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Garchinger CSU-Liste:Neues Gesicht auf Platz zwei

Sefika Seymen tritt schon zum zweiten Mal an. Sie will sich für Soziales, Familie und Integration einsetzen.

(Foto: privat)

Die Deutsch-Türkin Sefika Seymen kandidiert gleich hinter dem Ortsvorsitzenden Jürgen Ascherl auf der CSU-Liste für die Stadtratswahl in Garching. Der Parteichef bezeichnet sie als "Riesengewinn".

Überraschung auf der CSU-Liste für die Stadtratswahl in Garching: Die Deutsch-Türkin Sefika Seymen kandidiert hinter Fraktionschef Jürgen Ascherl auf Platz zwei. "Das ist ein Riesengewinn für uns", sagt Ascherl, "sie hat so eine verbindende Art und ist unwahrscheinlich offen". Insgesamt tritt die CSU mit 24 Kandidaten und zwei Ersatzkandidaten an. Von den bisherigen sieben CSU-Stadträten stehen sechs unter den ersten acht. Nicht mehr antreten wird aus beruflichen Gründen Kerstin Tschuck. Ascherl, der am Mittwochabend mit allen Stimmen der 44 Anwesenden nominiert wurde, betonte bei der Versammlung noch einmal, wie wichtig ihm Transparenz ist. "Wir müssen die Bürger mitnehmen und intensiv einbinden."

Die CSU, die zuletzt einen Streit mit Teilen der islamischen Gemeinde Garchings ausgetragen hat, weil sie 2018 dem Fastenbrechen fernblieb und eine klare Haltung gegen die Ditib als staatliche türkische Institution zeigte, entschied sich nun mit 39 Stimmen für Sefika Seymen auf Platz zwei. Die Garchinger CSU habe ihre Position zu Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion) nicht verändert, betont Ascherl, aber inzwischen habe es Gespräche mit den Garchinger Vertretern von Ditib gegeben, sagt Sefika Seymen, bei denen sich beide Seiten besser kennengelernt hätten. Ascherl sagt, unabhängig von Religion oder Nationalität habe für die CSU festgestanden, auf Platz zwei eine Frau zu positionieren. Auch Petra Wachenheim aus Hochbrück wäre laut Ascherl in Frage gekommen, aber Seymen sei schon länger im Vorstand.

Die 47-Jährige ist in Friedrichshafen geboren und lebt seit 19 Jahren in Garching. Sie hat Betriebswirtschaft studiert und wegen ihrer drei Kinder zehn Jahre pausiert. Jetzt arbeitet sie in Teilzeit in Ismaning. In der CSU engagiert sich Seymen seit 2013, seit 2015 sitzt sie im Vorstand. Die Stadtratskandidatur ist bereits ihre zweite, 2014 war sie im Mittelfeld platziert. Sie habe gemerkt, wie sie durch ihr ehrenamtliches Engagement beim Integrationsbeirat und in der Politik oder auch als VHS-Dozentin viele Menschen erreichen könne, berichtet Seymen: "Da kommen Steine ins Rollen, die lange Zeit still standen." So habe sie etwa durch Gespräche mit Ur-Garchingern Berührungsängste abbauen können. "Das hat schon zu ganz dicken Freundschaften geführt." Politisch will sie sich zunächst besonders in den Bereichen Soziales, Familie und Integration einbringen.

Der CSU-Vorsitzende bedauert, dass er insgesamt nicht mehr Frauen gefunden hat. "Da haben wir noch Nachholbedarf", räumt er ein. Ascherl vermutet, es sei der Zeitfaktor, warum viele Frauen ablehnten. "Wir haben das Problem in der Gewerkschaft auch", sagt Ascherl, der Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft in München ist und Stellvertreter auf Landesebene. Wöchentliche Sitzungen im Rathaus, zusätzlich Fraktionssitzungen und Veranstaltungen, da komme schon einiges zusammen, was vielleicht manche abschrecke. Trotzdem sei es insgesamt gelungen, eine Liste aufzustellen, in der viele gesellschaftliche Schichten und verschiedene Nationalitäten vertreten sind. So kandidierten auch junge Leute und in Tobias Chemnitz etwa ein Physiker, der am Wissenschaftscampus arbeitet. Ascherl betonte, er wolle die Wahl 2020 gewinnen, und "mit der stärksten CSU-Stadtratsfraktion ins Garchinger Rathaus einziehen".

Die CSU-Stadtratsliste: 1. Jürgen Ascherl, 2. Sefika Seymen, 3. Manfred Kick, 4. Albert Biersack, 5. Petra Wachenheim, 6. Salvatore Disanto, 7. Christian Furchtsam, 8. Josef Kink, 9. Thomas Lemke, 10. Franziska Stelzer, 11. Jakob Schneider, 12. Bernhard Dieterich, 13. Wolfgang Neuhauser, 14. Florian Thoss, 15. Stephan Specht, 16. Ria Weis, 17. Daniel Lubos, 18. Michaela Cygan, 19. Kurt Weis, 20. Angela Schmidtke, 21. Tobias Chemnitz, 22. Andrea Sauer, 23. Oleg Mukhanov, 24. Monika Posmik.