Naturschutz:Wald soll für Kiesabbau weichen

Kiesgrube in Dürrnhaar wird verfüllt, 2012

Die Pläne zum Kiesabbau stoßen auf Widerstand.

(Foto: Claus Schunk)

Höhenkirchen-Siegertsbrunn lehnt neue Pläne ab, die diesmal auch den Ayinger Ortsteil Dürrnhaar betreffen.

Von Patrik Stäbler, Höhenkirchen-Siegertsbrunn

Es wirkt routiniert, wie Bauamtsleiterin Tanja Englbrecht all die Argumente herunterrattert, die aus Sicht der Gemeinde Höhenkirchen-Siegertsbrunn gegen den Antrag auf Kiesabbau sprechen. Wie Bürgermeisterin Mindy Konwitschny (SPD) anschließend das Vorhaben geißelt. Und wie danach sämtliche Fraktionen gegen die Pläne wettern.

Kein Wunder, schließlich hat die Gemeinde inzwischen Erfahrung mit dem Thema, seitdem ein Hohenbrunner Unternehmer beabsichtigt, am Muna-Gelände Kies zu gewinnen. Hier und heute jedoch geht es um ein anderes Vorhaben, was sich auch nach der Ablehnung des Antrags durch den Gemeinderat zeigt. Denn da verlassen mehrere Menschen den Saal, die nur wegen des Themas zur Sitzung gekommen sind - aus dem Ayinger Ortsteil Dürrnhaar.

Denn auch wenn der Antrag auf ein Areal in Siegertsbrunn abzielt, so ist es doch ihre Heimat, die von dem Vorhaben wohl am meisten betroffen wäre. Schließlich geht es um ein Grundstück an der Gemeindegrenze, nur einige hundert Meter von den Häusern Dürrnhaars entfernt. Dort soll auf gut neun Hektar Fläche 20 Jahre lang Kies abgebaut werden - auf einem Gelände, wo aktuell Wald steht. Allein dies wäre indes kein hinreichender Grund, weshalb das Landratsamt den Antrag abzulehnen hätte. Und doch gibt sich Konwitschny "sehr zuversichtlich", dass die Behörde ihre Zustimmung versagen wird. Schließlich habe ein vom Rathaus beauftragtes Planungsbüro festgestellt, dass die eingereichten Unterlagen unzureichend seien - sowohl von formaler als auch von inhaltlicher Seite.

Bußjäger warmt vor einem "Wald-Massaker"

So verfügt der Antrag laut Bauamtsleiterin Englbrecht weder über eine artenschutzrechtliche Prüfung noch über einen landschaftspflegerischen Begleitplan. Das Vorhaben stehe dem Flächennutzungsplan entgegen, der das Areal als "Wald mit besonderer Bedeutung für das Landschaftsbild" kategorisiert. Überdies hat Aying mitgeteilt, dass der Antrag Pläne für eine Umgehungsstraße konterkarieren könnte. "Dieses Grundstück wird von allen Seiten als sehr kritisch eingeordnet", schlussfolgert die Bürgermeisterin.

Otto Bußjäger (Unabhängige Bürger) warnt vor einem "Wald-Massaker", das den Charakter und Erholungswert des Geländes zerstören würde. Gudrun Hackl-Stoll (Grüne) sagt, "Windräder müssen 10H Abstand zur Wohnbebauung haben. Aber Kies darf direkt hintern Gartenzaun abgebaut werden." Dies müsse der Gesetzgeber schnellstmöglich ändern. Die einstimmige Ablehnung des Antrags wird im benachbarten Aying mit Zufriedenheit zur Kenntnis genommen. "Ich bin nicht generell gegen Kiesabbau", sagt der dortige Bürgermeister Peter Wagner (CSU). "Aber man kann an dieser Stelle nicht einfach mehrere Hektar Wald abholzen. Da gibt es sicher andere Grundstücke, wo ein Kiesabbau leichter möglich ist."

Wobei das Vorhaben nahe Dürrnhaar auch an einer anderen Hürde scheitern könnte. So habe der Besitzer des betreffenden Grundstücks der Gemeinde mitgeteilt, dass er keinerlei Verträge über das Areal abgeschlossen hat, heißt es aus dem Höhenkirchener Rathaus. Der Kiesabbau-Antrag sei ohne sein Wissen eingereicht worden.

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