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Haar bei München:Keine Handhabe gegen die Millionärssiedlung

Die Haarer Gemeinderäte billigen Pläne für Reihen- und Doppelhäuser in Ottendichl trotz einigen Unbehagens

Von Bernhard Lohr, Haar

Ein größeres Bauprojekt in Ottendichl hat im Haarer Bauausschuss die Frage aufgeworfen, ob der dörfliche Charakter des kleinen Gemeindeteils verloren zu gehen droht. Stein des Anstoßes ist eine geplante Siedlung östlich der Feldkirchner Straße und nördlich der Weißenfelder Straße. Dort hatte der Bauträger Wowo-Bau aus Pullach vor, am Ortsrand in zweiter Reihe zur Feldkirchner Straße zwölf Doppelhaushälften sowie zehn Reihenhäuser mit Tiefgarage zu errichten. Die Bauverwaltung im Rathaus griff ein, und derzeit läuft ein Bebauungsplanverfahren, um das Projekt für den Ort verträglich zu gestalten. Eine Sorge ist mittlerweile, dass dort eine "Millionärssiedlung" entsteht, wie es Peter Paul Gantzer (SPD) nannte.

Eine solche wird es nicht nur nach seiner Überzeugung zwangsläufig sein, weil sich nur Millionäre dort ein Haus im Eigentum werden leisten können. "Wir sollten uns überlegen, ob wir das wollen", sagte Gantzer. Für Ottendichl sei es durchaus bedeutsam, wenn dort in dieser Größenordnung gebaut werde. Eine Lösung des Dilemmas, das schlicht durch die hohen Grundstückspreise entsteht, sah aber keiner der Gemeinderäte. Denn das Bauland ist dadurch entstanden, dass die Gemeinde eine Ortsabrundungssatzung in dem Gebiet beschlossen hat, was laut Bauamtsleiter Josef Schartel verhindert, dass dort über die sozialgerechte Bodennutzung Gewinne für die Allgemeinheit abgeschöpft werden können. Für die Idee, dort Geschosswohnungen zu errichten, konnte sich keiner recht erwärmen.

Zwar warben dafür außer Gantzer unter anderen Katharina Dworzak (SPD) und auch Henry Bock (Grüne). Dworzak zeigte sich enttäuscht darüber, dass vom Bauträger keine Vorschläge mehr für ein Mehrfamilienhaus gemacht würden. Bock bezeichnete einen Mix aus Miet- und Eigentumswohnungen als wünschenswert. Doch die Stadtplanerin Christine Kneucker vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München riet ab, weil die Zufahrten dort in den hinteren Bereich des Areals an der Feldkirchner Straße schwer zu regeln seien. Es sei ratsam, zum Ortsrand hin niedriger zu bauen. Auch kam die Frage auf, ob sich die Wohnungen dort jemand würde leisten können, der kein Millionär ist. Kneucker sagte, es sei immerhin gelungen, Grünräume auf dem Gelände in gewissem Maß zu erhalten. Im Nordosten der Fläche blieben Bäume geschützt, es bleibe eine Allee stehen und eine Hecke werde geschaffen. Als unbefriedigend wurde angesehen, dass nur ein kleiner Spielplatz vorgesehen ist. Dort könne ein Kind gerade mal sein Sandeimerchen abstellen, bemängelte Alexander Zill (SPD).

Dennoch empfahl am Ende eine Mehrheit dem Gemeinderat, einen Aufstellungsbeschluss zu fassen. Die Bürgerbeteiligung wird anlaufen. Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) betonte, das vom Bauträger gewünschte Baurecht sei schon reduziert worden. Viel mehr Möglichkeiten sehe er nicht. "Günstiger Wohnraum entsteht dort leider nicht."

© SZ vom 01.07.2020

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