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Haar:Neues Krankenhaus findet kein Personal

Das Haus ist fertig, aber die Belegschaft ist noch nicht vollzählig: Das neue Heckscher-Klinikum Haar.

(Foto: Claus Schunk)

Vier Monate nach der Eröffnung kann das Heckscher-Klinikum Haar immer noch nicht so viele Kinder aufnehmen wie eigentlich geplant. Grund ist vor allem der Mangel an Pflegekräften.

Bereits Anfang April hat in Haar ein neues Krankenhaus seinen Betrieb aufgenommen. Das Heckscher-Klinikum Haar ist auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung spezialisiert, die zusätzlich zu ihrer Vorbelastung unter einer psychischen Erkrankung leiden. Doch immer noch können dort nicht so viele junge Patienten versorgt werden wie eigentlich vorgesehen. Der Grund: Wie in so vielen andere Einrichtungen in der Region fehlt Personal.

Die neue Einrichtung gehört wie das Isar-Amper-Klinikum Südost in Haar zum Verbund der Klinken des Bezirks Oberbayern (KBO). Sie schließt eine Behandlungslücke im gesamten südbayerischen Raum, die bisher Familien zu schaffen machte, die mit der Versorgung behinderter Kinder und Heranwachsender ohnehin belastet sind. Wenn bei diesen eine Depression, eine Angst- und Zwangsstörung, eine Psychose, eine Essstörung oder ADHS diagnostiziert wurde und ein Klinikaufenthalt angezeigt war, war das lange mit großen Unannehmlichkeiten verbunden.

Weite Wege waren in Kauf zu nehmen. Außer in Würzburg existiert noch eine Klinik nahe Friedrichshafen am Bodensee. Seit mehr als zehn Jahren lief deshalb die Diskussion, eine weitere Klinik für den Raum München zu schaffen. Im Frühjahr 2015 stellte das Heckscher-Klinikum seine Pläne dafür im Haarer Rathaus vor. Für 15 Millionen Euro wurde der Neubau in der Max-Isserlin-Straße 25 nun errichtet. Mittlerweile werden in dem modernen, mit lichtdurchfluteten Räumen gestalteten Bau auch Patienten behandelt. Doch die Kapazität ist begrenzt.

"Wir sind noch nicht im Vollbetrieb", sagt Klinik-Geschäftsführer Anton Oberbauer. "Wir haben erhebliche Probleme mit der Personalgewinnung." Der Arbeitsmarkt sei leergefegt. Zwar sei es auch schwierig, in dem benötigten Spezialfach ärztliches Personal zu finden. "Wir suchen immer Fachärzte", sagt Oberbauer, "aber "das geht noch."

Gesucht werden vor allem Pflegekräfte

Als extrem schwierig erweise sich dagegen die Suche nach Krankenpflegekräften, Erziehern und Heilpädagogen. Man biete einen modernen Arbeitsplatz, sagt Oberbauer, und man zahle "gut übertariflich". Oberbauer hofft, dass jetzt, da die Klinik tatsächlich läuft, die Personalakquise etwas in Schwung kommt. Mittelfristig setzt er auf verstärkte Ausbildung. So soll an der in Haar-Eglfing existierenden Fachschule für Krankenpflege gerad mit Blick auf die Bedürfnisse der neuen Klinik von Herbst an ein neuer Kurs für Heilerziehungspflege laufen.

Die Heckscher-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat ihren Stammsitz in München-Giesing an der Deisenhofener Straße. Ausreichend Platz, um das neue klinische Angebot zu schaffen, bot sich aber nur in Haar auf dem auch nach dem Verkauf von Teilflächen immer noch weitläufigen Areal des Isar-Amper-Klinikums. Am Südost-Rand des Geländes entstand der Bau, in dem eine ganze Reihe von Einheiten neu eingezogen sind.

So schlug dort am 1. April das Zentrum für Autismus und Störungen der sprachlichen und geistigen Entwicklung im Kindes- und Jugendalter seine Zelte auf, das bis dato an der Deisenhofener Straße war. Die ambulante, diagnostische und therapeutische Arbeit bei Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen läuft jetzt in Haar. Verschiedene autismusspezifische sozialen Kompetenzgruppen für Kinder und Jugendliche und Elterngruppen finden dort statt.

Sobald das Personal vorhanden ist, soll laut Oberbauer das Heckscher-Klinikum Haar gut 40 Behandlungsplätze umfassen: Im April hat mit elf Plätzen eine Tagesklinik für Kinder im Klein- und Vorschulkinder mit autistischen und sprachlich-kognitiven Entwicklungsstörungen eröffnet. Zehn Plätze im vollstationären Bereich sind für entwicklungsgestörte Kinder im Grundschulalter bis zur fünften Klasse eingerichtet. Anfang Juli wurde der Klinikbetrieb erweitert um eine beschützend geschlossen geführte Station für zehn geistig behinderte Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen. Eine weitere Station für geistig behinderte und entwicklungsgestörte Grundschulkinder soll folgen. Damit Eltern die Möglichkeit haben, ihre Kinder bei Aufenthalten zu begleiten, sollen im vollstationären Bereich vier Eltern-Kind-Einheiten entstehen.

Wie Oberbauer erläutert, ist in Haar auch eine aufsuchende mobile Einheit angesiedelt, die Einrichtungen der Behindertenhilfe wie Heilpädagogische Tagesstätten, Schulen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und Wohneinrichtungen im Raum München ambulant versorgt. Die ärztliche Leitung in Haar liegt bei Oberarzt Martin Sobanski, dem einer Mitteilung der Klinik zufolge als Oberärzte Anna Hutzelmeyer-Nickels und Elke Wriedt zur Seite stehen. Eine Erweiterung des Standorts in Haar schließt Oberbauer zu einem späteren Zeitpunkt nicht aus. Sollte zusätzlicher Bedarf erkannt werden, sei ein zusätzlicher Bau eine Option. Ein angrenzendes Grundstück habe man dafür im Blick.

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