Grünwalder Sommernacht Zwischen Mambo und Mozart

Schönes Ambiente: Der Innenhof der Burg avancierte bei der Grünwalder Sommernacht mal wieder zum stimmungsvoll illuminierten Konzertort.

(Foto: Claus Schunk)

"Klazz Brothers & Cuba Percussion" verbinden mit virtuosen und energiegeladenen Arrangements die Klangwelten von Klassik und Karibik.

Von Udo Watter, Grünwald

Elio Rodriguez Luis ist nicht nur ein beeindruckender Virtuose an den Kongas, den afrikanischen Handtrommeln. Der Kubaner, der nicht gerade mit einem zierlichen Körperbau gesegnet ist, dreht auf der Bühne auch formvollendet eine Pirouette. Beinahe. Man tritt ihm wohl nicht zu nahe, wenn man seinen kubanisch inspirierten Hüftschwung noch überzeugender findet.

Bei der 13. Grünwalder Sommernacht im Innenhof der Burg gelingt es dem Musiker von der Karibikinsel im Laufe des Abends nicht nur, ein paar wagemutige Zuschauer auf der Bühne zum Cha-Cha-Cha zu bewegen, sondern später auch noch einen größeren Teil des Publikums zu perkussiven Imitationen zu animieren und sogar dazu, seinen gekonnt demonstrierten Hüftschwung nachzuahmen - im Sitzen. Sah lustig aus, aber gar nicht schlecht.

Luis wurde dabei von Alexis Herrera Estevez unterstützt, der unter anderem mit dem Publikum in Form einer rhythmisch geschüttelten Streichholzschachtel dialogisierte - der Perkussionist, der versiert Timbales und Bongos schlägt, ist das zweite auf Kuba geborene Mitglied der Combo, die heuer das Open Air auf der Burg am rechten Isarhochufer gestaltete: "Klazz Brothers & Cuba Percussion" verbinden so frech wie raffiniert berühmte Werke der Klassik mit karibischer Rhythmik und Melodik sowie jazzigen Elementen. Kontrabassist Kilian Forster und Pianist Bruno Böhmer Camacho komplettierten an diesem Abend (ohne den erkrankten Schlagzeuger Tim Hahn) das Ensemble, als Gastmusiker trat der Bajan-Virtuose Alexander Pankov auf.

Hoch virtuoses Grenzüberschreiten

Die Habanera aus Bizets "Carmen" war ein mitreißender Einstieg, temporeich und fein im 7/8 Takt arrangiert, eine Fassung, die sogar im Hollywood-Film "Hitch - der Date-Doktor" mit Will Smith zu hören war. Wie gut die mit mehreren Echo-Preisen dekorierten sowie einer Grammy-Nominierung geadelten "Meister des Classical Crossover" eine Komposition zu bearbeiten verstehen, zeigten Klazz Brothers & Cuba Percussion bei ihrer Version von Edvard Griegs "In der Halle des Bergkönigs" aus der "Peer -Gynt-Suite". Das dreiminütige Stück wird hier aus der nordischen Sagenwelt mit Trollen und Kobolden klangatmosphärisch in den afrikanischen Urwald verlegt - und es funktioniert eindrucksvoll: "Afro Misterioso" heißt die Variante, welche die zwei berühmten, fast gleichen Hauptthemen einbetten in ein ganz anderes, exotisches Szenario.

Überhaupt sind natürlich das hoch virtuose Grenzüberschreiten, die schwung- und humorvolle Verbindung der Klangwelten das Markenzeichen der Combo. Die Arrangements bewegen sich dabei zwischen Mambo und Mozart, mit dem Kopfsatz seiner 40. Sinfonie als Grundlage, oder Calypso Russé, bei dem Tschaikowskys "Nussknacker" die originäre Inspirationsquelle ist. Auch der fünfte von Brahms "Ungarischen Tänzen" wird versiert umgewandelt in einen "Kubanischen Tanz" und besonders schön ist die Version von Bachs "Air": Der zauberhafte Suiten-Satz, komponiert vom 1750 verstorbenen "Grandseigneur des Jazz" wie ihn Forster nennt, kommt an diesem Abend erst in einer sanft verjazzten Fassung mit Flügel und Kontrabass daher, ehe Esteves mit den Bongos einsetzt und das liedhafte Thema in eine zarte getrommelte Rhythmik einbindet.

Das Publikum tanzte sogar mit

Überzeugend waren auch die tangoinspirierten Auftritte mit Alexander Pankov. Ob bei Piazzolla oder "La Cumparsita" dem vielleicht populärsten Tangostück überhaupt: Der aus Novosibirsk stammende Russe beeindruckte durch hohes manuelles Können, das er mit gleichzeitiger mimischer Bewegungslosigkeit kombinierte. Scharfe Klänge, weiches Vibrato, klangfarbenreiches Spiel: Pankov demonstrierte gekonnt die Vielfalt des Bajan, das die osteuropäische Variante des Knopfakkordeons ist - und gegen Ende des Abends lächelte er sogar. Humorvoll waren auch die Erklärungen und Frotzeleien von Kilian Forster zwischen den Stücken, wobei er seine Moderationen ab und an hätte straffen können.

Gleichwohl war es insgesamt ein kurzweiliger, sehr unterhaltsamer Abend. Und am Ende zeigte sich das Publikum, das kurz sogar mittanzte, fast schon geduldig im Vergleich zu manch Ansturm in den Jahren zuvor, als das Buffet eröffnet wurde. Dabei gab es heuer nicht wie sonst Pasta, sondern karibische Spezialitäten.