Ortsentwicklung:Feldkirchen soll ein Dorf bleiben

Ortsentwicklung: "Wenn ich es alleine entscheiden dürfte": Die Bürger würden in Feldkirchen einiges ändern, wie sich bei einem Workshop zeigte. Ihre Ideen sind in ein Konzept eingeflossen.

"Wenn ich es alleine entscheiden dürfte": Die Bürger würden in Feldkirchen einiges ändern, wie sich bei einem Workshop zeigte. Ihre Ideen sind in ein Konzept eingeflossen.

(Foto: Claus Schunk)

Nach den Bürgerworkshops gibt es jetzt einen ersten Entwurf, wie die Gemeinde zukünftig aussehen könnte. Wenn es nach dem beauftragten Planungsbüro geht auf jeden Fall grüner, ruhiger und schöner.

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

Zu viel Verkehr, eine Ortsmitte mit kaum Aufenthaltsqualität und schlechte Radwege - für die Feldkirchner ist schon länger klar, dass ihre Gemeinde einen klaren Plan benötigt, um die Entwicklung in Zukunft besser zu steuern. Als im Sommer 2021 die Pläne für ein Seniorenheim an der Münchner Straße in der Bevölkerung enorme Kritik auslösten, beschloss man im Rathaus, ein Ortsentwicklungskonzept auszuarbeiten. Beauftragt wurde damit das Münchner Planungsbüro Mahl Gebhard Konzepte. Jetzt liegt ein Entwurf vor, wie Feldkirchen schöner und grüner werden könnte.

Im vergangenen Herbst konnten die Bürger bei Workshops ihre Ideen und Wünsche einbringen. Diese flossen ein in das Konzept, das Planungsbüro stellte den Entwurf kürzlich im Gemeinderat vor. Wichtig für die zukünftige Entwicklung Feldkirchens sei, dass man die Gemeinschaft mit dem dörflichen Charakter erhalte und stärke, sagte Katrin Rismont von Mahl Gebhard. Die Gemeinde müsse für alle Altersgruppen etwas bieten. Flächen müssten daher sinnvoll bebaut werden, gleichzeitig müsse aber auch ausreichend Grün gesichert werden.

Ein zentrales Ziel, das der Entwicklungsplan vorsieht, ist die Verschönerung des Ortskerns. Rismont kann sich vorstellen, kleine Plätze und Aufenthaltsflächen mit viel Grün zu gestalten. Im Zentrum könne man zudem Gewerbe in den Erdgeschossen erlauben. Auch die Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs in der bereits heute mit Steinpflaster gestalteten Kirchenstraße ist der Landschaftsarchitektin zufolge denkbar.

Im gesamten Gemeindegebiet sieht der Ortsentwicklungsplan zudem "klimaangepasste Ruheinseln" vor, darunter versteht Rismont geschützte und kühle Freiräume für den kurzen Aufenthalt. Verschattete Sitzmöglichkeiten unter Bäumen oder auch eine Kühlung durch Wasser könnten kleine "Gemeindeoasen" schaffen, so die Fachfrau.

Ortsentwicklung: Viele Orte, an denen man sich gerne aufhält, hat Feldkirchen momentan nicht. Das Ortsentwicklungskonzept sieht daher mehr Plätze vor, ähnlich wie die kleine Fläche mit Brunnen am Maibaum.

Viele Orte, an denen man sich gerne aufhält, hat Feldkirchen momentan nicht. Das Ortsentwicklungskonzept sieht daher mehr Plätze vor, ähnlich wie die kleine Fläche mit Brunnen am Maibaum.

(Foto: Claus Schunk)

Voraussetzung für alle Maßnahmen ist laut Rismont die "Verkehrswende" und insbesondere die Stärkung des Rad- und Fußverkehrs. Barrierefrei und sicher, so sollten die Straßen ihrer Einschätzung nach sein, mit so viel Grün wie möglich. Für Fußgänger und Radfahrer solle mehr Platz geschaffen werden, eine Geschwindigkeitsreduzierung könnte die Straßen sicherer machen.

Momentan ist Feldkirchen vor allem von Durchgangsverkehr dominiert. Dessen Reduzierung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Dabei kann nach Ansicht der Landschaftsarchitektin die Südumfahrung helfen, die sich die Feldkirchner schon lange wünschen, deren Umsetzung allerdings aktuell noch unklar ist.

Der Plan soll ein Leitfaden. Über einzelne Maßnahmen muss der Gemeinderat entscheiden

Das Seniorenheim, das den Ortsentwicklungsplan überhaupt erst ins Gespräch brachte, haben die Fachleute laut Rismont ebenfalls in die Überlegungen einbezogen. Der Bedarf für eine solche Einrichtung bestehe durchaus, das Grundstück an der Münchner Straße sei eine von mehreren potenziellen Entwicklungsflächen dafür. Berücksichtigen müsste man bei den Planungen jedoch die Dimensionierung - diese war vor rund zweieinhalb Jahren einer der größten Kritikpunkte. Viele Bürger empfanden den damals vorgesehenen Baukörper als zu massiv.

Wie Rismont erläuterte, ist das Verfahren zur Ortsentwicklung noch nicht beendet, man erarbeite weiterhin gemeinsam mit dem Gemeinderat und den Bürgern Ideen. Der Plan soll dann einen Leitfaden für die Zukunft bieten und Empfehlungen aussprechen. Über einzelne Maßnahmen müsse der Gemeinderat entscheiden.

Bei einer Veranstaltung am Samstag, 27. Januar, um 10 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses können sich Feldkirchner über den Ortsentwicklungsplan informieren. Die Ergebnisse der ersten Bürgerbeteiligungsrunde sollen zusammengefasst und diskutiert werden, anschließend werden die weiteren Ergebnisse der Fachleute vorgestellt.

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Hella Neusiedl-Hub recherchiert seit Jahren zur Geschichte der NS-Zeit in dem Münchner Nobel-Vorort. Ihr Buch zum Thema ist inzwischen in einer erweiterten und aktualisierten dritten Auflage erschienen - auch ohne die erhoffte Förderung der Gemeinde.

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