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Isar-Amper-Klinikum:Der Bezirk hat sich in Haar verkalkuliert

Haar, kbo-Isar-Amper-Klinikum München-Ost, Neubauten neben Altbauten, gelungene Verbindung

Alt neben neu: Das Isar-Amper-Klinikum in Haar verändert sein Gesicht. Im November steht die Eröffnung weiterer Gebäude an. Doch ein Schlusspunkt ist das nicht.

(Foto: Angelika Bardehle)

Eigentlich sollte der Klinikstandort zugunsten einer Dezentralisierung der Psychiatrie verkleinert werden. Doch jetzt fehlen Gebäude, weshalb nach Grundstücken für mögliche Neubauten gesucht wird.

Von Bernhard Lohr, Haar

Das Isar-Amper-Klinikum München-Ost in Haar kommt mit seinen bestehenden Flächen nicht mehr zurecht. Der Bezirk Oberbayern streckt daher für die Einrichtung die Fühler nach Grundstücken in der näheren Umgebung aus, auf denen in den nächsten fünf bis zehn Jahren Klinikbauten entstehen könnten. Ganz konkret geht es etwa um ein Wohnheim für Pflegepersonal. Die Gemeinde bestätigte entsprechende Anfragen.

Abgesehen davon soll der Regionalisierungskurs des Klinikums klar fortgesetzt werden. Das bekräftigten der derzeit übergangsweise installierte Geschäftsführer Franz Podechtl und der Ärztliche Direktor Peter Brieger am Rande des Zamma-Festivals in Haar.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass der acht Jahre tätige Geschäftsführer Jörg Hemmersbach Ende April vorzeitig seinen Posten an der Spitze des größten Krankenhaus-Betriebs im Verbund der Bezirkskliniken Oberbayern geräumt hat. Hemmersbach hatte als Chef des Isar-Amper-Klinikums mit seinen Außenstellen in München, Taufkirchen an der Vils und Fürstenfeldbruck sowie als Leiter der zentralen Einrichtung in Haar selbst über Jahre den Plan vorangetrieben, die Psychiatrie-Versorgung im Raum München auf viele Standorte aufzusplitten, um Haar zu entlasten. Tageskliniken und stationäre Einrichtungen sollen näher zu den Menschen, man will weg vom lange praktizierten Zentralismus in Haar-Eglfing.

Tageskliniken in Schwabing und Fürstenfeldbruck

Daran soll sich laut Podechtl und Brieger auch nichts ändern. Dennoch hat man sich beim Bezirk als Träger der Kliniken verkalkuliert. Denn der Plan war eigentlich, den Standort in Haar im Zuge der Regionalisierung zu verkleinern. Die Hälfte des Klinikareals wurde an Bauträger verkauft, die sich aktuell anschicken, im Jugendstilpark in Alt- und Neubauten Wohnraum für etwa 2000 Menschen zu schaffen. Nun zeigt sich, dass der Bezirk zwar Stationen und Tageskliniken etwa in Fürstenfeldbruck und Schwabing schafft, aber der Druck auf die Zentrale in Haar weiter hoch bleibt. Die ursprünglichen Pläne mussten bereits mit dem Bau von Stationsgebäuden angepasst werden. Nun muss man mittelfristig offensichtlich weitere Gebäude in Haar errichten.

Ob dies mit ein Grund für das Ausscheiden von Hemmersbach war, dazu will sich am Klinikum niemand äußern. Es habe bei Vertragsverhandlungen Differenzen über die weitere Zusammenarbeit gegeben, heißt es. Es sei Stillschweigen vereinbart.

Derzeit wird auf dem Klinikareal in Haar bereits gebaut. Drei Gebäudeteile mit Psychiatrie-Einheiten im zentralen Bereich des Klinikareals stehen vor der Fertigstellung. Im November soll Eröffnung gefeiert werden. Auch gibt es Pläne der Heckscher-Klinik für eine Einrichtung für schwerkranke, behinderte Kinder und Jugendliche. Derzeit komme man mit der Infrastruktur in Haar noch gut klar, sagt Interims-Geschäftsführer Podechtl. Nun zeichnet sich nach seinen Worten aber bereits ab, dass einige bestehende Gebäude saniert werden müssen, weshalb Ausweichmöglichkeiten benötigt werden. Eine weitere Verdichtung sei aber auf dem bestehenden Areal aus Denkmalschutz-Gründen nicht möglich. Für den Bau von Ersatzbauten suche man Standorte in Haar und überhaupt im Umfeld des Klinikums. Die Sprecherin des Haarer Rathauses, Ute Dechent, bestätigt, dass der Bezirk mit der Gemeinde wegen der Suche geeigneter Grundstücke im Gespräch ist.

Mehr Bevölkerung - mehr Patienten

Dabei muss das Isar-Amper-Klinikum nicht nur kurzfristige Engpässe beheben. Die Bevölkerungsentwicklung im Raum München macht weitergehende Überlegungen erforderlich. Die wachsende Zahl an Menschen bringt dem Ärztlichen Direktor Peter Brieger zufolge eine höhere Zahl an Patienten mit sich, die eine psychiatrische Versorgung benötigen. Laut Brieger gibt es schlicht "wachsenden Bedarf". Es handle sich um einen komplexen Prozess. Dabei werde aber an der Regionalisierung festgehalten - das betonen Brieger und andere immer wieder. Konkret soll etwa der Standort am städtischen Klinikum Schwabing mit einem weiteren Gebäude ausgebaut werden.

Franz Podechtl möchte diesen Umbau gerne gestalten. Hemmersbachs Stelle ist offiziell nun ausgeschrieben. Podechtl hat sich nach eigenen Worten beworben. Eine Entscheidung erwartet er Ende 2017.

© SZ vom 06.07.2017/belo
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