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Kindertagesstätten:Gemeinde investiert in katholische Kita

Die Einrichtung in der Nähe der Konradschule soll bei der dringend notwendigen Sanierung auch gleich erweitert werden. Wie die Kosten von insgesamt sieben Millionen Euro aufgeteilt werden, ist noch nicht klar

Von Bernhard Lohr, Haar

Die Gemeinde Haar und das Erzbistum München-Freising streben gemeinsam die Sanierung und Erweiterung der katholischen Kindertagesstätte Sankt Konrad an der Georg-Eisenreich-Straße an. Bis August 2024 soll nach bisherigen Planungen eine siebengruppige Einrichtung entstehen. Dabei ist noch nicht ganz ausgemacht, wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Denn der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung zwar Bereitschaft bekundet, das Projekt mit anzugehen. Allerdings erschienen einigen Gemeinderäten die Kosten doch sehr hoch. Dietrich Keymer (CSU) warnte davor, der Kirche vorschnell "einen Blankoscheck" auszustellen.

Die sehr zentral in der Ortsmitte nahe der Konradschule gelegene Kinderbetreuungseinrichtung hat schwere Zeiten hinter sich. Von der Notwendigkeit einer Sanierung ist nicht erst seit gestern die Rede. Auch personell gab es Umbrüche. Jetzt steht das Erzbistum unter Zugzwang, weil das Landratsamt laut der früheren Einrichtungsleiterin Sonja Britt die Betriebserlaubnis nur noch bis Ende August 2021 verlängert hat - unter der Auflage, dass notwendige Umbauten angegangen werden. Das Erzbistum hat laut Gemeinde schon die Aufträge für einen Planer und einen Projektsteuerer europaweit ausgeschrieben. Für die Sanierung gibt es Vorentwurfspläne und eine Kostenschätzung über drei Millionen Euro. Ein Erweiterungsbau würde weitere vier Millionen Euro kosten. Die Rathausverwaltung ging in der Sitzungsvorlage davon aus, dass die Gemeinde etwa sechs Millionen Euro schultern muss.

Die aktuellen Wartelisten belegen einen Bedarf an Plätzen für Kindergarten- und Krippenkindern. Laut Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) sind 21 Krippen- und 32 Kindergartenkinder nicht versorgt. Auch 19 Plätze in der nachschulischen Betreuung fehlen. Deshalb suchte die Gemeinde zuletzt auch Plätze für den Bau einer weiteren Kita, der auch wegen der von Bauträgern in städtebaulichen Verträgen zugesagten Zahlungen für Infrastruktureinrichtungen nötig ist. Diese Mittel müssen zweckgebunden eingesetzt werden.

Nun könnte dieses Geld in das Projekt im Ortszentrum fließen, was Thomas Fäth (SPD) ausdrücklich begrüßte. Eine derart zentral gelegene Einrichtung zu erweitern sei anzustreben. Allerdings habe man in der SPD-Fraktion bei den genannten Kosten "schon schlucken müssen", wie er sagte. Mike Seckinger (Grüne) riet ähnlich wie Keymer dazu, nachzuverhandeln. Die Katholische Kirche stehe unter Druck, das könne die Verhandlungsposition stärken. Als einen wichtigen Punkt bezeichnete Seckinger, wie die Baustelle in unmittelbarer Nähe der Konradschule abgewickelt werden soll. Denn es steht ein aufwendiges Bauprogramm bevor. So soll laut bisherigen Vorstellungen die auf ein Jahr taxierte Sanierung im Herbst 2021 beginnen, ein Teil des zweigeteilten Bestandsgebäudes würde abgerissen und ein Neubau von ende 2022 bis Herbst 2024 errichtet.

In der neuen Einrichtung würden vier Kindergartengruppen entstehen, zwei Krippengruppen und eine Gruppe mit flexibler Nutzungsmöglichkeit. Keymer forderte vom Rathaus noch Informationen, wie viele Betreuungsplätze es in der Gemeinde wegen fehlender Räume zu wenig gibt, und wie viele mangels Personal. Der Personalmangel gilt an sich als das größere Problem.

© SZ vom 15.10.2020
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