Planungsstillstand:Schüler ohne Pausenhof

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Planungsstillstand: Weil sich die Mitarbeiter der Firmen in dem Bürokomplex an der Hans-Pinsel-Straße in Haar gestört fühlen, dürfen die Schüler den Innenhof nicht in der Pause benutzen.

Weil sich die Mitarbeiter der Firmen in dem Bürokomplex an der Hans-Pinsel-Straße in Haar gestört fühlen, dürfen die Schüler den Innenhof nicht in der Pause benutzen.

(Foto: Claus Schunk)

Vier Jahre nach dem Bezug eines Bürokomplexes in Haar ist weiter unklar, wann und wo die Fachoberschule ein eigenes Gebäude erhält.

Von Angela Boschert, Haar

Seit bald vier Jahren gibt es in Haar eine Fachoberschule, doch noch immer hat diese kein richtiges, eigenes Schulgebäude. Dieser Interimszustand hat kuriose Folgen - und auch gefährliche. So wurde heuer eine 400 Quadratmeter große Außenfläche angemietet, damit die 900 Schüler ihre Pausen im Freien verbringen können. Denn einen wirklichen Pausenhof hat die Schule nicht, und in dem umliegenden Bürokomplex an der Hans-Pinsel-Straße fühlt man sich von den Jugendlichen gestört, wenn diese zwischen dem Unterricht nach draußen in den Innenhof gehen. Das Problem: Die Freifläche für die Pausen liegt an einer von Lieferwagen befahrenen Straße.

Genau das beunruhigt Lehrer und Eltern. Schulleiterin Nicola Tauscher-Meriç drückt sich diplomatisch aus: "Schön wäre es, wenn wir den Innenhof des Bürokomplexes nutzen könnten", sagt sie. Ein Kunstkurs hat mit Aktionen schon dafür geworben. Doch sieht Tauscher-Meriç ein, dass der eventuell entstehende Lärmpegel dort auf Dauer nicht optimal ist. In dem Gebäude sind verschiedene Mietparteien untergebracht, darunter Kindergärten, die Ruhezeiten haben, und Firmen, deren Mitarbeiter konzentriert arbeiten wollen. Jedes Schuljahr dauere es eine gewisse Zeit, bis alle neuen Schüler verinnerlicht haben, dass in einem Bürogebäude besondere Regeln herrschen müssen. Man werde "eine Lösung finden müssen, die für alle Beteiligten passend ist", sagt die Direktorin.

Dem Landkreis München als Sachaufwandsträger ist die schwierige Situation nach Darstellung der Schulleiterin bewusst. Der Landkreis tue, was er nur könne, etwa bei Ausstattung und Räumen, so Tauscher-Meriç. "Die ideale Lösung wäre ein eigener Schulbau. Laut Landratsamt ist der Schulstandort in Haar "weiterhin langfristig geplant". Die Standortsuche für eine dauerhafte Lösung laufe. Es existieren verschiedene Optionen, darunter für ein elf Hektar großes Grundstück am S-Bahnhof Gronsdorf, das der Landeshauptstadt München gehört. Der Münchner Stadtrat hat allerdings beschlossen, nur dann einen Teil seines Areals abzugeben, wenn auf der restlichen Fläche Wohngebäude entstehen dürfen. Das möchte jedoch die Gemeinde Haar nicht, um deren Gemeindegebiet es sich handelt. In Haar fürchtet man eine große Verkehrsbelastung. Die Verhandlungen sind offenbar festgefahren.

Spätestens Anfang nächsten Jahres soll die Suche nach einem Standort abgeschlossen sein

"Ende dieses oder Anfang kommenden Jahres soll die Standortsuche dafür abgeschlossen sein", heißt es dazu aus dem Landratsamt. Und Haars Bürgermeister Andreas Bukowski (CSU) sagt: "Es ist nichts ausgeschlossen." Er hat konkrete Pläne: Die Gemeinde favorisiere die Variante Eglfing am Haarer S-Bahnhof im Anschluss an den Sportpark. Dort könnten neben Fachoberschule und Berufsoberschule eine Realschule und eine Pflegeschule entstehen. Es brauche zwar noch eine Erschließungsstraße, aber die ist laut Bukowski im Verkehrskonzept der Gemeinde bereits vorgesehen. Wegen der Grundstücke stehe er mit den privaten Eigentümern in sehr konstruktiven Verhandlungen: "Bis Jahresende wollen wir eine Einigung erzielt haben, wir sind auf einem guten Weg."

Die Fachoberschule Haar kann seit ihrer Gründung im Herbst 2018 auf eine erfolgreiche Entwicklung verweisen. Sie wächst und wächst. Waren es bei der Eröffnung zum Schuljahr 2018/19 zwölf Lehrer und 195 Oberstufenschüler, zählt die Schule in diesem Schuljahr bereits 70 Lehrkräfte und an die 900 Schüler. Ihnen bietet die FOS vier Fachrichtungen an: Gesundheit, Sozialwesen, Technik sowie Wirtschaft und Verwaltung. Anfangs war die Schule im zweiten und dritten Stock der Hans-Pinsel-Straße 10a untergebracht, inzwischen sind das Erdgeschoss und Räume im Gebäudeteil 9a hinzugekommen. Weitere Werkstätten für den Berufszweig Technik wurden erschlossen und eine größere Aula entsteht. Zum Schuljahr 2022/23 werden die schulischen Nutzflächen nach Auskunft des Landratsamts gut 8260 Quadratmeter betragen - das ist das Dreieinhalbfache dessen, was zum Schulstart vor vier Jahren zur Verfügung stand. Dann werden auch auch 1100 Schüler erwartet.

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