen - was freilich ungültig ist. Lange sah es aus, als könnte so etwas im kommenden Februar auch in Kirchheim passieren, denn bisher hatte nur der stellvertretende und aktuell amtierende Bürgermeister Stephan Keck (SPD) seine Kandidatur erklärt.

Nun hat er Konkurrenz bekommen: Der Grünen-Gemeinderat Christian Zenner wurde von seiner Partei und von der Vereinigten freien Wählergemeinschaft (VfW) zum gemeinsamen Kandidaten gekürt. Einstimmig sprachen sich bei der Versammlung am Samstagmittag die 14 anwesenden Stimmberechtigten, jeweils zur Hälfte von Grünen und VfW, für den 36-jährigen Kirchheimer aus.

In einem demokratischen Prozess habe man nicht einem einzelnen Bewerber das Feld überlassen wollen, begründet Zenner den Zusammenschluss. Der bisherige Bürgermeister Maximilian Böltl (CSU), der im Oktober in den Landtag gewählt worden war, hatte zuvor seinen Stellvertreter Keck von der SPD zum Wunschnachfolger erklärt. Die CSU folgt dieser Empfehlung und verzichtet auf einen eigenen Kandidaten. Die Grünen und die VfW hielten es dennoch für wichtig, den Bürgern eine Wahlmöglichkeit zu geben, so Zenner.

Der 36-Jährige ist eigenen Worten zufolge in Kirchheim verwurzelt. Lediglich für seine Promotion in Veterinärmedizin ging er für 15 Monate nach Aachen. Aktuell arbeitet er als Wissenschaftler an der Technischen Universität München in Weihenstephan. Der Gedanke, für die Wahl des Bürgermeisters zu kandidieren, ist für Zenner "nicht ganz neu", wie er sagt. Schon vor einiger Zeit habe er sich mit seiner Frau beraten. "Sie hat gesagt: Du kannst das schon machen, aber du musst auch wissen, worauf du dich einlässt", erzählt er lachend. Das ist ihm eigener Aussage nach durchaus bewusst, daher habe er lange gehadert. Zenner hat zwei kleine Töchter, neben Familie und Job noch den Wahlkampf zu stemmen, sei eine Herausforderung. Dennoch gibt Zenner sich nun zuversichtlich, es mit vereinten Kräften schaffen zu können.

Als Zenners Wahlkampfleiter will VfW-Gemeinderat Wolfgang Heinz-Fischer fungieren, der bei der vergangenen Kommunalwahl selbst als Bürgermeisterkandidat angetreten war. Man habe sich zuvor bereits intern beraten, sagt dieser, aber in den eigenen Reihen momentan keinen geeigneten Kandidaten gefunden. Man sei sich aber der eigenen politischen Verantwortung bewusst: Die Wählergruppe stellte in Heinz Hilger lange den Kirchheimer Bürgermeister. Ein Zusammengehen mit den Grünen sei naheliegend gewesen, man habe ähnliche Interessen, sagt Heinz-Fischer. "Christian Zenner war unser Wunschkandidat." Seine Ziele würden genau dem entsprechen, was auch die VfW will.

Zenner möchte nach eigener Aussage die Kirchheimer Politik wieder bürgernäher gestalten. Wichtig ist ihm zudem Transparenz: "Die Kommunikation mit den Bürgern muss besser werden." Große Themen wie die Ortsentwicklung seien ohnehin bereits zu großen Teilen entschieden, man müsse sich auf die kleineren Anliegen konzentrieren. "Es sind oft simple Dinge, die die Bürger belasten."

"Viele Leute mögen dieses Gemauschel zwischen CSU und SPD nicht"

"Mal wieder einen Gang zurückschalten, das trifft voll und ganz unsere Vorstellungen", sagt Heinz-Fischer. Man dürfe sich nicht nur auf die neuen Projekte konzentrieren, sondern müsse auch auf die Bürger achten, die schon da sind. "Ich bin felsenfest überzeugt, dass Christian Zenner reelle Chancen hat", so Heinz-Fischer. "Viele Leute mögen dieses Gemauschel zwischen CSU und SPD nicht." Er kann sich eigenen Worten zufolge vorstellen, dass sogar CSU-Wähler sich nun für Zenner entscheiden.

Der neue Kandidat selbst gibt sich verhaltener, aber doch zuversichtlich. "Ich bin gut vernetzt, gerade unter jungen Leuten." Zenner glaubt, damit einen Vorteil gegenüber seinem Konkurrenten Keck zu haben. Die Jugendarbeit soll einer seiner Schwerpunkte im Wahlkampf werden. Früher sei in Kirchheim viel für Jugendliche geboten worden, sagt Zenner, man sei dafür oft von anderen Gemeinden beneidet worden. "In letzter Zeit ist aber viel eingeschlafen."

Um die jungen Kirchheimer zu erreichen, will der Grüne im Wahlkampf auf die sozialen Medien setzen. Wenn er gewählt wird, möchte er die Digitalisierung im Ort vorantreiben, kündigt er an. "Das ist nicht einfach, aber ein Anfang könnte ein flächendeckendes Wlan-Netz in Kirchheim sein."

Auch wenn das Rennen um den Chefsessel im Rathaus nun spannender wird, eine Schlammschlacht soll es nicht geben, sagt Zenner. "Ich will keinen Schmierenwahlkampf gegen Stephan Keck." Allerdings sagt er auch: "Ich würde frischen Wind reinbringen."

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