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Feldkirchen:Weit weg vom Ortsgeschehen

Glücklich im Ruhestand: Feldkirchens früherer Bürgermeister Werner van der Weck und seine Frau Annelie genießen das Reisen und die Zeit miteinander.

(Foto: Privat)

Feldkirchens früherer Bürgermeister Werner van der Weck hat sich mit Reisen zusammen mit seiner Frau im Wohnmobil und "im Kopf" die Zeit vertrieben. Das Amt vermisst er nicht, aber seine Mitarbeiter im Rathaus.

Von Anna-Maria Salmen, Feldkirchen

"Wie geht es dir? Du bist ja wie vom Erdboden verschluckt." Diese Nachricht erhielt Werner van der Weck erst kürzlich von einer ehemaligen Kollegin aus dem Feldkirchner Rathaus. "Ich bin tatsächlich absichtlich so verschwunden", erzählt der 68-Jährige mit einem Lächeln. Seit etwas mehr als 180 Tagen ist van der Weck nun nicht mehr Bürgermeister von Feldkirchen, nachdem er bei der Kommunalwahl im März nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidierte - den Ruhestand genießt er sichtlich.

Reisen mit seiner Frau Annelie, das war bereits vor der Wahl im März der Plan für die Zeit nach dem Amt habe. Die Umsetzung verzögerte sich zunächst jedoch. Ursprünglich wollte das Paar bereits im Mai nach Süditalien und Griechenland fahren, erzählt der ehemalige SPD-Bürgermeister. Corona machte ihnen wie so vielen einen Strich durch die Rechnung. Als sich die Lage zu Pfingsten etwas entspannte, führte die erste Reise im Ruhestand die van der Wecks an die Mosel. Mit ihrem Wohnmobil und den Fahrrädern im Gepäck erkundeten die beiden das Gebiet zwischen Schengen an der luxemburgischen Grenze und Koblenz.

Nur kurz blieben van der Weck und seine Frau nach der Rückkehr in Feldkirchen, bevor es sie erneut in die Ferne zog. Zwei Monate verbrachten sie in Griechenland, ebenfalls mit dem Wohnmobil. "Das war ganz eigenartig, so lange war ich noch nie weg aus Feldkirchen", erzählt van der Weck lachend. Genossen hat er den Urlaub sehr, "ich habe schnell Abstand zum Amt bekommen". Und auch die Geschehnisse in der Heimat waren für den ehemaligen Rathauschef weit entfernt. "Beim Heimkommen haben wir dann die gesammelten Gemeindeblätter vorgefunden. Auf der Reise haben wir gar nichts aus Feldkirchen mitbekommen." Abgesehen von zahlreichen Glückwünschen zu van der Wecks 68. Geburtstag, den er im Urlaub feiern durfte. Er habe zu diesem Anlass viele Nachrichten von ehemaligen Kollegen aus dem Rathaus erhalten, berichtet er. Die Aufmerksamkeit der Gemeindemitarbeiter berührt den früheren Rathauschef sichtlich: "Ich denke gerne an meine Kollegen zurück und bin immer noch dankbar für die schöne Zeit."

Das Amt des Bürgermeisters fehlt van der Weck eigener Aussage nach jedoch nicht. Als Rathauschef habe er sich immer als erster Diener der Gemeinde verstanden, mit der Aufgabe, stets für die Bürger da zu sein. Nun könne er sich wieder mehr seinen eigenen Bedürfnissen widmen, ebenso wie den Wünschen seiner Familie. "Man merkt, dass er viel entspannter ist als früher. Das sagen mir auch immer wieder Freunde und Bekannte", sagt Annelie van der Weck. Ihr Mann stimmt zu: "Ich schaue, was mir gut tut und genieße es, auch einfach mal, faul zu sein."

Mehr Zeit hat van der Weck auch wieder für Beschäftigungen, die während seiner zwölf Jahre als Bürgermeister zu kurz kamen. "Reisen im Kopf", so bezeichnet der 68-Jährige etwa das Lesen. "Das habe ich schon immer gerne gemacht, aber als Bürgermeister muss man auch schon so viel anderes lesen. Da hatte ich oft einfach den Kopf nicht frei dafür." Abende im Kino gönnen sich van der Weck und seine Frau aufgrund der Corona-Pandemie derzeit nicht, aber "ich habe mir sehr viele DVDs gekauft, ungefähr 20 oder 30 Filme, die ich noch nie gesehen habe. Da machen wir bald mal einen Heimkino-Abend".

Auch Hausarbeiten, die bislang vernachlässigt wurden, stehen bei den van der Wecks nun an, wie Annelie sagt. Das Wohnzimmer neu streichen, ein Regal bauen - alles Tätigkeiten, für die als Bürgermeister nicht viel Zeit blieb. Weitere Reisen plant das Ehepaar ebenfalls: "Ich hätte zum Beispiel den Wunsch, mal in Marokko zu überwintern", erzählt Annelie. Langweilig wird es den van der Wecks trotz Ruhestand also nicht.

© SZ vom 07.11.2020
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